Stand: 18.08.2015 17:08 Uhr

Das Geheimnis der Schnippenburg

von Kora Blanken

Hochgewachsene Bäume, trockenes Laub, herabgefallene Äste - Christian Böhling steht in einem ganz normalen Waldstück irgendwo bei Ostercappeln im Landkreis Osnabrück. So denkt man zumindest. Doch dann zeigt Böhling auf mehrere handballgroße Steine, die einige Zentimeter aus dem Boden herausragen. Sie sind ein deutlicher Hinweis auf eine archäologische Sensation: die Reste einer Burg.

Auf der Suche nach 2.300 Jahre alten Schätzen

Eine Entdeckung mit vielen Fragezeichen

Die Schnippenburg ist im Jahr 300 v. Chr. entstanden. Etwa ein Jahrhundert später wurde sie wieder zerstört. Warum? "Das ist unklar", sagt Böhling. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Schnippenburg. Auch, wer die Burg zerstört hat, wisse man nicht. Doch in einem sind sich die Archäologen mittlerweile sicher: Die Schnippenburg wurde nicht zur Verteidigung genutzt, sondern als Opferplatz. "Hier haben Rituale stattgefunden, die damit verbunden waren, dass man Dinge, die man für kostbar hielt, auf die Erde legte, an Bäumen oder Sträuchern befestigte oder sogar eingrub", so Böhling. Und die haben die Archäologen mittlerweile ausgegraben.

Waren die Kelten im Osnabrücker Land?

Etwa 1.700 Tongefäße, bronzene Armreifen und blau-weiße Perlen haben die Wissenschaftler in den Jahren 2000 und 2001 unter der Burg gefunden - eine Überraschung. Denn was dort mehr als zwei Jahrtausende in dem unscheinbaren Waldboden schlummerte, gehört eigentlich nicht ins Osnabrücker Land. "Das sind Funde aus dem keltischen Süden", sagt Christian Böhling. "Zuerst denkt man, das sind Objekte, die per Handel hierhergekommen sind. Inzwischen muss man aber fragen, ob nicht die Kulturträger selbst hergekommen sind." Und das würde bedeuten: In Ostercappeln gab es vor 2.300 Jahren Kelten. Dabei waren sich die Wissenschaftler eigentlich ziemlich einig, dass die Kelten nur bis ins südliche Westfalen vorgedrungen sind.

Wann gibt es Antworten?

Von der zerstörten Burganlage sind heute nur noch die Reste übrig: versprengte Steine der ehemaligen Mauer und verkohlte Holzpalisaden. Noch wirft das Bodendenkmal viele Fragen auf. Wie genau wurde die Burg benutzt? Waren tatsächlich Kelten im Osnabrücker Land? Wie haben sie gelebt? Und warum wurde die Schnippenburg Jahre später verbrannt? All das können die Archäologen bislang nicht beantworten. "Die Wissenschaft ist auf den 'Kommissar Zufall' angewiesen", sagt Christian Böhling. Vielleicht gebe es irgendwo schon bald einen neuen Fund, der etwas mehr Licht ins Dunkel bringt. "Das kann morgen sein, das kann aber auch noch Jahrzehnte dauern."