Stand: 04.06.2014 16:01 Uhr

Die tragische Geschichte des Hans Moral

von Siv Stippekohl

Der 27. Januar ist der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Ein trauriges Beispiel für die NS-Verbrechen in Mecklenburg-Vorpommern ist der jüdische Zahnarzt Prof. Dr. med. Hans Moral.

Er war seiner Zeit voraus

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Der jüdische Zahnmediziner Prof. Dr. Hans Moral aus Rostock galt als Ausnahme-Wissenschaftler.

Hans Moral war ein anerkanntes wissenschaftliches Ausnahmetalent. In Greifswald hatte er Zahnmedizin studiert und promoviert. Mit nur 28 Jahren übernahm er zu Beginn des Ersten Weltkrieges zunächst kommissarisch die Leitung des zahnärztlichen Institutes in Rostock und hielt unter großen Anstrengungen bis an die Grenzen seiner Gesundheit den Betrieb aufrecht. 1924 erhielt er für seine außerordentlichen Verdienste die Ehrendoktorwürde der Universität. "Hans Moral war auch Dekan der medizinischen Fakultät, als Vertreter eines sehr jungen Fachgebietes - und das war ein Zeichen seiner Tüchtigkeit. Er ist europaweit als Referent tätig gewesen, als jemand, der neue Methoden demonstrierte, sodass es wirklich berechtigt ist, zu sagen, dass Moral zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Zahnmediziner in Europa gewesen ist", schreibt der Zahnmediziner Professor Heinrich von Schwanewede, der bis 2008 an der Universität Rostock als Professor tätig war und sich mit dem Schicksal seines Kollegen Moral befasst hat.

Das traurige Ende seiner Karriere

Heinrich von Schwanewede hat die Personalakte von Hans Moral studiert. Er spricht von einem gehetzten Menschen. Hans Moral war Jude. 1931 schrieb er - bereits gesundheitlich angeschlagen - seinen ersten Abschiedsbrief, einen Hilferuf. Darin beklagte er, dass man ihm seine Auslandsreisen als Vaterlandsverrat ausgelegt habe.

In Mecklenburg regierten bereits seit 1932 die Nationalsozialisten. Am 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte, Rechtsanwälte, Ärzte boykottiert - Hans Moral wurde gezwungen, sich beurlauben zu lassen. Sein Urlaubsgesuch wurde zusammen mit Flugblättern vor seinem Institut verteilt. Ihm selbst wurde erklärt, die Universitätsklinik könne vom "Abwehrkampf gegen die Greuelpropaganda des Judentums" nicht ausgenommen werden - schließlich sei er, der Direktor, ja Jude.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Forum | 27.01.2012 | 20:15 Uhr