Stand: 18.03.2016 17:28 Uhr

Friedland: Das "Tor zur Freiheit"

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In Nissenhütten und Baracken werden in Friedland ab 1945 Hunderttausende Menschen untergebracht.

Mai 1945: Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg verloren. Auf den Straßen der Besiegten herrscht Chaos, die Menschen leiden Hunger. Die Versorgung ist längst zusammengebrochen. Millionen Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Gebieten wandern gen Westen, riesige Flüchtlingsströme ziehen durch das zerstörte Land. Die Besatzer müssen handeln, um Herr der Lage zu werden. Der britische Militärkommandant befiehlt, ein Auffanglager zu errichten.

Er wählt dafür Friedland aus, ein Örtchen, dass er als ideal für diesen Zweck befindet: Das Dorf liegt im südlichen Niedersachsen zwischen der britischen, amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone. Es gibt dort einen Bahnhof, eine gut ausgebaute Straße und leer stehende Schweine- und Pferdeställe der Universität Göttingen. Auf Anordnung der Briten wird das Gelände zu einer Unterkunft für Kriegsflüchtlinge, Vertriebene, entlassene Kriegsgefangene und Heimatlose umgebaut.

Flüchtlinge warten in einer Halle auf ihre Aufnahme.

Friedland damals und heute

Das niedersächsische Friedland hat viele dramatische Fluchtgeschichten erlebt. Der Film erinnert an deutsche Kriegsheimkehrer und begleitet heutige Asylbewerber.

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Schon bald reicht der Platz nicht mehr

Die deutschen Kriegsgefangenen brauchen nur wenige Tage, um das Lager aus dem Boden zu stampfen. Am 20. September 1945 ist das Lager einsatzbereit. Hunderttausende kommen, viele zu Fuß, die meisten mit dem Zug. Bis Ende 1945 schleusen die Briten eine halbe Millionen Menschen durch das Lager für die Weiterreise in verschiedene Regionen Deutschlands - vor allem entlassene Kriegsgefangene und Vertriebene. Der Platz reicht bald nicht mehr. Die Kriegsgefangenen müssen das Lager vergrößern. Sie stellen britische Armeezelte auf, errichten Holzbauten und Wellblechbaracken, die sogenannten Nissenhütten. Für die Ankömmlinge gibt es im Lager den wichtigen Registrierschein, der Voraussetzung für neue Papiere, Arbeit, Wohnung und Lebensmittelkarten ist.

Am 13. August 1946 trifft in Friedland der erste geschlossene Transport deutscher Kriegsgefangener aus der Sowjetunion ein.

Theodor Heuss begrüßt die Heimkehrer

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1955 treffen die letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion ein. Bundespräsident Heuss begrüßt sie persönlich.

1955 erreicht Bundeskanzler Konrad Adenauer in Moskau die Freilassung Tausender Kriegsgefangener. Auch sie kommen zuerst nach Friedland. Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss reist persönlich zu den Heimkehrern, um sie zu begrüßen. In den Folgejahren ist Friedland vor allem Zwischenstation für deutschstämmige Spätaussiedler aus Osteuropa. Neben diesen finden in Friedland auch immer wieder Menschen aus unterschiedlichsten Ländern Zuflucht. 1956 zum Beispiel sind es Flüchtlinge aus Ungarn, 1973 nach dem Militärputsch in Chile Verfolgte des Pinochet-Regimes, 1978 Bootsflüchtlinge ("Boat People") aus Vietnam, 1984 Tamilen aus Sri Lanka und 1990 Flüchtlinge aus Albanien. In den Wendejahren 1989/90 kommen auch Übersiedler aus der DDR, dann auch Aussiedler aus den Nachfolgeländern der Sowjetunion. Allein im Jahr 1990 treffen 400.000 Aussiedler in Friedland ein.