Stand: 13.01.2016 15:56 Uhr

"The Big Short": Börsendrama mit Starbesetzung

The Big Short
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Vor zwei Jahren zeigte Martin Scorsese in seinem Film "Wolf of Wall Street" mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle, wie berauscht die Investmenthaie von ihrer eigenen Gier waren - und wohl noch sind. Jetzt hat Adam McKay ebenfalls ein Börsendrama gedreht, starbesetzt mit Ryan Gosling, Christian Bale, Steve Carell und Brad Pitt.

Banker mit Glasauge und Weitblick

Jetzt, im Rückblick, denkt man, jeder hätte es kommen sehen müssen. Aber es war nur eine Handvoll cleverer Typen, die die amerikanische Immobilienkrise vorhersahen. Allen voran der Hedgefonds-Manager Michael Burry, ein introvertiertes Genie mit Glasauge.

In Adam McKays Film "The Big Short" verleiht Christian Bale ihm eine beunruhigende Mischung aus Hellsichtigkeit und Abgedrehtheit. Burrys Chefs können und wollen jedenfalls nicht glauben, dass dieser Sonderling mit Billighaarschnitt, der Millionenvermögen verwaltet, klüger sein soll als der Rest der Wall Street.

"The Big Short" beginnt 2006, zwei Jahre bevor die Immobilienblase platzte und die Weltwirtschaft mit sich riss. In atemlosem Rhythmus stellt der Film seine Protagonisten vor. Sie alle sind Teil der Wall Street, sie alle arbeiten für Großbanken oder riesige Fonds, und sie alle riechen den Braten und versuchen daraus Kapital zu schlagen.

Profitgierige Finanz-Profis

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Mark Baum (Steve Carell, links) hält Jared Vanetts (Ryan Gosling, rechts) Aktionen für äußerst fragwürdig.

Sie kreieren Anleihenmodelle, in denen sie gegen die Kapitalmärkte wetten, sie kaufen Versicherungsbeteiligungen, mit denen sie im August 2008 vom Zusammenbruch des Immobilienmarktes profitieren werden. Etwa der Finanzguru Ben Rickert alias Brad Pitt. Zwei Nerds stoßen ihn auf die Tatsache, dass die Großbanken auf unabgesicherten Krediten stehen. Allerdings ist es gar nicht so leicht, ihm das mitzuteilen.

Die unsympathischste und letztlich konsequenteste Figur von "The Big Short" ist Jared Vanett, Investmentbanker bei der Deutschen Bank. Ryan Gosling spielt ihn als eiskalten arroganten Abzocker mit sonnenbankgebräuntem Gesicht und schwarz gefärbten Haaren.

Vanett ist auch der Erzähler des Films. Die Kamera folgt ihm, während er versucht, ausgewählte Anleger zu finden, die mit ihm gegen die Immobilienblase wetten. Es geht von den gläsernen Büros der Großbanken und Investmentkonzerne bis in die Herrentoilette der Deutsche-Bank-Niederlassung in New York. Hier, zwischen Klotüren, Marmorbecken und Pissoirs wird denn auch klar, dass Gier und Abzocke ihre ganz eigene Form der Geilheit hervorbringen.

Erklärstück für Erwachsene

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Adam McKays Film gibt sich alle Mühe, die Spezialausdrücke, die vielen Abkürzungen und Termini der Bankersprache zu erklären. Manchmal wirkt das rührend naiv - etwa wenn der Popstar Selena Gomez am Blackjack-Tisch in Las Vegas das Wettsystem des Investmentgeschäfts erklärt. Genau das ist auch das Dilemma des Films: Er muss erst einmal erklären, wovon er überhaupt erzählt. Er zeigt Menschen, die letztlich mit Millionen Häusern, Schicksalen, Arbeitsplätzen zocken und muss doch erst einmal eine Art Grundsympathie für diese Protagonisten wecken.

Für die Restmoral des Films sorgt jedenfalls der Investmentbanker Mark Baum, gespielt von Steve Carell. Seine untergründige Verzweiflung und seine cholerischen Ausbrüche wirken wie das wandelnde Symptom der letztlich kranken Welt, die ihn umgibt.

"The Big Short" ist zu vollgepackt mit Informationen, zu dicht bestückt mit Protagonisten, zu schnell und sprunghaft erzählt, um noch eine Haltung zu seinem Thema zu entwickeln. Letztlich ist der Film eine Wall-Street-Folge der Sendung-mit-der-Maus für Erwachsene, eine Schulstunde über den sich verselbstständigenden Investmentwahn.

Aber es gibt Schlimmeres, als sich zwei Stunden lang von Brad Pitt, Ryan Gosling, Christian Bale und Steve Carell erklären zu lassen, warum das alles so empörend war - und heute immer noch so ist.

The Big Short

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2015
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt
Regie:
Adam McKay
Länge:
131 min.
FSK:
FSK ab 6 Jahre
Kinostart:
14. Januar 2016

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 14.01.2016 | 07:20 Uhr

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