Stand: 09.08.2011 12:15 Uhr  | Archiv

Theodor Mommsen - Historiker der Sonderklasse

Theodor Mommsen wurde hoch geachtet. Er erhielt den Orden Pour le Mérite und die Ehrenbürgschaft von Rom.

Er gilt als einflussreichster Historiker des 19. Jahrhunderts und hat seine Zeit wie kaum ein anderer geprägt: Theodor Mommsen. Für seine Veröffentlichung "Römische Geschichte", die bis heute zu den Meisterwerken der Geschichtsschreibung zählt, erhielt er 1902 als erster Deutscher den Literaturnobelpreis. Dem Forscher Mommsen stand der politisch denkende Bürger gegenüber, der für Einheit und Freiheit focht, Bismarck einen Schwindler nannte, sich gegen den Antisemitismus im Kaiserreich zur Wehr setzte und den Katholizismus missbilligte. Doch seine Vision, das Reich nach innen freiheitlich zu gestalten, erfüllte sich nicht. Weit größere Erfolge feierte er als Altertumswissenschaftler.

Theodor Mommsen - der Nobelpreisträger

Kategorie: Literaturnobelpreis
Jahr: 1902
Begründung des Komitees: "... dem gegenwärtig größten lebenden Meister der historischen Darstellungskunst, mit besonderer Berücksichtigung seines monumentalen Werkes 'Römische Geschichte' ".

Freundschaft mit Theodor Storm

Mommsen kommt am 30. November 1817 im nordfriesischen Garding zur Welt. Der älteste Sohn einer Pastorenfamilie wächst mit fünf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen in Oldesloe (Kreis Stormarn) auf. Er besucht im Oktober 1834 das altsprachliche Gymnasium in Altona. Im Mai 1838 beginnt sein Jura-Studium an der Universität Kiel. Ein Jahr später lernt er seinen Mitstudenten Theodor Storm kennen, der später als Dichter berühmt wird. Beide teilen sich zeitweise eine Wohnung und veröffentlichen 1843 gemeinsam mit Mommsens Bruder Tycho die Gedichtsammlung "Liederbuch dreier Freunde". Mit einer Promotion über das römische Recht schließt Theodor Mommsen im selben Jahr sein Studium ab.

Wegen demokratischer Gesinnung suspendiert

1844 bekommt Mommsen ein Reisestipendium für altertumswissenschaftliche Forschungen. Er besucht zunächst Frankreich und dann vor allem Italien. Dort schafft er die Grundlagen für die Herausgabe des "Corpus Inscriptionum Romanorum", einer Sammlung aller Inschriften im Römerreich. Im Revolutionsjahr 1848 kehrt der Gelehrte in seine Heimat zurück und arbeitet als Journalist bei der "Schleswig-Holsteinischen-Zeitung". Im Herbst des selben Jahres erhält Mommsen eine Professur für römisches Recht an der Universität Leipzig. Ein Jahr später beteiligt er sich am sächsischen Maiaufstand und wird deshalb zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt, die er aber nicht antreten muss. 1851 wird er wegen seiner demokratischen Gesinnung aus dem Hochschuldienst entlassen, weil er unter anderem den Verfassungserlass des sächsischen Königs kritisiert hat.

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