Sendedatum: 21.01.2016 07:20 Uhr

Huppert und Depardieu im Death Valley

Valley of Love - Tal der Liebe
Vorgestellt von Katja Nicodemus

35 Jahre ist es her, dass Gérard Depardieu und Isabelle Huppert gemeinsam vor der Kamera standen: In Maurice Pialats Film "Loulou". Jetzt hat der Regisseur Guillaume Nicloux sie wieder zusammengeführt - und schickt sie in seinem Film "Valley of Love" in die Wüste.

Dem toten Sohn seinen letzten Wunsch erfüllen

Um ehrlich zu sein, es ist fast egal, was Gérard Depardieu und Isabelle Huppert in der amerikanischen Wüste treiben. Denn es ist einfach zu schön, sie wieder einmal gemeinsam in einem Film zu sehen. In Guillaume Nicloux' Film "Valley of Love" ist es der letzte Wille des gemeinsamen Sohnes, der Gérard und Isabelle, so heißen sie tatsächlich im Film, wieder zusammenbringt.

Eigentlich sind sie seit Langem geschieden. Aber sechs Monate nach dem Suizid des gemeinsamen Sohnes finden sich die beiden im kalifornischen Death Valley zusammen, um dort eine Woche zu verbringen, so wie Michael sich dies in Briefen an seine Eltern gewünscht hat. Die Situation ist merkwürdig, die Hitze unerträglich und die Stimmung zunächst einmal befangen.

Zwei grundverschiedene Menschen

So sind sie nun mal, die Gespräche, wenn man sich seit Jahren nicht gesehen hat. Die Stimmung wird nicht besser, denn Gérard und Isabelle sind mit völlig unterschiedlichen Haltungen in die Wüste gereist. Während sie glaubt, der tote Sohn werde ihnen erscheinen, so wie er es in seinen Briefen vorhergesagt hat, hält er das alles für Mumpitz. Während sie den Selbstmord des Sohnes, der jahrelang zurückgezogen in den USA lebte, erkunden, erklären, begreifen will, hat er sich damit abgefunden. Oder glaubt es zumindest.

"Valley of Love" ist die Geschichte zweier Menschen, die nach Jahrzehnten herausfinden, was sie noch verbindet. Obwohl sie zunächst einiges zu trennen scheint. Gérard trinkt viel, Isabelle wenig. Er liebt Fleisch, sie ist Vegetarierin. Er schwitzt sogar im klimatisierten Hotelflur, sie schaltet die Klimaanlage in ihrem Zimmer aus ökologischen Gründen aus. Und während er Fünfe gerade sein lässt, hält sie gern rechthaberische Vorträge - etwa als er eine Eidechse mit Brot füttert.

Es ist ein Genuss, den Schauspielern zuzusehen

Eine landschaftliche Sehenswürdigkeit nach der anderen haken die beiden im Death Valley ab, so wie es der tote Sohn mit einem strengen Plan vorgeschrieben hat. Wird er seinen Eltern erscheinen? Die Antwort interessiert nicht wirklich. Denn die spirituelle Rahmenhandlung wirkt wie an den Haaren herbeigezogen. Aber sie stört auch nicht weiter. Es ist einfach ein Vergnügen, Isabelle Huppert und Gérard Depardieu gemeinsam spielen zu sehen.

Zwei Schauspieler, die einander tragen, trotz ihrer extrem unterschiedlichen Physis. Wie eine Mischung aus Berg und Buddha sieht Depardieu aus, wenn er auf einem Klappstühlchen in der Wüste sitzt. Daneben wirkt Huppert noch zarter und kleiner als sie ohnehin schon ist. Sie besticht durch ihre Grundgereiztheit, die sich mit der Genervtheit ihrer Figur verbindet - und durch ihre messerscharfe Präsenz. Er wiederum spielt ganz zart, zurückhaltend und fast schwerelos. Und langsam, ganz langsam, stellt sich zwischen ihren beiden Figuren die alte Vertrautheit wieder her.

Nach einem nächtlichen Albtraum schläft sie in seinem Motelzimmer - im zweiten Bett. Er lässt sich von ihr die beim Rasieren verletzte Hand verbinden. Es gibt sogar einen kurzen, innigen Kuss. So spielen Isabelle Huppert und Gérard Depardieu weiter, miteinander, füreinander, in der kalifornischen Wüste, bei 45 Grad im Schatten. Man könnte ihnen ewig zuschauen.

Valley of Love - Tal der Liebe

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
Frankreich, Belgien
Zusatzinfo:
mit Isabelle Huppert, Gérard Depardieu, Dan Warner
Regie:
Guillaume Nicloux
Länge:
93 min.
FSK:
FSK ab 0 Jahre
Kinostart:
21. Januar 2016

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 21.01.2016 | 07:20 Uhr

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