Stand: 16.06.2015 11:10 Uhr

Trauer um Harry Rowohlt

Der Hamburger Schriftsteller Harry Rowohlt ist tot. Er starb nach langer Krankheit am 15. Juni im Alter von 70 Jahren. Rowohlt gehörte zu den bekanntesten Stimmen der deutschen Literatur. "Ich habe bisher 151 Bücher übersetzt und ich weiß nicht wie viele geschrieben", sagte er aus Anlass seines 70. Geburtstages im März.

Auf der Bühne drehte er auf

Dazu kommen zahlreiche Hörbücher. Seine Stimme wird vielen in Erinnerung blieben. Aber man muss ihn live erlebt haben: Harry Rowohlt drehte erst auf der Bühne richtig auf. Seit Ende der 80er-Jahre, seinem ersten öffentlichen Auftritt in Aachen, eilte ihm ein sagenhafter Ruf voraus. "Da war ich so gerührt und bestürzt, dass da richtig echte Menschen hingegangen sind, die Eintritt bezahlt haben, dass ich einfach nicht mehr aufgehört habe, zu lesen", erinnerte er sich.

Stimme der Literatur und Serien-Darsteller

Ausstieg aus dem Rowohlt-Verlag

Ursprünglich sollte und wollte Rowohlt Verleger werden und in das von seinem Vater Ernst Rowohlt gegründete Unternehmen einsteigen. Doch das anfängliche Interesse für den Verlag verwandelte sich schnell in eine Bürde: "Ich war da Volontär, aber ich hatte den großen Fehler begangen, vorher Lehrling beim Suhrkamp-Insel-Verlag gewesen zu sein. Und dadurch war ich dann für den Rowohlt-Verlag leider verdorben", erzählte er. Sein Stiefbruder Heinrich Maria Ledig-Rowohlt leitete damals den Verlag. Harry sollte nie mehr dorthin zurückkehren und verkaufte 1983 seine Anteile an die Holtzbrinck-Gruppe.

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Berühmt machte ihn das Fernsehen

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In der ARD-Serie "Lindenstraße" spielte Harry Rowohlt einen Obdachlosen - auf eigenen Wunsch.

Seine erste professionelle Übersetzung war ein Kinderbuch: "Die grüne Wolke", geschrieben von A.S.Neill, dem Vater der antiautoritären Erziehung. Harry Rowohlt hatte es in einer New Yorker Buchhandlung entdeckt. "Und da habe ich meinem Bruder geschrieben, ob es ihm wohl entgangen sein sollte, dass von Neill nicht nur Bücher über Gören sondern auch eines für Gören erschienen ist. Und da schrieb er mir zurück, es sei nur leider unübersetzbar, weil amerikanischer 40er-Jahre-Gangsterslang drin vorkommt. Und da habe ich angefragt, ob ich das wohl mal dürfe", sagte er.

Berühmt gemacht aber hatte ihn erst das Fernsehen. 1995 bot man ihm eine Rolle in der ARD-Serie "Lindenstraße" an: "Und da habe ich gesagt, in dem Fall bitte einen Penner, weil das die einzige Randgruppe ist, die bisher in der 'Lindenstraße' etwas stiefmütterlich behandelt wurde. Und außerdem brauche ich dafür nicht viel Maske."

Seit 2007 litt er an der unheilbaren Nervenkrankheit Polyneuropathie. Nun ist er im Alter von 70 Jahren gestorben.

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Hamburg trauert um Harry Rowohlt

16.06.2015 19:30 Uhr
Hamburg Journal

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