Stand: 01.04.2015 10:18 Uhr

Otto von Bismarck - Dämon oder Genie?

von Dirk Hempel, NDR.de
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Bismarck als Staatsmann. Mit 47 Jahren ernannte der König den preußischen Gutsherrn zum Ministerpräsidenten.

Er führte blutige Kriege, um einen deutschen Nationalstaat zu gründen, und hielt dann 20 Jahre lang Frieden. Er bekämpfte Katholiken und Sozialisten und führte dennoch die fortschrittlichsten Sozialgesetze der Welt ein. Den einen gilt er als "Dämon der Deutschen", herrschsüchtig und skrupellos, den anderen als "politisches Genie". Am 1. April 1815, wurde Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen bei Stendal an der Elbe geboren. Bis heute ist er eine der umstrittensten Figuren der deutschen Geschichte.

Als Student feiert er Trinkgelage

Dabei sah es in seinen jungen Jahren nicht danach aus, dass dieser unzuverlässige Adelsspross einmal Regierungschef des größten und modernsten Staates Europas werden würde. Aufgewachsen in Hinterpommern studierte er nach dem Abitur in Göttingen und Berlin Rechtswissenschaften, als Vorbereitung auf den Staatsdienst. Aber er besuchte den Fechtboden seiner Studentenverbindung häufiger als juristische Vorlesungen, zertrümmerte im Rausch Straßenlaternen und schoss einfach in die Decke, wenn er etwas von seinem Bediensteten wollte.

Affären und Spielschulden

Nach dem Examen wurde er Referendar in Aachen. Er genoss in der mondänen Kurstadt das elegante Leben, geriet durch häufiges Roulettespiel in hohe Schulden, verliebte sich in eine ältere Französin, dann in eine schöne Engländerin, der er monatelang hinterherreiste, weshalb er seine Stelle verlor.

Aber dem Staatsdienst weinte er keine Träne nach, weil er im "Orchester" der preußischen Beamten nicht "sein Bruchstück abspielen" wollte. Der junge Adelige verfügte schon früh über ausgeprägtes Selbstbewusstsein: "Ich will Musik machen, wie ich sie für gut erkenne, oder gar keine", schrieb er, und: Er wolle nicht "gehorchen", sondern "befehlen".

Landwirt mit Narrenkappe

Rund fünf Jahre bewirtschaftete er anschließend den Familienbesitz südlich von Stettin. Das Dasein eines preußischen Landadeligen blieb zeitlebens sein Ideal. Bei den benachbarten Gutsbesitzern gewann er rasch an Ansehen, weil er an jeder Jagd, jedem Fest, jeder Theateraufführung teilnahm, selbst wenn er Dutzende Kilometer dafür reiten musste. Bald war er als der "tolle Bismarck" bekannt, auch, weil er seine "Gäste mit freundlicher Kaltblütigkeit unter den Tisch trinken" konnte, wie er später notierte. Er verbarg sich hinter einer Maske, wie schon ein amerikanischer Studienfreund in Göttingen bemerkte: "In der Kneipe und auf der Straße treibt er es toll; auf seinem Zimmer aber wirft er die Narrenkappe ab und redet plötzlich vernünftig."

Deichhauptmann und Zeitungsgründer

Nach dem Tod seines Vaters wurde Bismarck 1845 Gutsherr von Schönhausen an der Elbe, im Alter von 30 Jahren. Mit den Jahren übernahm er immer mehr Ämter und Funktionen, wurde Deichhauptmann von Jerichow für das rechte Elbufer, Mitbegründer der später einflussreichen Kreuzzeitung, erzkonservativer Abgeordneter des nach der Revolution von 1848 neu eingerichteten Parlaments in Berlin. Inzwischen war seine monarchistische Gesinnung den Kreisen um den preußischen König aufgefallen, die ihn Ende der Fünfzigerjahre als Diplomat nach Frankfurt, St. Petersburg und Paris schickten.

Ministerpräsident mit harter Hand

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Der preußische König Wilhelm I. wurde 1871 in Versailles zum "Deutschen Kaiser" ausgerufen. Die Staatsgeschäfte überließ er Bismarck.

Im Sommer 1862 verbrachte Bismarck seinen Urlaub im französischen Seebad Biarritz, wo er mit einer russischen Fürstin schwimmen ging und beinahe ertrunken wäre. Wenige Tage später kam seine große Stunde. Das Parlament hatte Wilhelm I. die Erhöhung des Militäretats verweigert, und der König brauchte jetzt einen besonders unnachgiebigen Ministerpräsidenten. Den liberalen  Parlamentariern rief der gleichzeitig zum Außenminister ernannte Bismarck alsbald zu: "Nicht durch Reden werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen und Blut!" Und regierte fortan ohne Zustimmung des Abgeordnetenhauses - ein kalkulierter Bruch der Verfassung.

Preußen wird unter seiner Führung größer

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In der Schlacht bei den Düppeler Schanzen am 18. April 1864 besiegten preußischen Truppen das dänische Heer.

Die Gründung eines deutschen Nationalstaats lag auch für ihn, anders als er später behauptete, damals noch nicht in Sichtweite. Aber er ergriff die sich bietenden Gelegenheiten: Nach Siegen gegen Dänemark an den Düppeler Schanzen 1864 und gegen Österreich bei Königgrätz (Böhmen) 1866 erweiterte er zunächst das preußische Staatsgebiet um Schleswig, Holstein und Lauenburg. Dann verleibte er Preußen auch noch das Königreich Hannover sowie Hessen und Frankfurt am Main ein. 1866 gründete er den Norddeutschen Bund, der unter preußischer Vorherrschaft 22 Staaten nördlich des Mains vereinte.