Stand: 29.08.2008 11:41 Uhr  | Archiv

Die Befreiung des KZ Buchenwald

von Beatrix Hasse, NDR.de
Der Zynismus der Nazis zeigte sich schon an der Inschrift am Eingangstor: "Jedem das Seine".

"Kameraden, wir haben das Lager in unserer Hand", schallte es am frühen Nachmittag des 11. April 1945 über das Lagergelände des Konzentrationslagers Buchenwald, auf dem Ettersberg bei Weimar gelegen. Die Stimme kam aus demselben Lautsprecher, über den gewöhnlich die SS lautstark ihre Befehle erteilte. "'Kameraden', sagte diese Stimme - unglaublich. Die SS hatte sich nie dieses Wortes bedient", schildert Rolf Kralovitz, ehemaliger Häftling in Buchenwald, in seinen Memoiren diesen bewegenden Moment.

Danach habe er es in dem Block, in dem er sich versteckt hielt, nicht mehr ausgehalten und sei zum Appellplatz gelaufen. "Dort sah ich den ersten amerikanischen Panzer. Auf ihm stand ein amerikanischer Soldat, der zu den umstehenden Häftlingen sprach. Jemand übersetzte: 'Habt keine Angst, der Krieg ist bald aus'", so Rolf Kralovitz. Obwohl das Ende des Lagers für den als Juden inhaftierten Kralovitz und seine überlebenden Mithäftlinge überraschend gekommen war, konnten sie erst allmählich begreifen, dass der Schrecken nun ein Ende hatte - dass sie frei waren.

Das Grauen der letzten Tage

Im April 1945 konnten überlebende Kinder und Jugendliche das Lager verlassen.

In den letzten Tagen des Konzentrationslagers Buchenwald war die Stimmung unter den Häftlingen des Lagers bereits unerträglich gespannt. Im April 1945 befanden sich noch rund 48.000 Häftlinge im Lager. Schon seit Mitte März 1945 war klar, dass die westlichen Alliierten in Richtung Mitteldeutschland auf dem Vormarsch waren. Seit dem 5. April 1945 bereitete die Lager-SS die Räumung des KZ Buchenwald vor. Am 6. April gab Himmler den Befehl, das Lager zu evakuieren. Die SS schickte mehrere Tausend jüdische Häftlinge auf den ersten Evakuierungsmarsch. Wer den Razzien der SS entkommen konnte, tauchte unter - ein Glücksspiel. Auch Rolf Kralovitz, Häftling "ZehnNullNeunzig", hielt sich versteckt, konnte so der SS entkommen.

In den kommenden Tagen ging die Kommandatur dazu über, alle Häftlinge zu deportieren. Auf insgesamt 60 Marschrouten - meist zu Fuß - mussten etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager in den letzten Tagen seiner Existenz das Lager verlassen. Die meisten fanden auf den berüchtigten Todesmärschen der SS nach Theresienstadt oder nach Süddeutschland den Tod, wurden erschossen oder starben vor Hunger und Erschöpfung.

Der interne Widerstand wird stärker

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Das KZ Buchenwald geriet Stück für Stück außer Kontrolle. Der SS-Befehlsapparat war nicht mehr voll handlungsfähig. Längst hatte sich eine interne Widerstandsbewegung organisiert, die die SS in die Irre führte und schwer zu kontrollieren war. Sie stiftete Chaos, versteckte verfolgte Häftlinge, widersetzte sich den Befehlen, rief zum Ungehorsam und zur Geschlossenheit unter den Häftlingen auf. Bei einem Bombenangriff auf das KZ im August 1944 hatte sich das illegale Lagerkomitee das entstandene Chaos zunutze gemacht und war in den Besitz von Waffen aus einem Lager der SS gelangt, die in den Blocks versteckt, vergraben oder eingemauert wurden. Einen bewaffneten Aufstand planten die Widerständler nicht. Vielmehr erwarteten sie die Unterstützung der Alliierten bei der Befreiung des Lagers.