Stand: 28.10.2013 15:04 Uhr

Seit 90 Jahren tönt das Radio

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Hans Bredow gilt als der Begründer des Rundfunks in Deutschland.

"Achtung, Achtung. Hier ist die Sendestelle Berlin im Vox-Haus, auf Welle 400 Meter. Meine Damen und Herren, wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst mit Verbreitung von Musikvorführungen auf drahtlos telefonischem Wege beginnt."

(Erste Ansage der Sendestelle Berlin am 29. Oktober 1923)

90 Jahre ist es her, da schaltete in Berlin der erste deutsche Radiosender auf regelmäßigen Sendebetrieb - im Oktober 1923 war das. Im Jahr darauf bekam auch Norddeutschland seinen eigenen Sender. Daraus ist später der Norddeutsche Rundfunk geworden. In den darauffolgenden 90 Jahren bis heute hat sich der Hörfunk in Deutschland - und auch in den norddeutschen Ländern - stets gewandelt.

"Rundfunkvater" Hans Bredow trug die Verantwortung

Die allererste Radiosendung in Deutschland dauerte eine Stunde. Die Musik wurde damals live ins Mikrofon gespielt. Verantwortlich für die Sendung war der damalige Staatssekretär im Reichspostministerium, Hans Bredow, der auch als Rundfunkvater bezeichnet wird. Sein "Kind“, das Radio, hatte anfangs zwar Zuhörer, aber keinen einzigen, der zahlte.

Der erste, der sein Radio anmeldete und eine Erlaubnis bekam, war der Berliner Zigarettenhändler Wilhelm Kollhoff. Im inflationsgeplagten Deutschland musste er dafür 350 Milliarden Mark zahlen. Kollhoff erinnerte sich später: "Man musste erst die Genehmigung haben dazu. Dann konnte man den Apparat bei Telefunken bestellen. Der war nicht sofort am selben Tage zu haben, sondern nach einiger Zeit erst. Die Fertigung war noch nicht soweit fortgeschritten wie heute."

Bei empfindlichen Geräten war Vorsicht geboten

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Allesamt versammelt um den Detektorempfänger: In den Anfangsjahren musste jeder Hörer einen Kopfhörer tragen.

Das erste Gerät war ein sogenannter Detektorempfänger. Auf einem kleinen Kasten waren ein Detektor und eine mit Kupferdraht umspannte Spule installiert, die miteinander fein abgestimmt werden mussten. "Man musste wirklich mit Fingerspitzengefühl rangehen, und es konnte wirklich passieren, dass nach ein paar Minuten der Empfang schlechter wurde, und man musste wieder nachstellen, und das ging immer so weiter", erklärt Rainer Steinführ, der als technischer Berater für das Deutsche Rundfunkarchiv in Potsdam tätig ist, das solche Geräte aufbewahrt. 

Anfangs musste man sich fürs Radiohören Kopfhörer aufsetzen. Erst vom Ende der 1920er-Jahre an wurde das Hören mehr und mehr zum Gemeinschaftserlebnis: Röhrengeräte setzten sich durch. Mit ihnen war es möglich, das Empfangssignal so zu verstärken, dass Lautsprecher angeschlossen werden konnten. "Ein kleines Röhrenradio brauchte ungefähr fünf Minuten, bis der Sender warmgelaufen war. Und dann musste man drehen. Magisches Auge kam dann - je größer die grüne Fläche war, desto genauer war der Sender eingestellt", erinnert sich ein Hörer von damals.

Radio auch für Norddeutschland

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Das Logo der Nordischen Rundfunk AG. Die NORAG war der Vorläufer des NDR.

Das Radio wurde in Deutschland schnell beliebt. Zahlten im Januar 1924 noch 1.580 Teilnehmer eine Rundfunkgebühr, waren es im Dezember 1924 schon mehr als eine halbe Million und ein Jahr später eine Million Menschen. Auch die Zahl der Sender wuchs stetig. Im Norden empfingen die Hörer das Programm der Nordischen Rundfunk AG, der NORAG. Als fünfter Sender nahm sie im Mai 1924 in Hamburg den Betrieb auf. Später eröffnete die NORAG auch Nebensender in Bremen, Hannover und Kiel.

"Das Radio ist 90 Jahre nach seinem Start noch modern und quicklebendig. Rund 60 Millionen Menschen hören in Deutschland täglich Radio, allein im Norden sind es mehr als zehn Millionen, und das aus gutem Grund: Radio ist schnell, aktuell, informativ und unterhaltsam."

(Lutz Marmor, NDR Intendant und ARD-Vorsitzender)

"In den 20er-Jahren war alles schon da"

Das Radio bot seinen Hörern schon in den Anfangszeiten vielfältiges Programm, wollte bilden und unterhalten. Ein Programmformat wie heute gab es noch nicht. Aber die Hörer konnten sich darauf verlassen, dass bestimmte Sendungen zu bestimmten Zeiten liefen.

Radio war damals ein Einschaltprogramm, wie Hans-Ulrich Wagner von der Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland, sagt: "Es gab viele verschiedene Musik, leichte Musik, ernste, sinfonische Musik, Schlagermusik. Es gab aber natürlich auch sämtliche Arten von Wortprogramm, und zwar vom Vortrag des Universitätsprofessors bis hin zu plattdeutschen Gedichte hier in Norddeutschland. Das war ein buntes Programm, und Schulfunk, Kinderfunk, alles was man so kennt, das war in den 20er-Jahren bereits da."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 28.10.2013 | 07:50 Uhr