Stand: 26.01.2017 09:57 Uhr

Caspar David Friedrich: Poet der Landschaftsmalerei

von Britta Probol
Die "Kreidefelsen auf Rügen" malte Friedrich 1818, nach seiner Hochzeitsreise auf die Insel.

Er komponierte Bilder von magischer Schönheit, aber auch voll düsterer Melancholie: Caspar David Friedrich, einer der bedeutendsten Landschaftsmaler. Sie verkörpern die Sehnsucht eines vom Schicksal Gezeichneten nach der heilen Welt.

"Man sagt, ich könne durchaus nichts anderes malen als Mondschein, Abendroth, Morgenroth, Meer und Meeresstrand, Schneelandschaften, Kirchhöfe, wüste Haiden, Waldströme, Klippenthäler und Ähnliches", klagte Caspar David Friedrich 1822 einem befreundeten Dichter. Noch zehn Jahre zuvor hatte der gebürtige Greifswalder seine Gemälde an Preußens König und die angesehensten Museen verkauft, nun ging das Geschäft nur noch schleppend.

Friedrich, Fürst der Finsternis

Lag es an der Monotonie der Motive? Nein, die kann man dem Poeten der Landschaftsmalerei eher nicht vorwerfen. C. D. Friedrich hat von den Kreidefelsen auf Rügen bis zum Watzmann bei Berchtesgaden ganz verschiedene Winkel Deutschlands auf der Leinwand in Szene gesetzt.

Aber eines stimmt: Friedrich liebte das geheimnisvolle Zwielicht, malte immer wieder Wolken, Nacht oder Dämmerung. Fast allen seiner Gemälde eignet eine melancholische Düsterkeit. Er komponierte Bilder, wie man sie nie zuvor gesehen hatte - mit mystischen Naturdarstellungen, die zu Ikonen einer ganzen Epoche wurden. Der stille Mann aus Vorpommern war erfolgreich, solange die deutsche Romantik blühte.

Der deutsch-patriotische Schwede

Geboren am 5. September 1774, wuchs Caspar David Friedrich - das sechste von zehn Kindern - in eine aufgeklärte, von der Französischen Revolution und Napoleons Feldzügen aufgewühlte Zeit hinein. Sein schlichtes, frommes Elternhaus stand direkt neben dem Dom, es prägte ihn christlich. Als Bürger Greifswalds war der Junge ein Untertan Schwedens, denn die Hansestadt gehörte bis 1815 - wie ganz Pommern - zur schwedischen Krone. Doch er fühlte sich als Deutscher.

Zur Ausbildung ging der Blondschopf trotzdem gen Norden, nach Kopenhagen. Er studierte von 1794 bis 1798 Zeichnen an der Kunstakademie, deren Ruf seinerzeit weit über die Grenzen Dänemarks hinausstrahlte. Anschließend kehrte er zurück in deutsche Lande, nach Dresden. Im Elbflorenz traf sich die zeitgenössische Kunstszene.

Muse Natur

Seine Inspiration holte sich der introvertierte Zeichner jedoch eher vor den Toren der Stadt. Immer wieder zog er hinaus in die Sächsische Schweiz, reiste in den Harz, ins Riesengebirge, in die Sudeten und heimwärts an die Ostsee. Mit feiner Beobachtungsgabe, aber auch dem gewissen Sinn für effektvolle Manipulation verewigte er die Topografie seiner Ausflugsziele auf Papier.

Frömmelnder Streit um "Das Kreuz im Gebirge"

Erst allmählich wandte sich Friedrich der Ölmalerei zu, entfachte dann allerdings schon mit einem seiner ersten Gemälde eine heftige Debatte in den Gazetten: "Das Kreuz im Gebirge" (1808) hat die Gestalt eines Altarbilds, doch ist der Gekreuzigte kaum zu erkennen - die Landschaft drumherum dominiert. Ein Sakrileg, fanden manche. Für andere dagegen war es der neue Weg, das Erhabene der Schöpfung zu verdeutlichen.

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So sah sich der Künstler selbst: Caspar David Friedrichs Selbstportät aus dem Jahr 1810.

