Stand: 06.05.2015 16:12 Uhr

Weltumsegler: Die "Eye of the Wind"

Seit mehr als 100 Jahren ist die "Eye of the Wind" auf den Weltmeeren zu Hause. Die lange Geschichte des Segelschiffs beginnt 1911 in Brake an der Unterweser. Dort läuft der Zweimaster bei der Lühring Werft als Toppsegelschoner "Friedrich" vom Stapel. Bis 1923 ist die "Friedrich" als Frachtsegler in Ost- und Nordsee unterwegs. Dann wird das Schiff nach Schweden verkauft und ist jahrzehntelang als Fracht- und Postschiff unter dem Namen "Merry" im Einsatz. Schrittweise wird es in den Folgejahren zum Motorschiff umgebaut, 1926 werden die Masten entfernt.

"Eye of the Wind": Ein Bild von einem Schiff

Vom Motorfrachtschiff zurück zum Großsegler

Ein verheerender Schiffsbrand, der vom Maschinenraum ausgeht und das Holzdeck und die Deckshäuser zerstört, beendet 1969 die Karriere des Frachtschiffes - die "Merry" ist nicht mehr fahrtüchtig. Das ist die entscheidende Wende: Britische und australische Segelschiff-Liebhaber kaufen das schwer beschädigte Schiff 1973 und bauen es zur Brigantine mit zwei Masten um. Aus dem Teakholz eines ehemaligen Tanzbodens entstehen die Deckshäuser, unter Deck werden im Salon alte englische Kirchenbänke eingebaut. Nach der Komplettsanierung erhält das Segelschiff mit "Eye of the Wind" auch einen neuen Namen.

Weltumseglung auf Francis Drakes Spuren

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Zwei Mal umsegelte die "Eye of the Wind" das gefürchtete Kap Hoorn.

Gleich ihre erste Fahrt führt die "Eye of the Wind" auf Weltreise: Es geht nach Australien, in die Südsee und rund um das wegen seiner tückischen Winde berüchtigte Kap Hoorn. Nach der ersten Weltumseglung folgt 1978 schon die nächste Herausforderung: Die "Eye of the Wind" wird zum Flaggschiff der "Operation Drake" ernannt. Die zweijährige Expeditionsreise unter der Schirmherrschaft des britischen Thronfolgers Prinz Charles führt das Schiff auf den Spuren des berühmten Seefahrers rund um den gesamten Globus. Während der verschiedenen Etappen nehmen mehr als 400 unterschiedliche Crew-Mitglieder teil.

"Eye of the Wind" nimmt Kurs auf Hollywood

In den Achtzigerjahren beginnt für die "Eye of the Wind" eine weitere Karriere - als Hollywood-Star. Das Schiff spielt in mehreren Kinofilmen mit, so etwa 1980 in "Die blaue Lagune", 1983 in "Savage Island", 1986 in "Taipan" und zuletzt 1996 in "White Squall - Reißende Strömung". Stars wie Brooke Shields, Tommy Lee Jones und Jeff Bridges nehmen das Steuerrad in die Hand. Außerdem ist das Schiff als Trainingsschiff für Jugendliche im Einsatz.

Im Jahr 2000 erwirbt ein dänischer Unternehmer das Schiff und lässt es modernisieren. Bis zu seinem Tod 2009 ist es nicht mehr öffentlich zugänglich. 2009 kauft eine deutsche Firma den Segler und organisiert seither Führungskräftetrainings und Gruppenreisen an Bord. Regelmäßig ist die Brigantine mit den charakteristischen rotbraunen Segeln und dem schwarz-weiß-roten Rumpf auch auf deutschen Großseglertreffen und Hafenfesten wie den Hamburger Hafengeburtstag, die Kieler Woche und die Hanse Sail in Rostock zu Gast

Schiffsdaten der "Eye of the Wind"

Schiffstyp: Brigantine
Baujahr: 1911
Werft: C. H. Lühring Werft, Brake, Deutschland
Gesamtlänge: 40,23 Meter
Breite: 7,01 Meter
Segelfläche: 750 Quadratmeter
Nation: Dänemark
Heimathafen: Gilleleje
Eigner: Forum train & sail GmbH

Dieses Thema im Programm:

Rund um den Michel | 10.05.2015 | 18:00 Uhr

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