Stand: 22.02.2017 13:00 Uhr

"Lion" - Eine Familie findet zusammen

Lion
, Regie: Garth Davis
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Die schönsten Geschichten schreibt bekanntermaßen immer noch das Leben. Aber wenn man sie auf die Leinwand bringt, kann das fürchterlich in die Hose gehen. Die gute Nachricht aber ist: "Lion" - die Geschichte des indisch-stämmigen Australiers Saroo Brierley macht alles richtig. Sein Drama ist für sechs Oscars nominiert.

Zu schön, um wahr zu sein

Wäre ein Drehbuchautor mit einer solchen Story in der Traumfabrik vorstellig geworden, man hätte ihm wahrscheinlich gesagt die Geschichte sei zu übertrieben. Mit fünf wird der junge Inder Saroo von seinen Eltern getrennt. Allein und verwahrlost streift er durch die Gassen von Kalkutta. Durch Geistesgegenwart entkommt der kleine Junge einem Zuhälter, landet zunächst in einem Heim und findet schließlich bei einer Adoptivfamilie in Australien ein liebevolles Zuhause. Er ist klug und ehrgeizig. Doch zu Beginn seiner Ausbildung zum Hotelmanager tauchen Fragen auf, die ihn bisher nicht beschäftigten: "Geboren in Australien? Ja, ähm, nein Kalkutta. Ich habe Familie in Kalkutta, meine Cousins da sind echt verrückt. Ich bin adoptiert, ich bin kein richtiger Inder."

Google Maps hilft bei der Suche

Tatsächlich weiß Saroo nicht, wo genau er geboren ist, und ob seine Mutter, die den Lebensunterhalt mit Steineschleppen verdiente, und sein Bruder noch leben. Er ist eines Nachts in einem Zug eingeschlafen und in Kalkutta am Bahnhof wieder aufgewacht. Freunde haben eine Idee: "Kennst du dieses neue Programm, Google Earth? Das ist unglaublich, da kannst du jeden Ort auf der Welt finden. Hör mal zu, wir können herausfinden, wie schnell Personenzüge damals gefahren sind. Dann multiplizieren wir diese Geschwindigkeit mit den Stunden, die du im Zug gewesen bist, das ist alles, wir erstellen einen Suchradius."

Geglückte Verfilmung des Familiendramas "Lion"

Anfangs ist Saroo nicht überzeugt, aber in ihm wird eine Sehnsucht geweckt, gegen die er nicht mehr ankommt - auch, wenn die Sache nach Monaten verzweifelten Suchens aussichtslos erscheint. Selbst seine Freundin zweifelt: "Du musst dich der Realität stellen." Er entgegnet: "Was meinst du mit Realität? Hast du eine Ahnung, zu wissen dass mein richtiger Bruder und meine Mutter jeden Tag meines Lebens nach mir suchen?"

Saroo verlässt die Adoptivfamilie

Also macht Saroo weiter, kapselt sich von der Außenwelt ab, schmeißt seine Ausbildung und die Beziehung zu seiner Adoptivfamilie und seiner Freundin wird auf eine harte Probe gestellt. Er begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, die seine Zukunft bestimmen wird.

Saroo Brierley hat seine Lebensgeschichte schließlich aufgeschrieben "Mein langer Weg nach Hause" wurde ein Bestseller. Es hätte leicht passieren können, dass der Leinwandversion zu viel Dramatik oder Glückseligkeit hinzugedichtet worden wäre. Der Verfilmung aber gelingt die Balance zwischen Rührung und Realismus, in ehrlichen Bildern, die sich wohltuend vom farbenprächtig bis kitschigen Indienklischee abheben. Der Hauptdarsteller Dev Patel - bekannt aus "Slumdog Millionaire" hat noch nie ein so einnehmendes Drehbuch gelesen, für ihn der Inbegriff eines Triumphs.

Der könnte sich fortsetzen. Patel ist für den Oscar nominiert - und er hat gute Chancen. Nicole Kidman spielt Saroos' Adoptivmutter, und ist ebenfalls als beste Nebendarstellerin für den Oscars nominiert. Da fragt man sich allerdings, warum.

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Lion

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2016
Produktionsland:
USA, Australien, Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Dev Patel, Rooney Mara, Nicole Kidman, David Wenham
Regie:
Garth Davis
Länge:
119 Min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
23. Februar 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 22.02.2017 | 06:40 Uhr

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