Stand: 16.11.2015 06:00 Uhr

Zu Beginn ein großes Loch: Hannovers U-Bahn wird 50

von Ole Lerch

Mit dem Bau des U-Bahn-Netzes beginnt im Jahr 1965 für Hannover eine neue Phase der Stadtentwicklung. Durch die Entscheidung des Rates, die Stadtbahn unter die Erde zu verlegen, soll die Innenstadt vom rasant zunehmenden Autoverkehr entlastet werden. Vor allem der Pendlerverkehr in die niedersächsische Landeshauptstadt hatte bis Mitte der 1960er-Jahre stetig zugenommen.

Ende nach nur einem Jahr

Das zu diesem Zeitpunkt größte innerstädtische Bauprojekt Norddeutschlands beginnt schließlich am 16. November 1965 am Waterlooplatz. Hier wird der erste Rammschlag gesetzt, wird eine Rampe zum Anschluss des Tunnels an das bestehende Schienennetz gebaut. Die erste Tunnel-Strecke soll vom Waterlooplatz bis zum Hauptbahnhof führen. Doch nach nur einem Jahr Bauzeit ist 1966 erst einmal Schluss. Die Stadt stellt die Bauarbeiten aus Geldmangel ein. Weiter geht es nur, weil die Bundesregierung in Bonn kurz darauf das sogenannte Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz verabschiedet und sich mit 50 Prozent an den Baukosten beteiligt. 25 Prozent übernimmt außerdem das Land Niedersachsen.

Hannover hat eine U-Bahn

Hannovers U-Bahn-Bau geht also weiter - mit weitreichenden Folgen für Stadtbild und Bürger: Die Innenstadt wird zu einer gewaltigen Großbaustelle. Allein am Drehkreuz Kröpcke muss der Boden bis zu 25 Meter tief ausgehoben werden - 50.000 Lkw-Ladungen Erde werden abtransportiert. Die Baustelle wird in Hannover "das große Loch" genannt. Am 26. September 1975 ist es soweit: Vom Hauptbahnhof aus fährt zum ersten Mal eine U-Bahn über die Stationen Kröpcke und Markthalle bis zum Waterlooplatz. Ab jetzt verkehrt auf diesem Tunnel-Teilstück die Linie 12 im Linienverkehr.

Geschäfte geben auf

In den folgenden Jahren werden weitere Tunnelstrecken gebaut. Die sogenannte A-Strecke, vom Waterloo bis zum Hauptbahnhof, wird Richtung List mit den Tunnel-Stationen Lister Meile/Sedanstraße und Lister Platz erweitert. Vor allem hier, im Bereich der heutigen Lister Meile nördlich des Hauptbahnhofs, bringt das riesige Bauprojekt viele Probleme mit sich. Autos können nicht mehr über die damalige Celler Heerstraße fahren. Die Geschäfte sind nur über Holzbohlen zu erreichen, viele Händler klagen über massive Umsatzeinbußen. Die Stadt versucht zu helfen, vermittelt Kredite. Trotzdem gehen einige Läden pleite.

Auch "Geisterstationen" werden gebaut

Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre geht der U-Bahn-Bau weiter voran. Zunächst wird die sogenannte B-Linie gebaut - von der Station Werderstraße im Norden bis zum Altenbekener Damm an der Hildesheimer Straße. Schließlich folgt die C-Linie, die vom Königsworther Platz zum Steintor und weiter über die Stationen Kröpcke, Aegiedientorplatz, Marienstraße bis zum Braunschweiger Platz führt. Und der ursprüngliche Plan des extra geschaffenen U-Bahn-Bauamtes der Stadt sieht vor, auch noch die vierte Linie - die sogenannte D-Linie zwischen Ahlem und dem Messegelände - als U-Bahn durch Hannovers Innenstadt zu führen. Unter dem Steintorplatz und unter dem Hauptbahnhof werden sogar zwei Stationen gebaut. Doch die werden nie in Betrieb genommen. Die Linie 10 fährt bis heute oberirdisch - von Ahlem bis zum Aegidientorplatz. Die Station unter dem Hauptbahnhof wird in Hannover bis heute "Geisterstation" genannt.

Erst im September 1993 endet mit der Fertigstellung der Station Kopernikusstraße am Engelbosteler Damm in Hannovers Nordstadt bis auf Weiteres die Zeit des jahrzehntelangen U-Bahn-Baus in Hannover.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 24.05.2017 | 10:00 Uhr

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