Stand: 24.02.2017 10:30 Uhr

Oscars 2017: Das Ende von "Oscars so white"?

von Nicole Markwald

"Welchen Unterschied ein Jahr doch machen kann", sagte Cheryl Boone Isaacs vor Kurzem beim traditionellen Oscar-Luncheon - einem ganz speziellen Mittagessen: Alle Oscar-Nominierten des Jahres kommen zusammen, es wird gegessen und das "class photo" aufgenommen, das Jahrgangsbild. Boone Isaacs ist die Präsidentin der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jährlich die Oscars vergibt.

Oscars 2017 - die Nominierten im Überblick

683 neue Mitglieder der Academy - die Hälfte weiblich

Der Unterschied, auf den sie anspielt? Die 683 neuen Mitglieder der Academy, von denen die Hälfte weiblich ist und 41 Prozent schwarz sind. Die Academy hat aufgestockt, nach zwei Jahren beißender Kritik, die sich unter dem Hashtag #oscarssowhite versammelte. Vordergründig wurde kritisiert, dass in sämtlichen Schauspielkategorien nur Weiße auftauchten, hintergründig ging es darum, dass es generell für Menschen anderer Hautfarbe schwer ist, in der US-Filmindustrie Fuß zu fassen - ob als Cutter, Kameramann oder Drehbuch-Autor.

"Moonlight" - acht Oscar-Chancen für Film von Barry Jenkins

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Das Drama "Moonlight" ist in acht Kategorien nominiert. Darunter: Barry Jenkins (3.v.l) als "Bester Regisseur" und Mahershala Ali (r.) als "Bester Nebendarsteller". Einen Golden Globe hat der Film schon (Bild).

Cutterin Joi McMillon glaubt, dass es bis zur Chancengleichheit noch ein weiter Weg ist. "Ja, es sind viele weiße Männer auf dem Jahrgangsbild", pflichtet ihr Kollege Nat Sanders bei, selbst einer von den weißen Männern. McMillon und Sanders gehören zu den Nominierten in der Kategorie "Bester Filmschnitt". McMillon ist die erste schwarze Frau, die jemals in dieser Kategorie nominiert wurde. Sie und Sanders haben den Film "Moonlight" geschnitten, in dem es um das Erwachsenwerden eines schwarzen Jungen in Miami geht. "Moonlight" ist auch als "Bester Film" nominiert, Barry Jenkins könnte als "Bester Regisseur" ausgezeichnet werden, Mahershala Ali als "Bester Nebendarsteller". Acht Oscar-Chancen hat der Film insgesamt.

Auch andere Filme mit schwarzen Hauptfiguren haben Mehrfach-Nominierungen. Zum Beispiel das Drama "Fences" mit Denzel Washington und Viola Davis in den Hauptrollen oder "Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen" in dem es um die wahre Geschichte von schwarzen Mathematikerinnen bei der NASA geht. "Es ist ermutigend, diese Fortschritte in Sachen Vielfalt zu sehen", sagt Joi McMillon, aber es reiche noch lange nicht.

Kassenknaller "Hidden Figures" - mit schwarzen Hauptdarstellerinnen

Der Produzent Franklin Leonard gibt jedes Jahr die sogenannte Black List über die besten noch unverfilmten Filmstoffe heraus. Er sagt, dieser Nominierungsreigen für Schwarze habe nichts mit der Kampagne #oscarssowhite zu tun: "Die Mehrheit der Filme war schon lange in Arbeit, als #oscarssowhite die Runde machte. Die einzige Ausnahme ist vielleicht "Hidden Figures". Aber der Erfolg dieses Films bestätigt die These, dass man mit gutem Stoff, der bestimmte Gruppen ansprechen soll und von ihnen handelt, einen Hit landen kann."

"Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen" ist ein absoluter Kinokassen-Knaller. Er hat fast 150 Millionen Dollar eingespielt, trotz weiblicher, schwarzer Hauptfiguren im Wissenschaftsbereich - nicht einer, nicht zwei, sondern gleich drei Gründe, die nach üblichen Hollywood-Studio-Standards gegen das Projekt gesprochen haben. Die Aktivistin April Reign hatte als frustrierte Kinoliebhaberin den Hashtag #oscarssowhite ins Leben gerufen. Sie sehe Fortschritte, sagte sie dem Radiosender KPCC, aber das Grundproblem gebe es nach wie vor: "Es gibt in dieser Filmsaison mehr Filme, in denen es um die Lebenswelt von Schwarzen geht. Was aber weiter fehlt, sind Geschichten von Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Randgruppen - und darum geht es bei #oscarssowhite im Kern. Es war dahingehend immer noch ein ziemlich armseliges Kinojahr."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 25.02.2017 | 14:40 Uhr

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