Stand: 14.10.2014 20:30 Uhr

DokumentART: Hauptpreis für "Blood"

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Ein Kino mit Tradition über Jahrzehnte: Das Latücht-Kino ist eine der Haupt-Spielstätten des Festivals.

Der Film "Blood" der russischen Regisseurin Alina Rudnitskaja hat den Hauptpreis des Europäischen Filmfestivals dokumentART in Neubrandenburg gewonnen. In dem Film wird der Alltag des russischen Blutspendedienstes am Beispiel einer Gruppe von Frauen beschrieben. "Die Regisseurin legt ein weit verzweigtes System von Machtspielen offen und zeichnet zugleich eine Vielzahl von intimen Porträts", erklärte Jurysprecherin Hannah Pilarczyk am Dienstag zum Abschluss des fünftägigen Festivals. Für die Jury sei die Verbindung aus intimen Porträts und dem Bild einer Machtstruktur überzeugend gewesen.

Jury: Eine bisher nicht gekannte Intimität

Filmisch gekonnt verwebe Rudnitskaya im dritten Teil einer Trilogie über das russische Gesundheitswesen Geschichten vom Überleben, die berühren, ohne ins Sentimentale abzugleiten. Rudnitskaja wurde 1976 bei Murmansk geboren. Sie habe das traditionelle Filmformat durch eine bislang im russischen Dokumentarfilm nicht gekannte Intimität erweitert und bekam dafür mehrfach Preise, so die Jury. Der Hauptpreis der dokumentART wird vom Schweriner Kultusministerium gestiftet und ist mit 5.000 Euro dotiert.

Weitere Preise für Pecherer, Knopf und Faulhaber

Ebenfalls ausgezeichnet wurden der israelische Filmautor Mili Pecherer für seinen Streifen "Yeruham off Season" (Yeruham, Nebensaison) und "Majubs Reise" von Eva Knopf. In Pecherers Film bewegt sich eine junge Frau in der rauen Männerwelt des israelischen Westens um den Ort Yeruham. In Knopfs Porträt geht es um einen afrikanischen Schauspieler, der in der NS-Zeit Rollen von Afrikanern in Filmen spielte, als junger Mann als Kolonialsoldat in Tansania kämpfte und im Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Sachsenhausen starb. Der vom Norddeutschen Rundfunk gestiftete Publikumspreis ging an "Play Movie" des deutschen Künstlers Christoph Faulhaber. Der Film erzählt aus dem Leben des Regisseurs mit Hilfe von Ausschnitten aus Videospielen.

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DokumentART

Das Festivalprogramm mit ausführlichen Informationen zu den Filmen auf der Homepage des Verantalters. extern

Leitung mit Besucherzahlen zufrieden

"Wir sind mit dem Besucherandrang diesmal sehr zufrieden", sagte die neue Leiterin des Filmfestivals, Heleen Gerritsen aus den Niederlanden. Rund 3.300 Zuschauer hätten an den 21 Spielorten in Mecklenburg-Vorpommern und Polen den Wettbewerb und das Rahmenprogramm besucht. Seit Freitag traf sich in Neubrandenburg die junge Dokumentarfilm-Szene. Obwohl das Budget um ein Drittel gekürzt wurde, war das Programm umfangreich. 39 Filme aus 19 Ländern starteten im Wettbewerb um den Latücht-Hauptpreis. Mit Leipzig, Amsterdam und dem tschechischen Jihlava gehöre die dokumentART zu den größten europäischen Dokumentarfilmfestivals, sagte Gerritsen. Als Besonderheit sei nur in Neubrandenburg die Filmlänge auf maximal 60 Minuten begrenzt. Erstmals wurde der Hauptwettbewerb in Themenblöcke geteilt. Der Norddeutsche Rundfunk unterstützt das Festival.

Karte: DokumentArt - Die Spielstätten des Filmfests