Stand: 14.10.2016 11:05 Uhr

Lebensmittel: Biobranche boomt

von Elise Landschek

Ob Bio-Burger, Grünkohl-Smoothie oder vegane Mandelmilch: Vor allem in den norddeutschen Großstädten verkauft sich alles gut, wo Bio draufsteht. Dafür ist der Käufer auch bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Der Umsatz der Bio-Branche steigt kontinuierlich an. Eine gute Nachricht für die Produzenten von Öko-Lebensmitteln. Aber der Bioboom ruft auch Abzocker auf den Plan.

Ein Kilo Äpfel, aus der Region natürlich, ein vegetarischer Brotaufstrich, eine Bio-Laugenstange - und schon ist der Zehn-Euro-Schein weg in diesem Hamburger Bioladen. Bio - klar - hat eben seinen Preis, das denken viele Kunden hier.

"Wenn ich im Bioladen kaufe bin ich ja immer bereit, etwas mehr zu zahlen. Und warum, weil ich hoffe, dass es nicht gespritzt und genmanipuliert ist", meint eine Kundin eines Bio-Supermarktes in Hamburg." Und ein anderer Kunde erklärt: Bei Lebensmitteln soll man nicht sparen. Trotzdem sind die Biopreise wie bei Marken, da muss man auch die Siegel mitbezahlen und wie viel sie tatsächlich aussagen, ist die andere Frage."

Ein gutes Gewissen kaufen

Rund 8,6 Milliarden Euro hat die Bio-Lebensmittelbranche im letzten Jahr verdient - elf Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem die Discounter mit ihren Bio-Produktlinien und die großen Bioketten wie Alnatura, Denns und Co legen kräftig zu. Tendenz: weiter steigend. Auch Bio-Gemüse, sowie Fleisch und Milch von Biohöfen werde immer beliebter, sagt Diana Schaack vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft: "Die Kunden werden immer aufmerksamer, Geiz ist geil, die Zeit ist vorbei. Die Leute wollen viel mehr wissen, was das für Produkte sind, wo die herkommen, dass die hier produziert werden, kaufen sich zum Teil ein gutes Gewissen."

Die Biobranche kommt mit der Produktion kaum hinterher. Vor allem im Winter ist sie auf Importe aus dem Ausland angewiesen: Bio-Tomaten aus Spanien, Äpfel, eigentlich ganz unökologisch, aus Chile. Gekauft wird trotzdem. Der Markt mit dem guten Gewissen treibt zum Teil schillernde Blüten.

Neue Kreationen für viel Geld

Auf einem Food-Festival im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Hier soll die Ernährung der Zukunft vorgestellt werden. An vielen Ständen prangt - natürlich handgemalt - ein Schild: glutenfrei, lactosefrei, vegan oder zumindest: vegetarisch. Neue Kreationen aus alten Zutaten werden verkauft als "Superfood". Und das merkt man auch an den Preisen.

Ein Rote-Bete -Polenta-Burger: 6,90 Euro. Maultaschen aus Dinkelmehl: die Portion zu sieben Euro. Und das "Future Breakfast", also das Frühstück der Zukunft: ein pochiertes Bio-Ei mit Bio-Kräutern auf Bio-Brot: acht Euro - für ein Ei-Brot.

"Wenn so eine Bewegung gerade da ist, da versucht man natürlich mitzumachen, ganz klar. Und wenn dafür eine Zahlungsbereitschaft da ist, warum nicht?, meint Bio-Expertin Diana Schaack. Die Preise für Bio-Lebensmittel richten sich oft nach dem hohen Produktionsaufwand und der begrenzten Menge, die zur Verfügung steht.

Auch Bio muss beworben werden

Schaack erklärt aber auch, dass nicht selten auch eine wirksame Werbestrategie dahinter steckt, die vor allem auf eines ausgerichtet ist: Profit. Denn Essen ist nicht mehr nur Nahrungsaufnahme, sondern ein Gefühl dahinter. Für die Hersteller sei es wichtig, eine Geschichte zum Produkt zu erzählen - mit Bildern, damit sich in den Köpfen was abspielt, wobei man sich gut fühlt.

Bio-Produkte haben ihren Preis und das ist auch oft gerechtfertigt. Trotzdem lohnt es sich, nochmal kurz nachzudenken und nicht blind drauf loszukaufen – nur weil Bio drauf steht.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 14.10.2016 | 19:27 Uhr

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