Stand: 11.09.2010 10:40 Uhr

Remarque: Mit Anti-Kriegsroman zum Star

von Annette Volland

Als 18-Jähriger muss Erich Paul Remark zum Militär. Nach kurzer Ausbildung kämpft er als Rekrut an der Westfront. Sehr bald wird er von Granatsplittern schwer verwundet, liegt lange im Lazarett. "Den wahren Schrecken des Krieges lernt man erst im Lazarett kennen", formuliert er später in seinem Roman "Im Westen nichts Neues".

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Erst spät wird Remarque in Deutschland gefeiert wie hier 1956 auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin.

Erich Paul Remark kommt am 22. Juni 1898 in Osnabrück als Sohn des Buchbinders Remark auf die Welt. Diese Tatsache, die 30 Jahre später aus politischen Gründen bestritten wird, ist durch eine Geburtsurkunde der Stadt belegt. Er besucht er die Schule, danach das katholische Lehrerseminar. Im Jahr 1916 erscheint sein erster Text "Von den Freuden und Mühen der Jugendwehr".

Auf Umwegen zum Schriftsteller

Als der Krieg zu Ende ist, absolviert er seine Lehrerprüfung und beginnt in Lohne bei Lingen als Volksschullehrer, unterrichtet einige Wochen in Klein Berssen, schließlich für einen Monat in Nahne bei Osnabrück. Aber der Beruf ist nicht das Richtige für Remarque. Er quittiert den Schuldienst, hält sich mit Jobs über Wasser, schreibt Gedichte und Kurzgeschichten und veröffentlicht Theater- und Konzertkritiken bei der "Osnabrücker Tages-Zeitung". In dieser Zeit experimentiert er mit Künstlernamen und entscheidet sich irgendwann für Erich Maria Remarque. Er sieht den Ursprung des Namens "Remark" bei französischen Vorfahren. 1920 erscheint sein erster Roman "Die Traumbude".

Größter Erfolg der deutschen Literatur

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1929 wird "Im Westen nichts Neues" (All quiet on the western front) in den USA verfilmt.

1922 zieht Remarque nach Hannover. Dort arbeitet er als Werbetexter und verantwortlicher Redakteur für das "Echo Continental" der Continental-Gummiwerke. Er beginnt zu reisen, lernt die Schweiz, Jugoslawien, Italien, England, Belgien und die Türkei kennen. 1925 zieht es ihn in die Hauptstadt Berlin. Hier verdient er sein Geld als Redakteur der Zeitschrift "Sport im Bild". Kurz darauf heiratet er die Tänzerin Jutta Ilse Zambona zum ersten Mal. Ein zweites Mal wird folgen.

Nach Büroschluss schreibt er, ein Jahrzehnt nach seinen schlimmen Erlebnissen als Soldat, den Anti-Kriegsroman "Im Westen nichts Neues". 1928 bietet er das Werk zunächst dem S. Fischer Verlag an. Der hält das Thema für nicht mehr aktuell und lehnt ab. Ein glücklicheres Händchen beweist der Ullstein-Konzern: Er nimmt Werk und Autor unter Vertrag. Der Roman erscheint als Vorabdruck in der Vossischen Zeitung, die dem Ullstein-Verlag gehört, und Ende Januar 1929 darauf als Buch. "Im Westen nichts Neues" ist der bis dahin größte Erfolg der deutschen Literaturgeschichte - auch wegen einer intensiven Vermarktung. Schon im ersten Jahr wird das Buch in 26 Sprachen übersetzt. Im Sommer 1930 sind bereits eine Million Exemplare in Deutschland verkauft.

"Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg"

Den Nazis ist der Kriegsgegner Erich Maria Remarque, hier um 1930, ein Dorn im Auge.

Es ist die Zeit, in der die Nationalsozialisten an Macht übernehmen - und ihnen gefällt der Erfolg des Buches nicht. "Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich 'rausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hineingehen müssen", sagt Remarque später. Nationalsozialisten verbreiten, dass Remarque eigentlich Kramer heiße. Er soll als Lügner dastehen. Sie behaupteten auch, Remarque sei ein französischer Jude und hätte nie am Ersten Weltkrieg teilgenommen.