Friedrichs Bildsprache ist religiös und spirituell zugleich. Er traf damit den Nerv der Zeit. Als Reaktion auf den Rationalismus des 18. Jahrhunderts war damals die Vorstellung, Gott sei in allen Dingen, ebenso in Mode wie die Naturschwärmerei und die Beschäftigung mit dem Übersinnlichen. Friedrichs Mal-Rezept entsprach genau dieser Strömung: "Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, dass es zurückwirke auf andere von außen nach innen."

Nicht sehen und abbilden, sondern erkennen

Was er von seinem inneren Auge auf die Leinwand projizierte, war oft melancholisch. In die Natursymbolik der Landschaft gekleidet, behandelte Friedrich den Tod, die Unterdrückung der Deutschen durch Napoleon und, genereller, das Leiden der Menschheit. Er thematisierte die Ohnmacht gegenüber der Natur und die Einsamkeit, die er zugleich suchte und fürchtete. Einem Freund berichtete der Maler: "Einmal wohnte ich eine ganze Woche im Uttenwalder Grund zwischen Felsen und Tannen, und in dieser Zeit traf ich keinen einzigen lebenden Menschen: Unwillkürlich tritt Düsterkeit in die Seele."

Schicksalsschlag und Liebesglück

Dunkel überschattet war das Leben des Malers bereits seit frühester Jugend. Die Mutter starb, als er junge Caspar sieben war. Mit 14 brach er beim Schlittschuhlaufen im Eis ein, sein kleiner Bruder Johann Christoffer rettete ihn und starb dabei - Friedrich wurde seine Schuldgefühle nie mehr los.

Doch kein Schatten ohne Licht: Mit 43 Jahren heiratete der einsame Wanderer recht überraschend die erst 25-jährige Caroline Bommer. Er wurde dreifacher Vater. Immer häufiger tauchten nun Menschen in seinen Bildern auf - meistens als Rückenfiguren und in der altdeutschen Tracht der Patrioten, die seit 1819 verboten war.

Mystisches gerät aus der Mode

Friedrichs Atelier in Dresden (gemalt von H. F. Kersting) war karg wie eine Mönchszelle.

Bald aber kehrte die Düsterkeit in Friedrichs Welt zurück. 1826 erlitt er einen Schlaganfall und war eine Zeit lang gelähmt. Die Herrschenden kauften seine Bilder schon längst nicht mehr - nach dem Ende der Befreiungskriege gegen Napoleon war ihnen deren patriotische Aussage lästig, und überhaupt war die Mystifizierung der Welt nicht mehr en vogue.

Im Spätwerk des großen Romantikers dominieren Friedhöfe und düstere Landschaften. Wassili A. Schukow, russischer Dichter und Bewunderer des Malers, besuchte ihn Ende März 1840 in seinem kahlen Atelier An der Elbe 33. Schockiert notierte er in sein Tagebuch: "Zu Friedrich. Traurige Ruine. Weint wie ein Kind." Am 7. Mai 1840 starb der große Romantiker, 65-jährig, von der Welt vergessen.

Die Wiederentdeckung der romantischen Sehnsucht

Links

Eine Seite für Caspar David Friedrich

Seit 2014 präsentiert sich Greifswald als Geburtsstadt des Malers Caspar David Friedrich. Hier gibt es alle Informationen zu dem berühmten Maler. extern

Durch die "Jahrhundertausstellung" in Berlin 1906 wurde Caspar David Friedrich wiederentdeckt, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr seine Kunst massiv neue Aufmerksamkeit. In den 1960er- und 70er-Jahren suchten Kunsthistoriker, Kritiker und Intellektuelle nach der Wurzel des letzten Endes pervertierten deutschen Patriotismus. Sie fanden einen Teil der Antwort in seinen Bildern - die Sehnsucht nach dem Jenseits. Alle großen europäischen Museen kauften nun mindestens ein Friedrich-Bild.

In Greifswald erinnern Kommune und Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft im Geburtshaus des Malers in der Langen Straße 57 an den großen Sohn der Stadt. Schwerpunkte des Caspar-David-Friedrich-Zentrums sind Herkunft und Werdegang des Künstlers.

Weitere Informationen

So sah Caspar David Friedrich die Insel Rügen

Zahlreiche Skizzen und Zeichnungen von Caspar David Friedrich sind Anfang des 19. Jahrhunderts auf Rügen entstanden. Sie sind für die Erforschung der Kreidefelsen von besonderem Wert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordtour | 12.07.2014 | 18:00 Uhr

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