Stand: 14.09.2017 16:45 Uhr

Studenten-Oscar für Hamburger Regisseurin

Für ihren Film "Watu Wote/All of us" erhält die Hamburger Regisseurin Katja Benrath einen Studenten-Oscar. Das teilte die Academy in Beverly Hills mit. Mit den Studenten-Oscars ehrt die Akademie seit 1972 Auslands-Regisseure und junge Talente von Filmhochschulen in den USA. In diesem Jahr wurden 1587 Filme aus dutzenden Ländern eingereicht. NDR 90,3 hat mit der jungen Regisseurin gesprochen.

Wie haben Sie von der Auszeichnung erfahren?

Katja Benrath: Tatsächlich klingelte das Telefon im Nebenzimmer und - ohne dass ich wusste, wer es ist - hatte ich plötzlich Herzrasen. Auf dem Display stand "Beverly Hills". Es war dieser Anruf aus Hollywood, den jeder sich wünscht. Und dann haben sie mich gefragt, ob ich kommen könnte, um den Preis entgegenzunehmen. Was ich gar nicht von mir kenne: Ich habe angefangen zu hüpfen, ohne dass ich das gemerkt habe. Ich habe es erst eine Minute später gemerkt, dass ich rumgehüpft bin.

Und seitdem ist der Adrenalin-Pegel auf einem Allzeithoch?

Benrath: Ja, unterschiedliche Adrenalin-Sorten machen sich bemerkbar. Jeder möchte mit mir reden. Das ist auch speziell, das kenne ich sonst nicht so. Ich bin wahnsinnig glücklich für unser Team und für unseren Film, denn die Geschichte ist mir so, so wichtig. Und dass die jetzt über diesen Weg die Welt erreichen kann, ist das Beste, was dem Team und diesem Film passieren kann.

"Watu Wote/All of us" spielt in Kenia. Islamisten überfallen einen Bus und wollen Christen töten und wollen deshalb die Fahrgäste in Christen und Muslime trennen. Und dann?

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Katja Benrath hat an der Hamburg Media School studiert.

Benrath: Und dann haben die ganzen Muslime im Bus die Christen nicht freigegeben. Was die Terroristen wollten, haben sie nicht erreicht, nämlich Christen abzuschießen. Was ich beeindruckend finde, ist, dass sie, als der Bus noch fuhr und die ersten Schüsse fielen, die christlichen Frauen mit Kopftüchern verkleideten. Und auch als draußen vor dem Bus alle im Sand knien mussten, haben 50 Personen wie magisch, ohne sich abzusprechen, nicht verraten, wer Christ ist und haben sich vor die Christen gestellt. Und das ist unter Lebensgefahr eine Leistung, die wir uns nicht vorstellen können.

Eine wahre Geschichte?

Benrath: Eine wahre Geschichte! Wir haben sie 2015 auf der Seite der BBC gefunden. Das war dann für meine Teammitglieder und mich wie ein Auftrag. Es war uns wahnsinnig wichtig, die Geschichte so zu erzählen, dass sie ein Publikum erreicht, weil wir das Gefühl hatten: Diese Art von Geschichten brauchen wir in diesen Tagen.

Der Film war Ihre Abschlussarbeit an der Hamburg Media School. Was war die wichtigste Erfahrung, die sie von den Dreharbeiten in Afrika gemacht haben.

Benrath: Dass es geht. Wir waren ungefähr 100 Menschen am Set: Unterschiedlichste Religionen und auch Stämme, die sich nicht immer gut verstehen. Wir haben es geschafft, dass wir an einem Strang gezogen haben. Alles, was passieren konnte, ist passiert: Wir hatten keinen Strom, als wir welchen in der Nacht brauchten, am vorletzten Drehtag haben sie unseren Hauptdarsteller wahrscheinlich aus rassistischen Gründen eingeknastet, wir hatten in Wüste Schwierigkeiten mit der Wasserlieferung - und das haben wir alle zusammen durchgestanden, um diese Geschichte zu erzählen. Das war beeindruckend.

Das Interview führte Daniel Kaiser, NDR 90,3

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 14.09.2017 | 19:00 Uhr

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