Stand: 09.11.2009 11:41 Uhr

Otto IV. - Einziger Welfe auf dem Kaiserthron

von Kathrin Weber, NDR.de
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Der welfische Kaiser Otto IV. Ausschnitt eines Gemäldes des Braunschweiger Landesmuseums.

Als Otto von Braunschweig 1175 oder 1176 als dritter Sohn Heinrichs des Löwen und seiner Frau Mathilde von England geboren wird, steht ihm keine glanzvolle Zukunft bevor. Seinem Vater, dem Welfen-Herzog, wird kurze Zeit später der Prozess gemacht. 1180 verhängt Kaiser Friedrich Barbarossa die Reichsacht über Heinrich den Löwen, die Familie flüchtet ins englische Exil. Dort wächst Otto unter der Obhut seines kinderlosen Onkels, König Richard Löwenherz, auf und genießt eine höfische Erziehung. Als seine Familie nach Braunschweig zurückkehrt, bleibt er in England.

König Richard Löwenherz hat offenbar große Pläne mit seinem Neffen, er überträgt ihm die Grafschaft Yorkshire und versucht eine machtpolitisch günstige Hochzeit zu arrangieren. Als das Vorhaben scheitert, belehnt er Otto mit der französischen Grafschaft Piotou und ernennt ihn zum Herzog von Aquitanien. Gemeinsam mit seinem Onkel kämpft Otto als Heerführer gegen Frankreich.

1197 stirbt der deutsche Kaiser Heinrich VI., es folgt ein Machtpoker um die Nachfolge. Eine Mehrheit der deutschen Fürsten wählt Philipp von Staufen zum König, ein anderer Teil um den Erzbischof von Köln wendet sich gegen diese Entscheidung und benennt einen Gegenkönig. Die Wahl fällt auf Otto, der im Juli 1198 in Aachen gekrönt wird.

Machtkampf endet mit Kaiserkrönung

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Purpurseide mit Goldstickerei: So sah der Kaisermantel aus, den Otto IV. trug.

Welcher der beiden Könige kann sich durchsetzen und die Gunst des Papstes erlangen? Jahrelang kämpfen Otto und Philipp um die Thronfolge, Letzterer erringt 1206 einen militärischen Sieg, doch dann spielt das Schicksal die entscheidende Rolle: 1208 wird Philipp ermordet, der Weg für Otto ist frei. Am 4. Oktober 1209 krönt Papst Innozenz III. ihn in Rom zum deutschen Kaiser. Lange hält dieses Bündnis allerdings nicht. Als Otto versucht Sizilien zu erobern, provoziert er damit den Widerstand des Papstes. Die Auseinandersetzung gipfelt in dem Kirchenbann Ottos im November 1210 und endet 1214 mit seiner militärischen Niederlage.

1215 wird der Staufer Friedrich II. neuer Kaiser. Ottos Einfluss beschränkt sich nunmehr auf sein norddeutsches Erbe: Braunschweig und die Burgen im Harz. Dorthin zieht er sich zurück. 1218 stirbt Otto kinderlos auf der Harzburg und wird in der Stiftskirche St. Blasii, dem heutigen Dom, begraben. In der Kirche, die Heinrich der Löwe erbauen ließ, befinden sich auch die Grabstätten von Ottos Eltern sowie seiner ersten Frau Beatrix. Otto bleibt der einzige Welfe, der jemals den deutschen Kaiser-Thron bestiegen hat. 

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Dieses Thema im Programm:

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