Stand: 12.11.2012 11:00 Uhr  | Archiv

Der Kampf um die besetzten Häuser

von Moira Lenz

Es beginnt völlig unspektakulär, im Herbst 1981: Einige Hamburger Studenten und Autonome beschließen, leerstehende Appartements in der Hafen- und Bernhard-Nocht-Straße zu besetzen. Bisher waren sie dort normale Mieter, denn es bestand ein pauschaler Vertrag mit dem Studentenwerk. Doch jetzt plant die Stadt, über die Wohnungsbaugesellschaft SAGA Eigentümer der Gebäude, den Abriss. Es ist der Auftakt zu einem jahrelangen Häuserkampf, der die Hamburger Hafenstraße weit über die Tore der Stadt hinaus bekannt macht.

Hausbesetzer und Gesetzeshüter

Schleichende Besetzung

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Um "das Recht auf Sellbstverwaltung" geht es den Hamburger Hausbesetzern - die Polizei aber räumt.

Zwölf Häuser sind es insgesamt, gebaut um das Jahr 1900, mit schmucken Fassaden und Blick auf die Elbe. Allerdings sind die Gebäude, die am Hafen zwischen Reeperbahn und Landungsbrücken liegen, völlig heruntergekommen und sanierungsbedürftig. "Es begann damals ganz schleichend", erinnert sich Rasmus Gerlach, Dokumentarfilmer und Zaungast der Ereignisse. "Die wirkliche Besetzung fand erst im Zuge einer Silvesterfeier statt. Die bisherigen Bewohner beschlossen, ihren Anspruch auf das ganze Areal auszuweiten, weil absehbar war, dass es sonst abgerissen wird. Es ging darum, die Häuser zu retten."

Bemerkt werden die illegalen Bewohner tatsächlich erst im Frühjahr 1982. Sofort stellt die SAGA Strafantrag und lässt die Häuser polizeilich räumen. Doch keine zwei Tage später werden die Bauten erneut "instand besetzt". In einem offenen Brief an den damaligen Bausenator Lange fordern die Besetzer das "Recht auf Selbstverwaltung“, um die Häuser zu erhalten. Ein offizielles Gutachten bestätigt, dass die Kosten für den Erhalt deutlich unter denen von Neubauten stehen, doch die Stadt will weiterhin einige der Häuser abreißen.

Zeitzeugen

"Das war wie eine Dauerdroge"

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