Unterdessen verfilmt eine amerikanische Gesellschaft schon den Roman "Im Westen nichts Neues". Bei der Uraufführung 1930 in Berlin gibt es Ärger. Goebbels, damals Gauleiter vor Ort, lässt die Veranstaltung massiv stören. Im Dezember verbietet die Filmoberprüfstelle Berlin den Film. Wenige Wochen danach wird Remarque aus dem Ausland für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Dieser geht aber an die Pazifisten Jane Addams und Nicholas Murray Butler.

Im Exil

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1931 kauft Remarque diese Villa am Lago Maggiore in der Schweiz und zieht dort hin.

Remarque ist vorerst von seiner Frau geschieden und viel im Ausland unterwegs. 1931 kauft er eine Villa am Lago Maggiore in der Schweiz. Dort trifft er sich mit Thomas Mann, Carl Zuckmayer, Else Lasker-Schüler und anderen Autoren, die Deutschland verlassen haben. "Im Westen nichts Neues" hatte Remarque als Teil einer Trilogie geplant. 1931 erscheint "Der Weg zurück", der zweite Teil. Im Mai 1933 werden Remarques Bücher in der Berliner Universität öffentlich verbrannt. Er lebt weiter in der Schweiz und veröffentlicht 1937 den dritten Teil seiner Trilogie: "Drei Kameraden". 1938 entziehen die Nationalsozialisten ihm die deutsche Staatsangehörigkeit. Remarque hat seine erste Frau inzwischen zum zweiten Mal geheiratet, obwohl er auch eine Beziehung zu Marlene Dietrich hat.

Als der Zweite Weltkrieg beginnt, siedelt das Ehepaar Remarque in die Vereinigten Staaten über. Hier trifft der Autor viele Verleger und Filmproduzenten. Besonders Filmtheaterbesitzer und Produzent Joseph Kennedy, Vater des späteren Präsidenten der USA, hilft ihm, sich zu etablieren.

Erotisches Chaos

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Marlene Dietrich und Erich Maria Remarque waren drei Jahre lang ein Paar und schrieben sich Hunderte von Briefen.

Der traumatisierte Osnabrücker Kriegsheimkehrer ist trotz der Depressionen, die ihn immer wieder einholen, ein attraktiver Mann von Welt geworden. Verheiratet mit einer Tänzerin, liiert mit Marlene Dietrich, dazu in einem Verhältnis mit einem Fotomodell, trifft er 1940 den Hollywood-Star Paulette Goddard, die frühere Frau von Charlie Chaplin. 18 Jahre später wird er sie heiraten. Doch vorerst fasziniert ihn auch Greta Garbo, mit der er bald ebenfalls eine enge Beziehung beginnt. So geht es weiter. Remarque ist mit vielen Kreativen bekannt, lernt zahlreiche interessante Frauen kennen. Er hat keinerlei Ordnung in seinen Beziehungen. Aber der Kreativität schadet das nicht.

In den USA erscheint 1941 in englischer Sprache "Flotsam", ein Roman über deutsche Flüchtlinge. Schicksale von Flüchtlingen stehen auch im Zentrum des Romans "Arc de Triomphe", der 1946 zuerst auf Englisch veröffentlicht wird. Dieses Buch wird wieder ein Welterfolg. Mit den späteren Romanen "Der Funke Leben", "Zeit zu leben und Zeit zu sterben", "Der schwarze Obelisk", "Die Nacht von Lissabon" gelingt das so nicht mehr. Und doch werden acht Werke von Remarque verfilmt. Auch mit seinem 1956 erschienenen Schauspiel "Die letzte Station" hat er Erfolg.

Späte Ehre in Deutschland

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Am 25. Februar 1958 heiraten Remarque und Paulette Goddard - es ist seine dritte Ehe.

Deutschland ist inzwischen stolz auf ihn, den US-amerikanischen Staatsbürger, der viel in der Schweiz lebt. 1964 erhält Remarque die Justus-Möser-Medaille seiner Geburtsstadt Osnabrück, 1967 das Große Bundesverdienstkreuz. 1968 wird Remarque als Mitglied in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. Diese Ehrung soll den 70-Jährigen sehr gefreut haben. Er ist seit längerem immer wieder schwer krank, hat mehrere Herzanfälle erlitten. Am 25. September 1970 stirbt Remarque in einer Klinik in Locarno.

Weitere Informationen

Wie "Im Westen nichts Neues" entstand

31.07.2014 08:03 Uhr

Das Erich-Maria Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück zeigt die Entstehungsgeschichte des Anti-Kriegsromans "Im Westen nichts Neues". Unter den Exponaten ist auch das Originalmanuskript. mehr

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