Stand: 03.01.2013 09:15 Uhr

Die bunte Fernsehwelt stammt aus Hannover

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Walter Bruch ging als Mr. PAL in die Geschichte des Fernsehens ein.

Die ganze Welt in Schwarz-Weiß. Das ist für deutsche Fernsehzuschauer bis 1967 Alltag - Farbfernsehen gibt es nicht. In den Forschungslabors der Industrie tüfteln Ingenieure allerdings seit Jahren daran, bunte Bilder auf die Mattscheibe zu bringen. So auch bei Telefunken in Hannover. Dort arbeitet ein Team um Walter Bruch an dieser Aufgabe und präsentiert am 3. Januar 1963 Experten der Europäischen Rundfunkunion das Ergebnis: Farbfernsehen nach dem PAL-System.

Faszination Fernsehen

Phase Alternating Line (PAL)

Das Kürzel PAL steht für "Phase Alternating Line" oder auf deutsch Phasenumkehr je Zeile. Das Verfahren verhindert Farbfehler bei der Übertragung von Fernsehsignalen. Dabei wird jede zweite Bildzeile zur vorhergehenden um 180 Grad verschoben.

PAL kommt in vielen Ländern Westeuropas, Asiens und Afrikas zum Einsatz. In Frankreich und Osteuropa wird mit der französischen SECAM-Technik (Séquentiel couleur à mémoire) gesendet, in Nord- und Mittelamerika sowie in Japan mit NTSC (National Television Systems Committee).

Bruch, am 2. März 1908 in Neustadt an der Weinstraße als Sohn eines Apothekers geboren, wächst in München auf und absolviert in einer Schuhfabrik eine Lehre als Maschinenbauer. Sein Interesse gilt jedoch der Funktechnik. So beginnt er mit 20 Jahren am Technikum im sächsischen Mittweida eine Ausbildung zum Elektrotechniker, die er 1930 abschließt. Die noch junge Fernsehtechnik fasziniert Bruch, der inzwischen in Berlin lebt und an der Universität Vorlesungen hört. Dort lernt er auch Manfred von Ardenne kennen, den Erfinder des elektronischen gesteuerten Fernsehgerätes. Von 1933 an arbeitet Bruch im Labor eines weiteren Fernsehpioniers: Dénes von Mihály.

Einsatz bei Olympia und dem Militär

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Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Bruch für die Rüstungsindustrie.

1935 wechselt Bruch zu Telefunken und ist an der Entwicklung einer Fernsehkamera für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin beteiligt. Während der Wettbewerbe steht er als Kameramann hinter dem Ungetüm, das als "Olympiakanone" in die Technikgeschichte eingeht. Es liefert die ersten Fernseh-Livebilder. Im Zweiten Weltkrieg arbeitet Bruch in Diensten des Militärs. Für die Heeresversuchsanstalt entwickelt er eine Anlage, um die Starts der V2-Rakete in Peenemünde am Bildschirm zu überwachen.

Der Wettlauf um das beste Farbfernsehen beginnt

1950 kehrt Bruch zu Telefunken zurück, jetzt allerdings als Chef der Entwicklungsabteilung für Fernseher in Hannover. Obwohl das Schwarz-Weiß-TV in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt und nur in wenigen Haushalten ein Empfänger steht, geht der technische Fortschritt voran. Amerika und Europa, Ost und West konkurrieren bereits um das beste Farbfernseh-System. Völlig neu ist es daher nicht, was Bruch 1963 auf den Monitoren zeigt. Bereits gut zehn Jahre zuvor hatten US-Forscher das NTSC-System entwickelt. Dabei tauchen jedoch immer wieder deutliche Farbfehler auf. Gesichter laufen schon mal grün an, eine Wiese färbt sich plötzlich bläulich. Den Konzernen ist klar: Wer diese Mängel beheben kann, steht vor einem riesigen Geschäft. So suchen die Techniker fieberhaft nach einer Lösung.

Ein Patent für die Technik aus Hannover

Auf den begeisterten Forscher Bruch gehen Dutzende Patente zurück.

Telefunken richtet Bruch in Hannover sogar ein eigenes Forschungslabor unterhalb seines Privathauses ein, das sogenannte Pantoffellabor. Dort tüftelt er auch nach Feierabend und am Wochenende, verfolgt die Entwicklung in den USA und die Fortschritte des konkurrierenden französischen SECAM-Systems. Schließlich gelingt ihm der Durchbruch: Er optimiert ein bereits bekanntes Verfahren auf NTSC-Basis. Am 31. Dezember 1962 meldet Telefunken es als "Farbfernsehempfänger für ein farbgetreues NTSC-System" beim Deutschen Patentamt an. Auf die Frage, warum die Technik nicht nach ihm benannt sei, antwortet der Entwickler später: Ein Bruch-System hätte wohl niemand kaufen wollen.

Kritiker werfen Bruch und dem Telefunken-Konzern später vor, sie hätten sich eine bereits bekannte Technik patentieren lassen und erfolgreich vermarktet.

Startschuss für das Farbfernsehen in Deutschland

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Willy Brandt startete 1967 das Farbfernsehen in Deutschland.

Bis zur Einführung des Farbfernsehens in Deutschland vergehen noch einmal mehr als vier Jahre. Am 25. August 1967 gibt der damalige Bundesaußenminister und Vizekanzler Willy Brandt auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin den Startschuss für die farbigen Bilder auf der Mattscheibe. Der Knopf, den Brandt drückt, ist allerdings nur eine Attrappe. Der Techniker hinter der Bühne betätigt den echten Schalter etwas zu früh und so wird das deutsche Fernsehen bereits einige Sekunden vor dem Knopfdruck Brandts farbig. Allerdings bekommt nur eine Handvoll Zuschauer die Panne mit, denn nur wenige Haushalte verfügen bereits über das entsprechende Fernsehgerät. Für den endgültigen Durchbruch des Farbfernsehens in Deutschland sorgt erst 1974 die Fußball-Weltmeisterschaft, die viele Deutsche zum Anlass nehmen, sich ein Farbfernsehgerät zu kaufen.

Ehrungen und Auszeichnungen

Walter Bruch wird für seine Entwicklung vielfach ausgezeichnet. 1964 verleiht ihm die Universität Hannover die Ehrendoktorwürde, 1968 eine Hochschule im Saarland eine Ehrenprofessur. Im selben Jahr bekommt Bruch das Große Bundesverdienstkreuz und in Hannover ist eine Straße nach ihm benannt. Mehr als 120 Patente gehen auf den Erfinder zurück - sein wichtigstes bleibt das Farbfernseh-System PAL. Es verkauft sich weltweit in viele Staaten. Auch als Bruch 1976 in den Ruhestand geht, arbeitet er weiterhin in zahlreichen technischen Ausschüssen und Kommissionen mit.

Am 5. Mai 1990 stirbt Walter Bruch im Alter von 82 Jahren in Hannover.

Walter Bruch demonstriert im ZDF das PAL-Farbfernsehsystem. © dpa

25.08.1967: In Deutschland startet das Farbfernsehen

NDR 1 Niedersachsen -

Mit einem symbolischen Knopfdruck stellt Außenminister Willy Brandt das Fernsehen von Schwarzweiß auf Farbe um. Die technische Pionierarbeit hatte Walter Bruch in Hannover geleistet.

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