Stand: 25.06.2014 11:20 Uhr  | Archiv

Fritz Schumacher - Hamburgs moderner Stadtplaner

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Fritz Schumacher war äußerst aktiv: Er schuf nicht nur etliche Gebäude, sondern schrieb auch rund 30 Bücher.

Holthusenbad und Davidwache, Stadtpark und Krugkoppelbrücke: Fritz Schumachers Bauten und Anlagen prägen das Stadtbild Hamburgs bis heute. Mehr als 90 Gebäude und Brücken, viele von ihnen aus Backstein, zeugen von seiner immensen Schaffenskraft.

24 Jahre lang, von 1909 bis zu seiner Zwangspensionierung durch die Nazis 1933, gestaltete Schumacher in seiner Funktion als Baudirektor das moderne Hamburg. Sein Wirken reicht dabei weit über die reinen Bauwerke hinaus: Schumachers Ziel war es, dem modernen Großstadtmenschen eine neue Heimat schaffen.

Werke von Fritz Schumacher in Hamburg

Die kranke Stadt gesunden lassen

Die Großstadt betrachtete Schumacher als eine Art kranken Organismus: "Die ganze Fülle sozialer Ungelöstheiten, die ganze Wucht unnatürlicher Lebensverhältnisse" balle sich darin zusammen. Nur unter Berücksichtigung der sozialen Bedingungen und der Bedürfnisse seiner Bewohner könne man sie reformieren. Aufgabe der Städteplaner sei es, "das verzerrte Gebilde umzugestalten, das sich heute als Großstadt herausgebildet hat“, erklärt Schumacher in einer seiner letzten Schriften 1947. Zu dieser Zeit lag das in vielen Teilen von ihm erschaffene Hamburg in Trümmern - Bomben und Feuersturm waren über sein Lebenswerk hinweggefegt und hatten auch viele seiner Bauwerke zerstört. 

Kindheit zwischen Bremen, Bogotá und New York

Wer war der große Stadtplaner und Architekt, der auch international hohes Ansehen genoss und dessen Arbeiten bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert in Ausstellungen in aller Welt zu sehen waren?

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Frühe Spuren: In Leipzig arbeitet Schumacher am Entwurf des Leipziger Rathauses mit.

1869 wird Fritz Schumacher in Bremen geboren, seine  Kindheit verbringt der Diplomatensohn im kolumbianischen Bogotà und in New York. Als Fritz 14 Jahre alt ist, kehrt die Familie in die Hansestadt zurück. Nach dem Abitur studiert er in München Architektur und geht nach ersten praktischen Erfahrungen in einem Münchner Architekturbüro 1895 nach Leipzig, wo er unter anderem am Entwurf des Neuen Rathauses mitarbeitet.

Architekt - Künstler - Reformer

Schon zu dieser Zeit wird deutlich, dass Fritz Schumacher nicht nur Architekt ist, sondern auch Reformer. 1899 veröffentlicht er die Streitschrift "Im Kampfe um die Kunst", in der er Einfachheit, Handwerklichkeit und einen lokalen Bezug der Architektur fordert. 1901 geht Schumacher als Professor an die Universität Dresden, wo er auch den Deutschen Werkbund mitbegründet.  Zu seinen Studenten gehören unter anderem Fritz Bleyl, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner, die später als Brücke-Künstler berühmt werden sollten.

1909: Schumacher kommt nach Hamburg

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Für die Mönckebergstraße entwarf Schumacher eine Volkslesehalle mit einem repräsentativen Brunnen.

Am 1. September 1909 kommt Schumacher als Baudirektor nach Hamburg. Vorangegangene Angebote bekannter Hochschulen und Städte hatte er abgelehnt. In Hamburg aber sieht der nun 40-Jährige für sich die Möglichkeit, seine Vorstellungen von einer modernen Stadt umzusetzen: mehr Grünanlagen, Geschossgebäude mit höchstens fünf Etagen, Wohngebiete mit Kinderspielplätzen und Wiesen, luft- und lichtdurchflutete Wohnungen.