Stand: 02.12.2010 11:19 Uhr

Der norddeutsche Maler Philipp Otto Runge

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Selbstbildnis am Zeichentisch, 1801/02 (Ausschnitt)

"Ein Individuum, wie sie selten geboren werden", soll Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1810 über Runge gesagt haben.

Auch der Literat Clemens Brentano war 1837 voll des Lobes: "...dieser sei eigentlich doch der tiefsinnigste Künstler, der unmittelbarste der neueren Zeit..."

Späte Anerkennung

Trotz dieser außerordentlichen Wertschätzung erging es Runge nicht anders als vielen seiner Malerkollegen. Zu Lebzeiten blieb er weitgehend unentdeckt und seine Arbeiten erhielten erst im Nachhinein die ihnen zustehende Anerkennung.

Es war Alfred Lichtwark - am 3. Dezember 1886 zum ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle berufen - der in Runge den genialen Künstler erkannte und einen Großteil seiner Arbeiten ankaufte.

Vielseitiger Künstler

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Hund, den Mond anbellend, undatiert (Ausschnitt) - weißer Scherenschnitt auf blauem Papier

Heute gilt Runge als vielseitigster Künstler des 19. Jahrhunderts. Neben dem Malen und Zeichnen befasste er sich mit der Innenausstattung von Räumen und der Gestaltung von Bucheinbänden, er fertigte Scherenschnitte an und entwarf die Bilder für ein Kartenspiel.

Außerdem schrieb er zwei Märchen in plattdeutscher Sprache: "Von dem Fischer un sine Fru" und "Von den Mahandel Bohm". Damit regte er die Gebrüder Grimm zum Sammeln von Märchen an.

Auch mit vielen Dichtern seiner Zeit stand Runge in Kontakt. Es existieren Dokumente über einen Briefwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig Tieck und Clemens Brentano. Im Online-Archiv der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg sind Runges Briefe und historische Texte über ihn im Internet nachzulesen.

Runge war eng befreundet mit seinem bekannteren Künstlerkollegen Caspar David Friedrich sowie mit August von Klinkowström. Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald hat 2010 in einer Sonderausstellung zur "Geburt der Romantik" Werke der drei Maler ausgestellt.

Biografie in Bildern

Beeindruckende Arbeiten

Das Werk Runges ist nicht sehr umfangreich, aber wesentlich für die Entwicklung der Malerei in Deutschland.

Ein Teil seiner Bilder wurde 1931 bei einem Großbrand des Münchner Glaspalastes zerstört. 29 der erhaltenen 35 Werke befinden sich in der Kunsthalle Hamburg. Weitere seiner Bilder sind im Besitz des Kulturhistorischen Museums der Stadt Stralsund und im Pommerschen Landesmuseum Greifswald, sowie in Österreich und der Schweiz.

Porträts und Selbstbildnisse

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Selbstbildnis im blauen Rock,1805 (Ausschnitt)

Neben den ausdrucksvollen Porträts seiner Eltern, Verwandten und Freunde schuf Runge auch eine Reihe von Selbstporträts. Seine Gemälde und Zeichnungen sind Ausdruck seiner intensiven Selbstbeobachtung.

Dabei verzichtet er fast immer auf die für Künstler so typischen Attribute Pinsel oder Stift, sondern nimmt eher die Pose eines Denkers ein.

Bruder und Mäzen

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Daniel Runge, der Bruder des Künstlers, um 1808 (Ausschnitt)

Eines der Porträts stellt seinen Bruder Daniel dar. Ohne ihn wäre Philipp Otto Runge möglicherweise nicht der Künstler geworden, als der er heute gilt, denn Daniel bezahlte ihm die ersten Zeichenstunden in Hamburg. Wäre es nach dem Willen seines Vater gegangen, hätte auch Philipp Otto den Beruf des Kaufmanns ausüben sollen.

Daniels finanzielle Unterstützung blieb auch in den Folgejahren notwendig, denn mit seiner Malerei konnte Runge kein eigenes Einkommen erzielen. Auch nach dem Tod seines Bruders sorgte Daniel für dessen Witwe und die Kinder.

Ehefrau und Modell

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Bildnis Pauline im grünen Kleid, 1804 (Ausschnitt)

Die Kaufmannstocher Pauline Bassenge (1786 - 1881) hatte Runge während seines Studiums in Dresden kennen gelernt. Im Jahr 1804 heiratete er sie und zog mit ihr nach Hamburg, wo auch sein Bruder Daniel lebte.

Pauline bekam vier Kinder. Der jüngste Sohn wurde einen Tag nach dem Tod Runges geboren. Er erhielt den Namen Philipp Otto.

Als Runge im Jahr 1810 starb, war Pauline noch eine junge Frau. Sie hat nicht wieder geheiratet und überlebte ihren Mann um 71 Jahre.

Kinderporträts

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Bildnis der Kinder des Künstlers, Otto Sigismund und Maria Dorothea, 1808/09, unvollendet

Die Geburt seiner Kinder regte Runge zu seinen liebevollen Kinderbildern an. Völlig begeistert rühmte er sie als "kugelhaftig und vortrefflich". Besonders Maria Dorothea war für ihn "ein ganz charmantes Kind, sie ist so glatt und rund, dass es eine Lust und Freude ist und so prall, dass wenigstens Flintenkugeln abprallen".

Seine genaue Darstellung mit Pausbacken und sämtlichen Speckfalten sowie dem leichten Silberblick seiner Tochter entsprach durchaus nicht dem Geschmack seiner Zeit. Ihm war aber nicht wichtig, oberflächliche Schönheit darzustellen, sondern das Wesen der Kinder selbst.

Deutlich wird hier auch ein typischer Gedanke der Romantik. Der Dichter Novalis schrieb: "Wo Kinder sind, ist ein goldenes Zeitalter." Und Runge sagte: "Kinder müssen wir werden, wenn wir das Beste erreichen wollen."

Runges Art der Kinderdarstellung wurde mehr als 100 Jahre später von Otto Dix (1891 - 1969) aufgegriffen, als er seine Tochter Nelly fast ebenso pausbäckig malte, wie Runge seine Kinder.

Philipp Otto Runge wurde nur 33 Jahre alt. Er starb vor 200 Jahren am 2. Dezember 1810 an Tuberkulose. Trotz dieser kurzen Schaffensperiode ist er noch heute für viele Künstler ein Vorbild.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 01.12.2010 | 18:00 Uhr

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