Stand: 12.01.2017 12:40 Uhr

Maria Merian - Pionierin der Insektenkunde

Metamorphosis insectorum Surinamensium
von Maria Sibylla Merian
Vorgestellt von Ulrike Sárkány

Stellen Sie sich vor, heute wäre der 13. Januar 1717. Vielleicht hätten Sie eine Magd, die Feuer im Kamin macht und das Wasser vom Brunnen holt. Vielleicht wären Sie sogar stolze Besitzer von Pferd und Wagen, aber dass Sie mehr als, sagen wir, 100 Kilometer im Umkreis von Zuhause unterwegs gewesen wären, ist eher unwahrscheinlich. An diesem Tag, am 13. Januar 1717, übrigens einem Mittwoch, starb Maria Sibylla Merian im Alter von fast 70 Jahren in Amsterdam. Geboren wurde sie am 2. April 1647 in Frankfurt.

Eine Frau mit Unternehmungsgeist

Seiten eines Kalenders © fotolia.com Fotograf: naftizin

Die Schönheit der Insekten

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 13. Januar 1717 stirbt Maria Sibylla Merian. Die Insekten-Zeichnungen der Naturwissenschaftlerin und Kupferstecherin beeindrucken bis heute durch ihre Genauigkeit.

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Sie war Malerin, Naturforscherin und Geschäftsfrau. Ihr Unternehmungsgeist führte sie bis nach Surinam im Nordosten Südamerikas. Ihr berühmtes Werk "Metamorphosis insectorum Surinamensium" gibt es jetzt in einer neuen Faksimile-Ausgabe.

Damit ein einzelner Mensch, ob nun Mann oder Frau, ein so bahnbrechendes Werk hinterlassen kann, müssen sich viele Bedingungen in seinem Umfeld glücklich zueinander fügen. Das war im Leben der Maria Sibylla Merian zweifellos der Fall. Ihr Vater, ein Kupferstecher aus der Schweiz, starb zwar, als sie drei Jahre alt war, aber sie hatte zwei ältere Halbbrüder, die ihr wahrscheinlich das Stechen und Radieren beibrachten. Ihr Stiefvater war Blumenmaler. Als Maria Merian achtzehn Jahre alt war, heiratete sie einen seiner Schüler und zog mit ihm in seine Heimatstadt Nürnberg. Sie bekam zwei Töchter, die das Säuglingsalter überlebten, und ihr Dasein hätte von da an so unspektakulär seinem Ende zugehen können wie das vieler anderer Hausfrauen und Mütter. Aber Maria Merian hatte ein Hobby:

Ich habe mich von Jugend an mit der Erforschung der Insekten beschäftigt. Zunächst begann ich mit Seidenraupen in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main. Danach stellte ich fest, dass sich aus anderen Raupen viel schönere Tag- und Eulenfalter entwickelten als aus Seidenraupen. Das veranlasste mich, alle Raupen zu sammeln, die ich finden konnte, um ihre Verwandlung zu beobachten. Ich entzog mich deshalb aller menschlichen Gesellschaft und beschäftigte mich mit diesen Untersuchungen. Dabei wollte ich mich zugleich in der Malkunst üben und sie alle nach der Natur zeichnen und beschreiben, wie ich auch alle Insekten, die ich zunächst in Frankfurt und danach in Nürnberg habe finden können, für mich selbst sehr genau auf Pergament gemalt habe. Buchzitat

Dem Gatten mag es nicht gefallen haben, dass seine Frau im ganzen Haus Brutkästen für Raupen, Larven und Schmetterlinge aufstellte und die meiste Zeit mit ihrer Pflege verbrachte.

Die Verwandlung als Metapher

Maria Merian sah in der Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling eine Metapher für Leben und Tod des Menschen: die gefräßige Raupe symbolisiert den Menschen auf der Erde, die Puppe seinen (vorübergehenden) Tod, der Schmetterling dann die sich zu Gott erhebende Seele.

