Stand: 28.08.2015 15:00 Uhr

Rätselhafte Todesserie im Seniorenheim

Tod in Weimar
von Dominique Horwitz
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
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Der deutsch-französische Sänger und Schauspieler Dominique Horwitz hat nun ein Buch geschrieben.

1957, am Tag des Buches in Paris geboren - für Dominique Horwitz kann es nur eine Frage der Zeit gewesen sein, dass er neben seiner Arbeit als Schauspieler, Regisseur und Sänger einen Roman vorlegt. Er hat sich immer intensiv mit Literatur, Kafka, Hrabal oder Baudelaire beschäftigt. Nun ist es soweit, sein erster Roman erscheint mit dem Titel: "Tod in Weimar".

Kriminalkomödie und Liebesgeschichte

Es ist eine Kriminalkomödie, eine ruppig-zarte Liebesgeschichte, eine Geschichte vom Älterwerden und noch dazu eine Art "Backstage-Roman". Wer je Schauspielern beim Proben auf der Bühne zugehört hat, wie da Pointen hin- und herfliegen, grobe Witze gerissen und das - ohne Publikum - gelegentlich auch scharfe Wortflorett gefochten wird, kennt den Wunsch, doch lieber mal das auf der Bühne zu hören oder zu lesen anstelle des gerade inszenierten, möglicherweise langweiligeren Theaterstücks.

"Glücklicherweise war sein Gedächtnis ein Fundus von Zitaten. Als ehemaliger Schauspieler hatte er mehr Texte im Kopf, als er gebrauchen konnte" Leseprobe

... heißt es über die Hauptfigur, den Kutscher Roman Kaminski, der in Weimar als Stadtführer sein Geld verdient. Seine verschlungenen Pfade führen ihn auch immer wieder in das Seniorenheim "Villa Gründgens", wo Schauspieler im Rentenalter nicht nur die Zeit totschlagen: Es gibt auch eine rätselhafte Todesserie. 

Mit Gespür für Tempo und Esprit

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Den Kutscher und ehemaligen Schauspieler Kaminski führt es immer wieder in die geheimnisvolle "Villa Gründgens".

Man probt gemeinsam Schillers "Räuber" und echauffiert sich über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen - das alles auf hohem Niveau, bisweilen allerdings grob geschnitzt. Dominique Horwitz, der facetten- und spartenreich Begabte kann das einfangen, und er hat ein Gespür für Tempo und Esprit im Text.

Er selbst ist vor zehn Jahren der Liebe wegen nach Weimar gezogen und setzt in seinem Roman, ganz nebenbei, auch Weimar durchaus vorteilhaft beleuchtet in Szene. Er findet, dass Weimar unter Wert vermarktet wird. Es hat mehr zu bieten als nur Goethe und immer wieder Goethe:

"Weimar hatte durchgehend geöffnet. Jeden Tag Vorstellung und er, Kaminski, als Komparse mittendrin."

Kaminski, der Kutscher, erzählt den Reisenden genauso gern von dem Anakreontiker Christoph Martin Wieland, dem Dichter, Übersetzer, Theologen und Kulturphilosophen Johann Gottfried Herder und nicht zuletzt von Friedrich Schiller. Der Kutscher würde auch immer die Gedenkstätte Buchenwald als Teil seiner Führungen ansteuern und über dieses düsterste Kapitel deutscher Geschichte sprechen, weiß aber, dass auch die Kulturreisenden das lieber auslassen möchten.

Heiteres Gepöbel

Kaminski wird sich im Roman in eine junge Dame namens Laura verlieben und bei der Aufklärung der Morde im Seniorenheim eine entscheidende Rolle spielen, gewissenhaft und resolut wie Miss Marple im kleinen Kreis der Verdächtigen nachforschen. Als weiteres Personal im Roman treten auf: Ein Mädchen mit dem Spitznamen Frettchen, das bei ihm Unterschlupf sucht und zum Dank für die Pferde sorgt, und Mucken-Michi, der die Damen auf der Campingliege beglückt. Erotik im Altersheim wird ja gern unterschätzt.

Im Roman geht es zu wie in einem deutschen Kleinwagen: Es wird kräftig auf alle anderen gepöbelt und geschimpft. Wer das weder im echten Leben noch in Büchern mag, wäre hier an der falschen Adresse. Wer sich sagt, es sei eben den Menschen aufs Maul geschaut, wird seinen Spaß haben an diesem turbulenten, spannenden, heiteren Kriminalroman. Happy End inklusive.

Tod in Weimar

von
Seitenzahl:
288 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
Knaus Verlag
Bestellnummer:
978-3-8135-0663-1
Preis:
19,99 €

Dieses Thema im Programm:

Neue Bücher | 01.09.2015 | 12:40 Uhr