Stand: 25.03.2016 13:56 Uhr

Vor 20 Jahren: Jan Philipp Reemtsma wird entführt

von Irene Altenmüller, NDR.de

"Mitternacht; da war der Wald, in dem man mich ausgesetzt hatte, dann war da das Dorf gewesen, das erste Haus, in dem noch Licht brannte, und der darin wohnte, hat mich ohne Wenn und Aber hereinkommen lassen, obwohl ich ihm wie ein sonderbarer Strolch vorgekommen sein muss. Ich habe meine Frau angerufen, gesagt: 'Ich bin's. Ich bin frei.'" Mit diesen Worten beschreibt Jan Philipp Reemtsma die ersten Minuten in Freiheit nach seiner Entführung. 33 Tage und Nächte hatte der damals 43-Jährige in einem Kellerverlies verbracht. Am 26. April 1996 ließen ihn die Entführer gegen Zahlung von 30 Millionen D-Mark endlich frei.

Der Fall Reemtsma - das Opfer und die Tat

Großteil des Lösegelds bis heute verschollen

Die Entführung des Hamburger Literaturwissenschaftlers, Mäzens und Multimillionärs gilt als einer der spektakulärsten Kriminalfälle in der Geschichte der Bundesrepublik. Selten war ein Entführungsopfer so lange in der Hand seiner Entführer, nie wurde so viel Lösegeld bezahlt - 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken. Von der Beute wurden bis heute nur rund 1,5 Millionen Mark sichergestellt. Ein großer Teil dürfte allerdings bei der Geldwäsche und auf der Flucht aufgebraucht worden sein.

Verschleppt und in Ketten gelegt

Ermittlungen

"Hohe Todeswahrscheinlichkeit"

Der Chef der damaligen Sonderkommission, Dieter Langendörfer, erinnert sich an die damaligen Ermittlungen im Entführungsfall Reemtsma. Video

Die Entführung beginnt am Abend des 25. März 1996. Reemtsma verlässt sein Wohnhaus im Hamburger Stadtteil Blankenese, um sich aus seinem 50 Meter weit entfernten Arbeitshaus ein Buch zu holen. Auf dem Weg dorthin fangen ihn die Täter ab. Sie schlagen ihn nieder, verbinden ihm die Augen mit Klebeband und bringen ihn in ein eigens für die Entführung angemietetes Haus in Garlstedt im Landkreis Osterholz nördlich von Bremen. Dort legen sie ihr Opfer in Ketten. In dem Raum befinden sich nur ein Tisch, ein Stuhl, eine Matratze und ein Campingklo. Bevor die Täter zu Reemtsma hereinkommen, klopfen sie. Dann muss er sein Gesicht auf die Matratze drücken. Um später nicht wieder erkannt zu werden, redet der Kopf der Entführer, Thomas Drach, nur auf Englisch mit Reemtsma.

Weitere Informationen
03:17 min

Reemtsma-Entführung: Suche nach dem Lösegeld

26.03.2016 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Es war eine der spektakulärsten Entführungen der Bundesrepublik: 30 Millionen D-Mark wurden für die Freilassung von Jan Philipp Reemtsma gezahlt. Bis heute ist ungeklärt, wo sich das Geld befindet. Video (03:17 min)