Stand: 08.01.2016 11:26 Uhr

1976: Explosion im Hamburger Hafen

von Irene Altenmüller, NDR.de
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Die "Anders Maersk" gehört zu einer Reihe von neun Schwesterschiffen, von denen sechs bei Blohm + Voss gebaut werden.

Es ist der Abend des 9. Januar 1976. Bei Blohm + Voss im Hamburger Hafen freuen sich die Werftarbeiter der zweiten Schicht schon auf das bevorstehende Wochenende. Sie arbeiten an dem Neubau der "Anders Maersk", einem 209 Meter langer Containerschiff. In acht Tagen soll der Frachter zu einer Probefahrt auslaufen, jetzt soll der sechs Meter hohe Stahlkessel im Maschinenraum ein letztes Mal unter Druck getestet werden. Rund 50 Männer - Arbeiter, Ingenieure und Handwerker - befinden sich an Bord, als es zur Katastrophe kommt: Um genau 18.13 Uhr explodiert der Dampfkessel im Maschinenraum des Schiffs. Mit einem Druck von fast 50 Bar - ungefähr der 25-fache Druck eines Autoreifens - schießt mehr als 300 Grad heißer Dampf aus dem zerborstenen Kessel heraus. Zwölf Männer sind sofort tot, 29 erleiden schwere Verbrühungen, werden von herumfliegenden Teilen getroffen oder von der Druckwelle gegen die Wände geschleudert.

Gewaltige Druckwelle und brennend heißer Dampf

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Nach dem Unglück ist der Maschinenraum des Schiffes schwer beschädigt.

Einer der Überlebenden ist Hans Dieter Marggraf. Als das Unglück geschieht, verteilt der Fußbodenverleger gerade Klebemasse auf dem eisernen Boden des Gangs zum Maschinenraum. Der "Hamburger Morgenpost" schildert er zwei Tage nach dem Unglück den Moment der Explosion: "Es gab einen dröhnenden Knall. Die Maschinenraumtür wurde von einer gewaltigen Druckwelle aus den Angeln gerissen. Große Eisenstücke wirbelten wie Geschosse durch den Gang. Ich wurde wie durch eine riesige Faust weggerissen. Dann kam brennend heiße Luft. Ich konnte nicht mehr atmen." Mit schweren Prellungen kann er sich aus dem Unglücksschiff ins Freie retten. Wie, weiß er hinterher nicht mehr genau: "Es war stockdunkel. Überall schrien Kollegen", erinnert sich Marggraf.

27 Menschen sterben

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Hamburg trauert um die Opfer: Nach dem Unglück werden die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

Feuerwehr und Notärzte sind schon vier Minuten nach der Explosion am Unglücksort auf der Elbinsel Steinwerder. Über den Alten Elbtunnel als schnellsten Verkehrsweg bringen Rettungswagen die Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser Altona, St. Georg und in das nahe gelegene Hafenkrankenhaus. Dort wurde eineinhalb Jahre zuvor eine Station geschlossen, die nun eigens für die Explosionsopfer wieder geöffnet wird. Doch für viele Schwerverletzte besteht keine Hoffnung mehr. Drei Arbeiter sterben kurz nach der Einlieferung, zwölf weitere erliegen in den darauffolgenden Tagen ihren schweren Verletzungen. Insgesamt sterben 27 Arbeiter bei dem Unglück.

Ursache bis heute nicht eindeutig geklärt

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Nach ihrer Auslieferung fuhr die "Anders Maersk" noch bis 2009 unter wechselnden Namen über die Meere.

Schon wenige Tage nach der Katastrophe werden Fragen laut. Wie konnte es zu der Katastrophe kommen? Waren die Sicherheitsvorschriften zu lasch, wie die IG Metall kritisiert? Die Untersuchungen zur Unglücksursache gestalten sich schwierig, weil sowohl der zuständige Sicherheitsingenieur als auch die beteiligten Fachleute bei der Explosion ums Leben kamen. Gutachter vermuten, dass Dieselöl in den heißen Kessel getropft ist. Ein Gas-Luft-Gemisch habe sich dann in den Kesselrohren entzündet. Eindeutig geklärt werden kann die Ursache aber nicht. Die Hamburger Staatsanwaltschaft stellt ein Ermittlungsverfahren gegen die Werftleitung wegen fahrlässiger Tötung Ende Februar 1978 ein, sie konnte kein Verschulden der Werft feststellen.

Die "Anders Maersk" wird nach dem Unglück zügig fertiggestellt. Mit einer neuen Maschine und sechsmonatiger Verspätung liefert Blohm + Voss das Containerschiff im August 1976 an ihren Eigentümer, die dänische Reederei Maersk-Line, aus.

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