Stand: 30.10.2015 12:14 Uhr

Mumien! Monstren! Mutationen!

von Ruth Hunfeld

Lange bevor Freddy Krueger und Konsorten das Genre Horrorfilm auch für den deutschen Zuschauer prägten, gab es für Nervenstarke im Norden schon eine regelmäßige Verabredung mit Mumien, Monstren, Mutationen: 1967 bereits startete der NDR eine Jahre währende Filmreihe mit dem Titel "Das Gruselkabinett". Der Vorspann ist bis heute Kult, und sein Erfinder macht nach wie vor skurrile Kunst: Franz Winzentsen. NDR.de hat ihn in Kutenholz (Landkreis Stade) besucht.

Ein Schild mit der Aufschrift: "Das Gruselkabinett". © NDR

Der Vorspann zur Sendung "Das Gruselkabinett"

Bereits lange bevor Freddy Krueger die deutschen Zuschauer das Fürchten lehrte, brachte ab 1967 "Das Gruselkabinett" Mumien und andere Monstren in die Wohnzimmer der Norddeutschen.

4,7 bei 10 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Der Professor hat sich zurückgezogen

Wenn man glaubt, dass hier jetzt nichts mehr kommen kann, hinterm Kutenholzer Bahnhof, wo nur noch Gleise in die Unendlichkeit zu führen scheinen und selten noch ein Zug verkehrt, mal nach Bremervörde, mal nach Buxtehude - dann ist man richtig. Denn hierher hat er sich vor 20 Jahren schon zurückgezogen, der Professor. Der alte Güterschuppen an der Bahnstrecke bot Platz und Ruhe zum Arbeiten und war bezahlbar im Vergleich zu Hamburg, wo Franz Winzentsen an der Hochschule für bildende Künste (HFBK) lehrte. Franz Winzentsen war der erste an der HFBK, dessen Abschlussarbeit als Trickfilm akzeptiert wurde. Der junge Trickfilmer fing an in der Hamburger Firma Cinegrafik und gehörte fortan zu einer Medienszene, die es so heute nicht mehr gibt: cool, tonangebend, erfolgreich - und gleichzeitig avantgardistisch. Cinegrafik entwarf surrealistische Animationen für Industrie- und Werbefilme und für das deutsche Fernsehen.

Trailer ist mittlerweile Kult

Bild vergrößern
Franz Winzentsen hat sich mittlerweile in sein Atelier in Kutenholz zurückgezogen.

Mancher Vorspann oder Trailer, der heute als "Kult" gilt, entstand an den Tricktischen in Blankenese - so auch dieser: 1967 startete der Norddeutsche Rundfunk in seinem "Dritten" eine Filmreihe, für die ein Vorspann erstellt werden sollte. Der Name der Filmreihe: "Das Gruselkabinett". Der Auftrag ging an Franz Winzentsen. Dieser schuf einen knapp 20 Sekunden langen Streifen, schwarzweiß, in dem ein paar Augen, ein eigentlich ganz niedliches Monster und eine Mumie vorkamen und der seine Gruseligkeit vor allem durch die seltsamen Töne und die heiser raunende Stimme des Sprechers bekam: "Mumien! Monstren! Mutationen!"

Lief vor B-Movies aus den 1950er-Jahren

Spätestens jetzt weiß jeder Bescheid, der die, sagen wir, 40 überschritten hat. "Mumien, Monstren, Mutationen" ist in den allgemeinen Wortschatz eines popkulturellen Kollektivs eingegangen, wird als Synonym oder Code für Kurioses, Nerviges oder Irritierendes benutzt und verstanden auch von jenen, die viel zu jung sind, um seinen Ursprung zu kennen. Und diejenigen, die die Gruselkabinett-Reihe damals sahen - häufig vor B-Movies aus den 1950er-Jahren, wie etwa die Jack-Arnold-Streifen "Tarantula" oder "It came from outer space" - waren oftmals mehr gefesselt vom schaurigen Vorspann als von den folgenden Filmen.

Inkompatibel mit dem Endemol-genormten TV-Business

Nein, das hat Franz Winzentsen weder geplant noch ahnen können, dass ausgerechnet dieser Kurzfilm derart berühmt werden würde. Dass man überhaupt Anerkennung in irgendeiner Form von der "Masse" bekommen würde, darum ging es ihm und seinen Kollegen damals wohl eher nicht - zu radikal, zu intellektuell, zu kompromisslos waren sie - heutzutage im formatierten Fernsehgeschäft schwer zu vermitteln.

Weitere Informationen
8 Bilder

Das Gruseln wartet im Garten

Mit schaurig-schönen Attrappen von Spinnen, Hexen und Gespenstern eröffnen die Bewohner eines Fachwerkhauses in Isernhagen die Hochsaison für alle Gruselfans. Halloween kann kommen. Bildergalerie

Halloween: Vom Totenkult zum Partyspaß

Einst vertrieben die Kelten am 31. Oktober böse Geister. Heute spuken gruselig kostümierte Kinder durch die Nachbarschaft, Erwachsene feiern Partys. Was steckt dahinter? mehr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/film/Mumien-Monstren-Mutationen,halloween600.html