Stand: 02.03.2014 17:00 Uhr  | Archiv

Otto - mit Versandhandel an die Weltspitze

von Beatrix Hasse
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In den 1950er-Jahren beginnt Werner Otto, seinen Versandhandel aufzubauen.

Die richtige Idee zur richtigen Zeit: Am 17. August 1949 startet der Unternehmer Werner Otto mit 6.000 DM Kapital in einer kleinen Baracke in Hamburg-Schnelsen mit seinem Versandhandel. Es ist die Geburtsstunde des "Otto Versand". Damals arbeiten nur vier Mitarbeiter für den Unternehmer. Ein Jahr später erscheint der erste 16 Seiten dünne, handgebundene Katalog in einer Auflage von gerade mal 300 Exemplaren.

Das Prinzip - die bequeme Order von zu Hause aus - ist neu, das Sortiment noch sehr übersichtlich: 28 Paar Schuhe bietet der Versandhändler an. Die Kunden erhalten nach der Bestellung zuerst den linken Schuh. Entscheiden sie sich für den Kauf, wird der zweite nachgeliefert. Bezahlt wird per Rechnung statt Nachnahme - eine Innovation. Damit trifft das kleine Unternehmen genau den Nerv der Zeit im Nachkriegsdeutschland des beginnenden Wirtschaftswunders. Schon bald wird besonders der Damenschuh "California" ein Verkaufsschlager.

Otto: Eine Hamburger Erfolgsgeschichte

Vom Schuhproduzenten zum Versandhändler

Dabei ist der Unternehmer zuvor gerade mit einer eigenen Schuhproduktion pleite gegangen. 1948 kommt der aus der Mark Brandenburg stammende Werner Otto als Flüchtling mit seiner Familie nach Hamburg. Ohne etwas von Schuhen zu verstehen, eröffnet er eine Firma. In der Nachkriegszeit, in der Schuhe dringend gebraucht werden, wird er zwar seine "Gurken", wie er die simplen Modelle tauft, reißend los. Doch mit Einführung der D-Mark und Verbesserung der Versorgungslage sind bald auch Schuhe keine Mangelware mehr und Otto muss die Produktion aufgeben.

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Die Kittelschürzen-Kollektion in einem der frühen Otto-Kataloge ist handgezeichnet.

Stattdessen konzentriert sich Werner Otto nun auf den Versandhandel. Die Schuhe ordert er von anderen Herstellern. Kurz darauf erweitert der gelernte Kaufmann sein Warenangebot um Textilien, die im Katalog 1951 erstmals angeboten werden. Besonders gut kommt bei den Kunden die Marineklapphose an: Der Otto-Versand setzt neue Trends in der Modewelt. Von da an geht es nur noch bergauf. 1953 beschäftigt Werner Otto schon 150 Mitarbeiter und setzt fünf Millionen DM um. Zwei Jahre später beträgt der Jahresumsatz satte 28 Millionen DM. Die Kunden wissen die Qualität des Warenangebots zu schätzen, blättern sich durch die immer professioneller produzierten Kataloge und nutzen die innovativen Angebote wie die Sammelbestellung mit fünf Prozent Rabatt. Das Unternehmen wächst und wächst, setzt sich gegen die Konkurrenz durch. Nach einer Zwischenstation im Hamburger Stadtteil Hamm zieht der Otto-Versand 1960 endgültig um: Das Gebäude in Bramfeld ist bis heute Stammsitz.

Die Wachstumsjahre

In nur zehn Jahren schafft es Werner Otto, zu einem der führenden deutschen Versandhändler zu werden mit 1.000 Mitarbeitern und mehr als 100 Millionen DM Umsatz. Anfang der 1960er-Jahre verschickt Otto 10.000 Pakete pro Tag. Ab 1963 gibt es Callcenter, nun können die Kunden auch bequem per Telefon bestellen. In der Zeit von 1965 bis 1967 kann die Firma ihren Umsatz gar verdoppeln - und das nur durch die Expansion des Geschäftes.

Das hohe Arbeitspensum und das stressige Leben zollen ihren Tribut. 1966 erleidet Otto einen Herzinfarkt. Die Leitung des Unternehmens gibt er an Günter Nawrath ab. Der Firmenchef zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück und übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats. Die Firma läuft weiterhin gut, Anfang der 1970er-Jahre arbeiten schon 5.000 festangestellte Mitarbeiter bei Otto. 1972 gibt es einen weiteren Durchbruch: Hermes kommt hinzu, der eigene Paketdienst von Otto liefert direkt ins Haus.

Stolz auf die Kinder

Heute hat im Unternehmen die nächste Generation der Otto-Dynastie das Sagen. Seine größte Lebensleistung seien seine fünf Kinder, sagt Werner Otto. Mit seiner ersten Ehefrau Eva bekommt er 1941 Tochter Ingvild und zwei Jahre später Sohn Michael. Zum zweiten Mal heiratet Werner Otto 1952: Ehefrau Jutta bringt 1957 den gemeinsamen Sohn Frank zur Welt. Die dritte Ehe geht Werner Otto im Alter von 54 Jahren ein, mit der 30 Jahre jüngeren Maren, und wird erneut Vater: von Sohn Alexander und Tochter Katharina.

Dieses Thema im Programm:

20.07.2014 | 15:15 Uhr

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