Stand: 08.09.2010 12:37 Uhr

Johannes Bugenhagen - Reformator des Nordens

von Astrid Reinberger

Wandel zum Reformator

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Bugenhagen (fünfter von rechts) gehörte zum Kreis der Reformatoren um Martin Luther (vorne im Bild).

Um 1520/1521 fiel ihm Luthers Schrift "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche" in die Hände, in der dieser die Praktiken der römischen Kirche kritisierte. Bugenhagen war entsetzt. Er hielt Luther für einen schändlichen Ketzer. Dennoch beschäftigte er sich eingehend mit Luthers Thesen, bis sich sein Urteil sogar ins Gegenteil wandelte. Vor der Treptower Geistlichkeit soll Bugenhagen laut der "Newe Sachssen Chronica" schließlich gesagt haben: "Was soll ich euch wohl sagen? Die ganze Welt liegt in äußerster Blindheit. Aber dieser Mann alleine sieht die Wahrheit."

Bugenhagen nahm Kontakt zu Luther auf, wenig später reiste er nach Wittenberg. Dort entwickelte sich der vom Wittenberger Reformatorenkreis als "Doctor Pommer" oder "Doctor Pomeranus" bezeichnete Bugenhagen neben Luther und Philipp Melanchthon zum bedeutendsten Reformator seiner Zeit. Er hielt Vorlesungen an der Universität zu Wittenberg und wurde 1523 zum Nachfolger des Wittenberger Stadtpfarrers gewählt. Ebenfalls zu dieser Zeit heiratete er und brach damit noch vor Luther mit dem für Pfarrer üblichen Zölibatsgebot.

Ein gefragter Stratege

1528 wurde er nach Braunschweig gebeten, um dort die schwierigen Verhältnisse zu ordnen. Der Rat war für die Reformation, Herzog und Kaiser dagegen. Bugenhagen schrieb eine niederdeutsche Kirchenregelung, auf die sich letztlich alle einigen konnten. Zudem hielt er Predigten, in denen er seine Reformen auch den "einfachen" Leuten erklärte und somit deren Akzeptanz erhöhte. Sein Verhandlungsgeschick sprach sich herum. Schließlich wurde er verantwortlich für die Kirchenordnungen von Hamburg, Lübeck, Hildesheim, Wolfenbüttel, Pommern und Dänemark.

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Bugenhagen-Jahr 2008

18.04.2008 19:18 Uhr
NDR Info

Hans-Jürgen Abromeit, Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche, äußert sich über die Bedeutung von Johannes Bugenhagen und der neu eingerichteten Bugenhagen-Stiftung. Ein Hintergrundbericht. Audio (03:34 min)

Bugenhagen war umsichtig genug, nicht nur zu ordnen, wie mit Ämtern verfahren werden oder wie der Gottesdienst ablaufen sollte, sondern er implementierte auch Regelungen für die Armenversorgung und für Schulen. In Hamburg gründete Bugenhagen mit dem Johanneum das erste humanistische Gymnasium der Stadt. In Pommern führte er Stipendien für begabte Kinder ein, deren Eltern sich die Universität nicht leisten konnten. Er setzte sich - ungewöhnlich für die Zeit - auch für die Bildung von Mädchen ein.

Mehrfach wurde ihm angeboten, in den Orten zu bleiben und dort als Bischof zu wirken. Doch immer lehnte er ab, um in Wittenberg leben und sein Amt als Stadtpfarrer innehalten zu können. 1533 wurde er in Wittenberg offizieller Professor. Maßgeblich war er an der Übersetzung der ersten vollständigen niederdeutschen Bibel beteiligt, der "Bugenhagen-Bibel", die ein halbes Jahr vor Luthers hochdeutscher Bibelübersetzung fertig wurde.

Lebensausklang

"Doctor Pommer" - er blieb auch in Wittenberg, als der Kaiser nach Luthers Tod 1546 begann, mit Waffengewalt gegen die Reformation anzugehen. Viele andere, so etwa Melanchthon, verließen aus Angst vor Repressionen die Stadt. Die einsetzende Re-Katholisierung belastete Bugenhagen sehr. Er verfasste Rechtfertigungsschriften, in denen er Luther und seinen Thesen die Treue bewies.

Mit 72 Jahren musste Johannes Bugenhagen aufgrund von raschem Kräfteverfall sein Pfarramt schließlich aufgeben. Er starb kurze Zeit später, am 20. April 1558.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 26.06.2010 | 19:30 Uhr

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