Stand: 18.09.2017 16:50 Uhr

K.o. für Kühe? Die Doku "Das System Milch"

Das System Milch
, Regie: Andreas Pichler
Vorgestellt von Natascha Geier
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Glücklich über Almen schlendernde Tiere, wie sie die Werbung suggeriert, würden wohl kaum 200 Millionen Tonnen Milch und Milchpulver für einen globalisierten Markt erzeugen können.

Längst ist Milch mehr als ein Nahrungsmittel: ein wertvoller Rohstoff, der ständig umdesignt und neu erfunden wird - um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Molkereien sind die mächtigsten Akteure auf dem Milchmarkt. Sie machen die Milchpreise - und kreieren wachsende Begehrlichkeiten. Die schöne neue Milchwelt: innovative Joghurtsorten, Spezialprodukte für Senioren, für Babys - obendrein Milchpulver für die Medizin oder die Lebensmittelindustrie. Läuft - zumindest für die Konzerne.

Wichtigstes, aber wehrloses Glied in dieser Kette: die Kuh. Sie wird durch Zucht zweckoptimiert. Das zeigt der Dokumentarfilm "Das System Milch" mit krassen Bildern: Hier werden genetisch manipulierte "Turbokühe" vorgeführt. Sie sollen die Zukunft der Milchindustrie sein.

Vom Lebewesen zum Euter mit Beinen

Der Wert der Kuh hat sich in diesem System verändert - vom Lebewesen zum Euter mit Beinen. Kühe aber geben nur Milch, wenn sie gekalbt haben. Das bedeutet: Milchkühe sind dauernd schwanger. Mehr als fünf Jahre hält das so eine Kuh nicht durch. Dann heißt es: Endstation Schlachthof. Aber - und das ist das Anliegen des Films: Ist dieser Raubbau am Tier noch ethisch vertretbar?

Bauern kämpfen ums Überleben

Auch zeigt die Dokumentation eindringlich, wie abhängig vor allem kleinere Betriebe vom Milchpreis sind. Denn wenn der so niedrig ist wie in den letzten Jahren, deckt der Preis nicht mal die Haltungskosten für die Kühe. Solche Bauern müssen ums reine Überleben kämpfen. Das prangert der Film an. "Ich sehe das als Familienbetrieb so, dass man irgendwie am Limit ist und dass man nicht mehr viel verdient", sagt ein Landwirt in dem Film. "Man arbeitet nur noch für die Konzerne, die Kraftfutterindustrie und für die Nahrungsmittelindustrie und selbst bleibt man auf der Strecke."

Europäische Bauern produzieren vor allem für den Export

Warum aber ist das so? Der Film zeigt: Das hat System. Weil sich die EU für den Weltmarkt geöffnet hat, produzieren die europäischen Bauern jetzt vor allem für den Export. Die Molkereien drücken den Preis, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Bauern müssen für das gleiche Geld immer mehr produzieren. Dafür bezuschusst die EU die Landwirtschaft dann mit 45 Milliarden Euro jährlich. Wer davon profitiert? Natürlich die globalen Konzerne.

"Wenn sich die EU entschließen würde, die 45 Milliarden Direktzahlung aus dem System zu nehmen, könnte die Landwirtschaft ihre Exportstrategie nicht weiterführen", heißt es in der Doku. "Der Steuerzahler liefert den Treibstoff für die Exportstrategie, die Billigmache, und dann erzählt man dem Steuerzahler: Dafür hast du billige Lebensmittel. Die sind aber nicht für den europäischen Markt, die ruinieren Kleinbauern in Afrika."

Kleinbauern können nicht mithalten

Das europäische Milchpulver ist viel billiger als die afrikanische Frischmilch. Da können die Kleinbauern nicht mehr mithalten. Kleine Molkereien und Höfe machen pleite. Und das hat auch für uns Konsequenzen. "Abgesehen von der Landflucht, fliehen die Söhne der Bauern mit Booten, um ein besseres Leben zu finden. Dabei sterben sie in Libyen oder auf offener See", sagt ein Protagonist.

Der Film will aufrütteln und sucht Alternativen zu diesem Mensch und Tier ausbeutenden System. Eine Option: regionale Strukturen stärken, egal ob bio oder konventionell. Und natürlich, das betrifft uns alle: ein angemessener Umgang mit unseren Lebensmitteln.

Das System Milch

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2016
Produktionsland:
Deutschland
Regie:
Andreas Pichler
Länge:
90 Min.
FSK:
FSK 0
Kinostart:
21. September 2017

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 18.09.2017 | 22:45 Uhr

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