Stand: 28.09.2016 11:25 Uhr

Blohm + Voss: Mut und Können in einem Pott

Bild vergrößern
Vom Stintfang, oberhalb der St. Pauli Landungsbrücken, hat man einen guten Blick auf die Werft.

Gegenüber den Landungsbrücken in Hamburg erstreckt sich das riesige Werftgelände von Blohm + Voss. Die Anlagen gehören ins Stadtbild wie der Michel oder die Alster - ihre Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1877. In den 1920er-Jahren beschäftigte die Werft mehr als 10.000 Mitarbeiter - und war einer der größten Arbeitgeber der Hansestadt. Bekannte Schiffe wie die "Bismarck", "Vaterland", "Wilhelm Gustloff", "Gorch Fock" , "Cap Arcona" liefen hier vom Stapel.

alte Aufnahmen von Hamburger Hafen und der Werft

Blohm + Voss: Geschichte einer Werft

Hamburg Journal -

Die Geschichte der Traditionswerft Blohm + Voss beginnt im Jahr 1877. Bis heute ist die Marine einer der wichtigsten Auftraggeber.

5 bei 10 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Hermann Blohm: Der Unternehmer

Bild vergrößern
Diplom-Ingenieur Hermann Blohm bringt den Unternehmergeist ein.

Die beiden Gründer der Werft sind allerdings "Quiddjes" - Zugezogene. Hermann Blohm kommt 1848 in Lübeck zur Welt, er stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus. Sein Vater ist erfolgreicher Überseehändler. Nach einer Maschinenbau-Lehre und einem Studium der Ingenieurwissenschaften geht Hermann Blohm 1873 nach England, damals das weltweit führende Land im Dampfschifffahrtsbau. 1876 kehrt er zurück - mit dem festen Entschluss, eine eigene Werft aufzubauen. In Hamburg lernt er den Ingenieur Ernst Voss kennen.

Ernst Voss: Der Konstrukteur

Anders als Blohm stammt der in Fockbeck bei Rendsburg geborene Voss aus einfachen Verhältnissen, sein Vater ist Hufschmied. Nach Maschinenbau-Lehre und -Studium arbeitet er ab 1864 bei mehreren Werften in England und Schottland.

Bild vergrößern
Maschinenbauingenieur Ernst Voss ist ein technisches Genie.

Über seine erste Begegnung mit Blohm schreibt er später in seinen Lebenserinnerungen: "Im Herbst 1876 besuchte mich in meinem Kontor ein Ingenieur, Herr Hermann Blohm, der aus Glasgow kam und mir einen Gruß von einem meiner dortigen Freunde überbrachte. Er gefiel mir gut, und da das Gefallen auf Gegenseitigkeit beruht haben muss, besuchte er mich von Zeit zu Zeit."

Eine Werft entsteht

Die beiden sprechen auch über Schiffsbau und die Idee, in Deutschland eine moderne Werft nach englischem Vorbild zu gründen - per Handschlag besiegeln sie ihre Zusammenarbeit. Nach harten Verhandlungen mit dem Hamburger Senat über die Pachtzinsen gründen sie am 5. April 1877 die Werft Blohm + Voss. Das Startkapital in Höhe von einer halben Million Mark bekommt Hermann Blohm von seinem Vater.

Bild vergrößern
Die erste Werkstatt der Hamburger Traditionswerft wird auf der Halbinsel Kuhwerder errichtet.

Der Aufbau der Anlage bei widrigen Bodenverhältnissen und der Kauf der Maschinen verschlingen Unsummen. Außerdem plagen Blohm + Voss Personalsorgen: Die Zimmerleute der Stadt weigern sich, auf Eisenbau umzustellen. So werden Fachkräfte aus England, Fockbeck, Büdelsdorf und Rendsburg angeworben. Dabei beweisen die beiden Werftgründer ein gutes Händchen: Etliche erfahrene und gut ausgebildete Fachkräfte werden in den Dienst gestellt. Besonders Ernst Voss ist täglich mehrmals bei den Arbeitern und erkennt so schnell die Stärken und Schwächen der Belegschaft.

Aufträge bleiben aus

Als die Werft endlich aufgebaut ist, bleiben jedoch die Aufträge aus: Die Hamburger Reeder bestellen ihre Dampfer weiterhin in England. Die Flucht nach vorn ist für Blohm + Voss die einzige Chance: Die Belegschaft beginnt mit dem Bau eines eisernen Segelschiffs, der "Bark National". 1880 übernimmt Reeder Martin Garlieb Amsinck das Schiff.

Erst eineinhalb Jahre nach Werft-Gründung kommt der erste Auftrag. Ein Konsortium von Obst- und Gemüsebauern bestellt ein kleines Dampfschiff. Da weitere Neubau-Aufträge rar bleiben, beschließen die beiden Unternehmer, zusätzlich ins krisenfeste Reparaturgeschäft einzusteigen. Doch dafür fehlen der Werft die nötigen Docks. Bisher müssen Reparaturen vor Ort im fast gekenterten Zustand der Schiffe durchgeführt werden, große Schäden können nur in England repariert werden. Ernst Voss entwirft eine geeignete Dockanlage, Blohms Familie unterstützt das Vorhaben finanziell - bereits zwei Jahre später ist sie fertig.

Nach sieben schwierigen Anfangsjahren belebt sich endlich das Geschäft. Neben Reparaturen folgen nun auch Aufträge von Hamburger Reedern für Neubauten. Der Handel mit den Kolonien in Afrika sorgt für volle Auftragsbücher. So bestellt bis 1915 allein die Woermann-Linie 15 neue Schiffe. Für die Deutsche Ost-Afrika Linie kommen noch einmal 13 hinzu.

1884 drängt Reichskanzler Otto von Bismarck Hamburg, dem Deutschen Zollverein beizutreten. Hermann Blohm erkennt die großen Chancen für eine steigende Nachfrage und erweitert das Werftgelände. Bis 1908 ist die gesamte Halbinsel Kuhwerder gepachtet - das größte zusammenhängende Werftgelände Europas.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 02.10.2016 | 19:30 Uhr

Mehr Kultur

88:28

Eine Hand wäscht die andere

23.10.2017 23:15 Uhr
NDR Fernsehen
05:14

Julia Westlake trifft Nils Mönkemeyer

23.10.2017 22:45 Uhr
Kulturjournal
02:32

Wahr. Schön. Gut. - Kulturkritik auf den Punkt

23.10.2017 22:45 Uhr
Kulturjournal