Stand: 24.11.2015 10:00 Uhr

Spionage-Thriller von Steven Spielberg

Bridge of Spies - Der Unterhändler
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Spätestens als Angela Merkel im November des vergangenen Jahrs die Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam besuchte, um bei den Dreharbeiten von Steven Spielbergs "Bridge of Spies" vorbeizuschauen, da wurde klar, dass in Berlin und Umgebung ein Film über den Kalten Krieg entstand. Denn auf der Glienicker Brücke tauschten die USA und die Sowjetunion mehrfach gefangene Agenten aus.

Tom Hanks als integrer Verteidiger

Ein sowjetischer Spion, der in einem amerikanischen Film voller Überzeugung von seiner Arbeit sprechen darf? Der Brite Mark Rylance spielt ihn in Steven Spielbergs Thriller "Bridge of Spies - Der Unterhändler" als abgeklärten, resignierten Mann. Als ältlichen grauen Brillenträger und Raucher, der nicht mehr viel vom Leben erwartet. Er ist ein von der ewigen Geheimnistuerei ermüdeter Mensch, aber eben auch ein Überzeugungstäter im Kalten Krieg. Nach seiner Enttarnung und Verhaftung sucht die New Yorker Anwaltskammer einen Verteidiger. War da nicht dieser kleine Versicherungsanwalt?

Der Anwalt James Donovan soll den Spion mit halber Kraft verteidigen, damit er nach dem Prozess gehängt werden kann. Aber weil Donovan ein integrer Mensch ist, weil er noch dazu von Tom Hanks gespielt wird, und weil das alles in einem Film des optimistischen Humanisten Steven Spielberg geschieht, bekommt der Spion, Abel, einen aufrechten Mitstreiter an seine Seite. Wieder darf Tom Hanks den amerikanischen Durchschnittsbürger spielen, der über sich hinauswächst.

Schikanen in der Zeit des Kalten Krieges

Spielbergs Film, der sich an historischen Fakten orientiert, macht deutlich, dass es in den USA während des Kalten Krieges eine andere, ganz eigene Art von Schauprozessen gab. Er zeigt die Anfeindungen, denen der Anwalt Donovan während des Prozesses ausgesetzt ist. Die Zweifel seiner Frau, die Verachtung seines Vorgesetzten. Die Schikanen durch die CIA. Es liegt auf der Hand, dass der Demokrat Steven Spielberg hier in den Zeiten von Guantanamo und der Beschneidung der Bürgerrechte durch die NSA eine historische Parallele zur Gegenwart sucht. Das von Donovan erstrittene Urteil ist jedenfalls ein moralischer Triumph, der auf den Zuschauer überspringt. Abel wird nicht gehängt, sondern kommt ins Gefängnis.

Vom coolen, geschäftigen New York springt "Bridge of Spies" ins Berlin der 60er-Jahre. Hier soll der Anwalt Donovan den Austausch des verurteilten Spions gegen einen amerikanischen Piloten organisieren, der mit seiner U2 während eines Spionageeinsatzes über der Sowjetunion abgeschossen wurde.

Ein Film zwischen Tragödie und Komödie

Dieses Berlin, das Spielbergs langjähriger Kameramann Janusz Kaminski mit großer Eleganz und in nuancierten Grautönen filmt, birgt die Tonlage der Tragödie wie der Komödie. Verstörend ist die lange Sequenz, in der Donovan von der S-Bahn aus erlebt, wie ein Flüchtling an der Mauer erschossen wird. Zum Totlachen wiederum die Szene, in der Burghart Klaußner und Max Mauff zwei linkische ostdeutsche Funktionäre spielen. Während all dies geschieht, entwickelt sich ganz langsam eine Freundschaft zwischen dem amerikanischen Anwalt und dem russischen Spion.

Lustvoll lässt Steven Spielberg die Zeit des Kalten Krieges nicht nur ästhetisch wieder aufleben. Was waren das doch für übersichtliche Zeiten, in denen Freund und Feind auf der politischen Weltbühne mit einer Mischung aus Furcht und Respekt einander in Schach hielten. Gut, der Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke zwischen Schneeflocken und Scharfschützen ist erstaunlich spannungslos inszeniert. Es gibt kleine Längen und gegen Ende möchte man angesichts von Kitschmusik und schmalzigen Szenen aus dem Kino rennen. Aber der Film hat so viel inszenatorisches Herzblut und sympathischen Versöhnungswillen, dass man seine Schwächen gerne erträgt.

Bridge of Spies - Der Unterhändler

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Tom Hanks, Mark Rylance, Amy Ryan
Regie:
Steven Spielberg
Länge:
142 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
26. November 2015

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 26.11.2015 | 07:20 Uhr

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