Stand: 10.10.2012 16:13 Uhr

Der mysteriöse Tod Uwe Barschels

von Janine Kühl, NDR.de
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Polizeibeamte im Flur des Genfer Hotels "Beau Rivage". Dort wurde Uwe Barschel am 11. Oktober 1987 in seinem Zimmer tot aufgefunden.

Am 11. Oktober 1987 wird der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel tot in seinem Zimmer im Genfer Hotel "Beau Rivage" aufgefunden. "Stern"-Reporter Sebastian Knauer entdeckt den damals 43-Jährigen in der Badewanne. Gestorben ist Barschel an einem Mix aus Medikamenten, aber war es Selbstmord oder gar Mord? Die Schweizer Polizei ermittelt nur nachlässig. Auch die Anstrengungen der deutschen Behörden führen zu keinem Ergebnis; sie stellen 1998 ihre Ermittlungen ein. Unter welchen Umständen der CDU-Politiker ums Leben gekommen ist, bleibt ungeklärt. Bis heute ranken sich zahlreiche Spekulationen um den Fall. Mehrere Zeitzeugen haben im Laufe der Jahre Erklärungsversuche geliefert, die sich aber bisher aufgrund fehlender Beweise nicht erhärten ließen.

Mossad-Agenten als Barschel-Mörder?

Der ehemalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky behauptet in seinem Buch “Geheimakte Mossad“, dass der israelische Geheimdienst Barschel getötet habe. Bei der Operation “Hannibal“ sei es um geheime Waffengeschäfte zwischen dem Iran und Israel gegangen, die über Schleswig-Holstein gelaufen seien. Barschel habe sich der Abwicklung von Geschäften widersetzen wollen. Gestützt wird diese These vom ehemaligen iranischen Staatspräsidenten Abolhassan Bani-Sadr. Nach dessen Angaben sei Barschel im Iran in Waffengeschäfte mit Ahmad Chomeini, Sohn des Ajatollahs Chomeini, involviert gewesen.

Zeitzeuge

"Barschel wurde ermordet"

Nach Angaben des ehemaligen iranischen Regierungschefs Abolhassan Bani-Sadr war Uwe Barschel in illegale Waffengeschäfte verwickelt und wurde ermordet. Beweise hat er nicht. mehr

Ostrovskys Schilderung des Mordes an dem CDU-Politiker deckt sich zudem mit den toxikologischen Erkenntnissen des Schweizer Chemikers Klaus Brandenberger. Die Angehörigen Barschels hatten Brandenberger 1994 mit den Untersuchungen beauftragt. Er kam zu dem Ergebnis, dass Barschel zunächst durch die Verabreichung mehrerer Medikamente betäubt wurde, bevor ihm die tödliche Dosis eines Schlafmittels verabreicht wurde.

BND-Agent zufällig in Genf?

Eine weitere Spur führt zu Werner Mauss. Der BND-Agent hatte vom 10. auf den 11. Oktober 1987 ein Zimmer im “Beau Rivage“ angemietet. Allerdings verbrachte er die Nacht nach eigenen Angaben nicht dort, sondern im Hotel “Richmond“. Mauss gab an, sich wegen Verhandlungen im Zusammenhang mit einer Geiselnahme im Libanon in Genf aufgehalten zu haben. Dagegen erklärte der Schweizer Privatdetektiv Jean-Jacques Griessen, er habe in Mauss’ Auftrag Zimmer im “Beau Rivage“ mit Wanzen und Kameras präpariert. Griessen verstarb am 9. November 1992 - angeblich an Herzversagen - während des Besuchs bei einer Prostituierten. So konnte sein für diesen Tag geplantes Treffen mit einem BKA-Mann und einem Mossad-Agenten nicht mehr stattfinden.

Welche Rolle spielte die Stasi?

Ende der 1980er-Jahre kamen Spekulationen auf, das Ministerium für Staatssicherheit der DDR habe etwas mit Barschels Tod zu tun. Auch hier gab es Hinweise auf eine Verstrickung in Waffen- und Embargogeschäfte, die aber nie bewiesen werden konnten. Fest steht lediglich, dass Barschel Reisen in die DDR unternommen hat und Kontakte zu Stasi-Mitarbeitern pflegte. Insbesondere hielt er sich häufig in Rostock und Warnemünde auf, wie seine Fahrer bestätigten.

Zeitzeuge

Rätselhafte Fahrten in die DDR

Norbert Gansel, der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Rüstungsexperte seiner Partei, spricht über seine Vermutungen zum Tod von Uwe Barschel. mehr

CIA: Angst vor Enthüllungen?

Die Aussage des südafrikanischen Waffenhändlers Dirk Stoffberg führte 1994 auf die Spur des US-amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes CIA. Deren Direktor, der spätere US-amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates, habe Barschel laut Stoffberg in Genf treffen wollen. Dabei sei es um Barschels Drohung gegangen, Waffengeschäfte auffliegen zu lassen. Kurz bevor er eine eidesstattliche Erklärung abgeben wollte, beging Stoffberg nach offiziellen Angaben Selbstmord. Der Lufthansa-Pilot, der zunächst bestätigte, dass Gates als Passagier nach Genf geflogen sei, verweigert inzwischen jegliche Aussage.

Selbstmord mit oder ohne Beihilfe?

Die Ermittler hielten zunächst eine Selbsttötung für wahrscheinlich. Später zogen sie auch in Erwägung, dass Barschel mit Hilfe einer weiteren Person Suizid verübt hat. Der Medikamentencocktail, an dem der Politiker gestorben ist, entspricht in weiten Teilen den Empfehlungen von Sterbehilfe-Organisationen. Der Sterbehelfer könnte auch das Whisky-Fläschchen ausgespült haben, das die Spurensicherung ausgeleert und gesäubert im Hotelzimmer fand. Beweise fanden die Ermittler auch für diese These nicht.

Zeitzeuge
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"Jemand hat Barschel geholfen"

Für den damaligen "Spiegel"-Redakteur Hans Leyendecker deuten die Indizien im Fall Barschel darauf hin, dass jemand dem Politiker dabei geholfen hat, Selbstmord zu begehen. Video (00:34 min)

Weitere Untersuchungen nach 25 Jahren

Und auch 25 Jahre nach dem rätselhaften Tod gibt es immer noch neue Erkenntnisse im Fall Barschel. So wurde im Juli dieses Jahres bekannt, dass die Lübecker Staatsanwaltschaft Kleidungsstücke des Politikers mit aktuellsten Methoden auf DNA-Spuren untersuchen ließ. Dabei stellten Spezialisten des Kieler Landeskriminalamtes fest, dass Barschel vor seinem Tod von mindestens einer anderen Person berührt worden sein muss. Allerdings sei das Material "zu schwach" für weitere Ermittlungen, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft. Es reiche nicht aus, um es mit Informationen in der DNA-Datenbank des Bundeskriminalamtes abzugleichen.

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Barschel-Affäre: Beteiligte erinnern sich

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Die Barschel-Affäre gibt auch ein Vierteljahrhundert später Rätsel auf. Menschen, die damals in Kiel in Presse und Politik aktiv waren, erinnern sich. Audio (03:00 min)

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 06.02.2016 | 19:30 Uhr

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