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Die Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian wurde am 2. April 1647 in Frankfurt a. M. geboren. Sie starb am 13. Januar 1717 in Amsteradam.

Um 1685 verlässt sie ihren Ehemann und zieht mit ihrer Mutter und ihren Töchtern Johanna Helena und Dorothea Maria in die Niederlande, um sich einer Gemeinschaft von Labadisten anzuschließen, Anhängern des Sektenführers Jean de Labadie.

Die Labadisten besitzen eine Plantage in Surinam. Und da Maria Merian mit ihren Raupenbüchern und anderen Veröffentlichungen gutes Geld verdient hat, kann sie sich eine Überfahrt für Dorothea Maria und sich leisten. Sie ist begeistert von der exotischen Insekten- und Pflanzenwelt, die sie dort beobachten und zeichnen kann, aber nach zwei Jahren erkrankt die jetzt 54-Jährige schwer, wahrscheinlich an Malaria, und muss nach Amsterdam zurückkehren.

Ich bin bis zum Juni des Jahres 1701 dort geblieben und habe mich dann wieder nach Holland begeben, wo ich am 23. September eintraf. Dort habe ich diese sechzig Stück Zeichnungen mit den entsprechenden Beobachtungen getreu nach dem Leben auf Pergament gebracht, die neben den getrockneten Tierchen bei mir zu sehen sind. Ich fand in jenem Land nicht die passende Gelegenheit, um die Beobachtungen der Insekten vorzunehmen, die ich mir vorgestellt hatte, da das Klima jenes Landes sehr heiß ist. Diese Hitze bekam mir nicht gut, und ich sah mich deshalb gezwungen, früher nach Hause zurückzukehren, als ich gedacht hatte. Buchzitat

Faksimile der Originalveröffentlichung

Spätere Naturforscher haben einige Fehler entdeckt - wie könnte es auch anders sein? -, aber die Bewunderung für die wissenschaftliche Leistung ist ungebrochen. Die Feinheit der Farben und Formen ist einfach atemberaubend.

Der schöne Band im Schuber enthält das Faksimile der Originalveröffentlichung von 1705 auf Niederländisch sowie die Übersetzungen, eine Liste aller 67 noch erhaltenen Originalbände auf der Welt, eine Katalogisierung und begleitende Schriften, die die Herausgeber Marieke van Delft, Kuratorin an der Königlichen Bibliothek in Den Haag, und Hans Mulder, Kurator der Artis Bibliothek in Amsterdam, von Kollegen erbeten haben.

Informativ, inspirierend und faszinierend, dieser Band - ein Juwel!

"Die Verwandlung der surinamischen Insekten" von Maria Sibylla Merian ist als Faksimile der Originalausgabe von 1705 im Verlag Lambert Schneider in einer limitierten Auflage von 1.499 Exemplaren erschienen. Ein Exemplar im Schmuckschuber kostet 149 Euro. Zum weniger stattlichen Preis von 28 Euro erscheint beim Hildesheimer Gerstenberg Verlag Ende des Monats das Buch "Maria Sibylla Merians Schmetterlinge" von Kate Heard, das auch sehr zu empfehlen ist.

 

Buchtipp

Ein Meister der Landschaft

Der Kupferstecher, Verleger und Zeichner Matthäus Merian d.Ä. lebte von 1593 bis 1650. Seine Handzeichnungen sind charmante kleine Kunstwerke, die nun in einem Prachtband erschienen sind. mehr

Metamorphosis insectorum Surinamensium

von
Seitenzahl:
200 Seiten
Genre:
Sachbuch
Zusatzinfo:
Limitierte Auflage von 1499 Exemplaren. Hrsg. von Marieke van Delft und Hans Mulder. Mit einem Vorwort von Redmond O'Hanlon und Beiträgen von Ella Reitsma, Kay Etheridge und Bert van de Roemer.
Verlag:
Lambernd Schneider
Bestellnummer:
978-3-650-40181-6
Preis:
149,00 €

Dieses Thema im Programm:

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