Sendedatum: 27.10.2014 22:45 Uhr

Edward Snowdens Offenbarung

Citizenfour

Edward Snowden ist wohl der bekannteste Whistleblower der Welt. Inzwischen hat er sogar den Alternativen Nobelpreis bekommen, weil er mit "Mut und Kompetenz" die Überwachung des US-Geheimdienstes NSA aufgedeckt hat. Die amerikanische Filmemacherin Laura Poitras war die Erste, der sich Edward Snowden in verschlüsselten E-Mails anvertraute. Nun kommt ihr Dokumentarfilm "Citizenfour" ins Kino.

Im Januar 2013 schrieb Edward Snowden zum ersten Mal an Laura Poitras - unter dem Decknamen "Citizenfour": "Laura, im Moment kann ich Ihnen nicht mehr als mein Wort geben. Ich bin leitender Regierungsmitarbeiter im Bereich der Nachrichtendienste. Ich hoffe, es ist Ihnen klar, dass der Kontakt mit Ihnen ein extrem hohes Risiko darstellt. Fürs Erste sollten Sie wissen, jede Grenze, die Sie passieren, jeder Einkauf, jeder Anruf, den Sie machen, jeder Funkmast in Ihrer Nähe, jeder Kontakt zu Freunden, jede Website, die Sie besuchen, jede Betreffzeile, die Sie tippen, all das liegt in den Händen eines Systems, dessen Reichweite unbegrenzt, aber dessen Kontrolle begrenzt ist. Am Ende, wenn Sie das Material veröffentlichen, wird man mich vermutlich sofort damit in Verbindung bringen. Das einzige, was ich erwarte, ist, dass Sie diese Informationen in Amerika an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Danke. Und seien Sie vorsichtig.“

"Wow, der Typ ist so gefasst und entschlossen"

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Die Regisseurin Laura Poitras arbeitet und lebt derzeit in Berlin.

Ein halbes Jahr später, im Juni 2013, fliegt Laura Poitras gemeinsam mit zwei Zeitungsjournalisten nach Hongkong und trifft sich mit Edward Snowden in einem Hotelzimmer. Acht Tage lang ist die Kamera immer dabei. Die Weltöffentlichkeit ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nichts vom NSA-Skandal. Die Regisseurin war überrascht bei der ersten Begegnung: "Ich hatte bereits sechs Monate verschlüsselten E-Mail-Kontakt und hatte erwartet, dass die Person vom Geheimdienst älter ist. Wir mussten uns also erst darauf einstellen, dass er so jung ist. Aber der zweite Eindruck war sofort: 'Wow, der Typ ist so gefasst und entschlossen.'"

Das Ausmaß seiner Enthüllungen übersteigt ihre Erwartungen: "Es ist schon Wahnsinn, in welchem Ausmaß die NSA Daten von jedermann sammelt, und dabei geht es nicht um Verdächtige. Es geht darum, Massen von Daten, von so vielen wie möglich zu sammeln und sie so lange wie möglich zu speichern. Das war wirklich überraschend."

Der Mann hinter der Maske

Rückblick

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Aus den Aufnahmen, die in Hongkong entstanden, hat Laura Poitras nun eine Dokumentation gemacht. Es gelingt der Filmemacherin in "Citizenfour". den Mann hinter der Maske zu zeigen - einen zwar äußerst entschlossenen, aber auch sehr nachdenklichen jungen Mann. Das Risiko, das er einging, war ihm von Anfang an bewusst, aber er war mutig genug auszupacken: "Hier geht es um Themen, die die Öffentlichkeit angehen", sagt Snowden im Film. "Es geht nicht um mich, es geht alle an. Ich habe keine Angst vor der NSA. Mich bringen sie nicht zum Schweigen, wie sie es mit den anderen gemacht haben. Und wenn es mich nicht mehr gibt, was immer man mit mir macht, dann wird hoffentlich ein anderer reden."

"Citizenfour", eine internationale Co-Produktion mit NDR und BR, ist ein spannender Doku-Thriller, der am Ende noch eine Überraschung bereit hält: Es gibt offenbar schon einen weiteren Whistleblower, der bereit ist auszupacken.

Citizenfour

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2014
Produktionsland:
Deutschland/USA
Zusatzinfo:
Mit Glenn Greenwald, William Binney, Jacob Appelbaum, Edward Snowden, Ewen Macaskill und Jeremy Scahill
Regie:
Laura Poitras
Kinostart:
6. November 2014

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 27.10.2014 | 22:45 Uhr

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