Stand: 24.10.2014 13:14 Uhr

Die bewegte Vergangenheit der "Gorch Fock I"

Eigentlich müsste die "Gorch Fock" eine "II" im Namen führen. Denn was viele nicht wissen: Es gibt eine Vorgängerin mit bewegter Vergangenheit. Die "Gorch Fock I" wird 1933 im Auftrag der Reichsmarine bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut - in nur 100 Tagen. Am 3. Mai 1933 läuft sie vom Stapel und ist bis 1939 als Schulschiff im Einsatz. Während des Zweiten Weltkriegs dient die "Gorch Fock I" an verschiedenen Standorten als Wohnschiff, zuletzt liegt sie in Stralsund.

Die bewegte Geschichte der "Gorch Fock" (I)

Versenkt, gehoben und zurück nach Stralsund

Als sich das Kriegsende abzeichnet, wird das Schiff abgetakelt und außer Dienst gestellt. Am Nachmittag des 30. April 1945 versenkt die eigene Besatzung die "Gorch Fock I" im Strelasund. 1947 heben die Sowjets das Schiff im vierten Versuch und setzten es bis 1950 in Rostock und Wismar instand. Danach fährt die "Gorch Fock I" unter dem Namen "Towarischtsch" als Ausbildungsschiff über die Weltmeere, kommt 1992 unter ukrainische Flagge, wird 1999 nach Wilhelmshaven geholt und dort zu einer der großen Attraktionen der "EXPO 2000 am Meer". 2003 kauft der Tall-Ship Friends e.V. das Schiff und überführt es nach Stralsund, wo es umfassend restauriert wird. Heute liegt die "Gorch Fock I" als Museumsschiff im Stralsunder Hafen. Der Verein würde den Großsegler in Zukunft am liebsten wieder seetauglich machen, allerdings reichen dafür die Mittel nicht. Möglicherweise will die Stadt Stralsund die Bark kaufen.

Familie von sechs Schiffen

Die "Gorch Fock I" gehört zu einer Familie von sechs Segelschulschiffen, die zwar nicht komplett baugleich sind, sich aber ähneln. Dazu zählt auch die "Gorch Fock II". Die anderen vier Schiffe sind die "Eagle" (ehemals "Horst Wessel"), die heute der US-Küstenwache gehört und neun Monate im Jahr in ihrem neuen Heimathafen New London (USA) liegt; die "Sagres" (ehemals "Albert Leo Schlageter"), die seit 1961 als Segelschulschiff unter portugiesischer Flagge fährt; und die "Mircea", ein rumänisches Segelschulschiff. Die "Herbert Norkus" wurde nie fertig, nach dem Krieg von den Alliierten beschlagnahmt, 1947 mit Giftmunition beladen und im Skagerrak versenkt.

Gorch Fock hieß eigentlich Johann Kinau

Namensgeber beider Schiffe war der Schriftsteller Gorch Fock, der in Wirklichkeit Johann Kinau hieß und am 22. August 1880 in Hamburg-Finkenwerder geboren wurde. Eigentlich wollte er Fischer werden wie sein Vater, doch wegen seiner schmächtigen Statur landete er statt auf See in Läden und Schreibstuben. Schon in jungen Jahren veröffentlichte Kinau Gedichte und Erzählungen in Hoch- und Niederdeutsch, sein 1912 erschienenes Werk "Seefahrt ist not" wurde zu einem Klassiker der Seefahrtsliteratur. Kinau starb 1916 in der Schlacht am Skagerrak als Matrose auf dem untergehenden Kreuzer "SMS Wiesbaden".

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.05.2015 | 07:15 Uhr

"Gorch Fock" - Schulschiff und Botschafterin

Der "weiße Schwan der Ostsee" läuft 1958 in Hamburg vom Stapel. Seither bereist die Dreimastbark mit Kadetten an Bord als Schulschiff der Bundesmarine die Weltmeere. mehr

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