Stand: 27.12.2016 16:48 Uhr

Sachbücher des Monats Januar 2017

von Andreas Wang

"Der Schlüssel zu einer guten Rede lautet", so Peter Ustinovs geflügeltes Wort: "Man braucht einen genialen Anfang, einen genialen Schluss und möglichst wenig dazwischen." Politikern ist dieses Rezept nicht immer gegeben, wie wir wissen - allzu oft langeweilen sie uns mit ihren Reden. Und dies, weil die politische Rhetorik, wie uns Uwe Pörksen zeigt, oftmals zur bloßen Inszenierung zu verkommen droht. Politiker auf den Medienbühnen formulieren demnach möglichst unangreifbar, geben sich kompetent, innovativ und durchsetzungsstark. Dabei ist politische Rhetorik heute vor allem antrainierte, vorsichtig berechnende, demoskopisch orientierte Routine. Pörksen hat sich oftmals mit der Sprache der Politiker beschäftigt und hier noch einmal seine Aufsätze zum Thema zusammengestellt. Der Band bietet einen nachdenklich stimmenden Blick auf den Verlust rhetorischer Kunstfertigkeit bei Politikern und in der öffentlichen Rede.

Übersicht: Die besten Sachbücher

"Der größte Mann seit der Sintflut"

Eine gewisse Zeit hat es ja gedauert, bis das Buch von Andrea Wulf über Alexander von Humboldt auf unsere Liste gekommen ist. Im NDR Programm ist es schon längst vorgestellt worden. Aber unsere Jury hatte, das muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, sehr viele Bücher zu bewerten, die sich mit den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen beschäftigen. Allerdings: Wulfs Kombination zum Leben des Naturforschers und Weltreisenden Alexander von Humboldt aus Recherche, Lektüre und nacherlebender Anschauung hat auch erstaunlich viele aktuelle Bezüge aufgezeigt, die sich vor allem als Inspiration für den Naturschutz heute und einen friedvollen Umgang mit der Natur finden lassen. Zu seiner Zeit war Alexander von Humboldt in weiten Teilen der Welt eine unglaublich prominente Figur: Napoleon war eifersüchtig auf ihn, Charles Darwin sagte, dass er seine Forschungsreisen ohne Humboldt nie gemacht hätte, der damalige US-Präsident Thomas Jefferson nannte ihn eine der größten Zierden der Welt. Goethe sagte, dass man in einer Stunde mehr von ihm lernen könne, als wenn man acht Tage lang Bücher lese. Und König Wilhelm von Preußen nannte Alexander von Humboldt "den größten Mann seit der Sintflut". Warum dieser Mann so nachhaltig gewirkt hat - und gleichwohl so nachhaltig vergessen wurde in seinem Heimatland - beschreibt Andrea Wulf voller Leidenschaft.

Die Jury

René Aguigah (Deutschlandradio), Dr. Jens Bisky ("Süddeutsche Zeitung"), Prof. Dr. Rainer Blasius ("Frankfurter Allgemeine Zeitung"), Dr. Eike Gebhardt, Daniel Haufler ("Berliner Zeitung"), Dr. Otto Kallscheuer, Petra Kammann ("inrheinkultur"), Elisabeth Kiderlen, Jörg-Dieter Kogel (Radio Bremen), Prof. Dr. Ludger Lütkehaus, Prof. Dr. Herfried Münkler, (Humboldt Universität zu Berlin), Dr. Jutta Person ("Philosophie Magazin"), Wolfgang Ritschl (ORF Wien), Florian Rötzer (Telepolis), Dr. Johannes Saltzwedel ("Der Spiegel"), Sabine Sasse, Albert von Schirnding, Dr. Frank Schubert ("Spektrum der Wissenschaft"), Dr. Jacques Schuster ("Die Welt"), Norbert Seitz (Deutschlandfunk Köln), Hilal Sezgin, Dr. Elisabeth von Thadden ("Die Zeit"), Dr. Andreas Wang (NDR Kultur), Dr. Uwe Justus Wenzel ("Neue Zürcher Zeitung"), Stefan Zweifel (Schweizer Kritiker)

"Die Metamorphose der Welt"

Um uns die Augen zu öffnen, braucht es nicht immer umfangreiche Erklärungen; oft reicht ein einziges Wort zur Erkenntnis. "Risikogesellschaft" war einst ein solches Wort. Erfinder war der Soziologe Ulrich Beck, und er wies uns damit auf die unsichtbaren aber mächtigen Nebenfolgen der Industriegesellschaft hin. Nun öffnet uns Beck, der überraschend vor genau zwei Jahren gestorben ist, quasi als Testament, erneut die Augen mit einem Schlagwort: "Die Metamorphose der Welt". Ulrich Beck, übrigens seinerzeit auch wiederholt Autor der NDR Sendereihe Gedanken zur Zeit, beschreibt eine allumfassende Verwandlung der Welt, die uns orientierungslos werden lässt. Und er konstatiert: "Ganz egal, woran man glaubt und was man ist - Nationalist, religiöser Fundamentalist, Feministin, Vertreter des Patriarchats, (Anti-)Europäer, (Anti-)Kosmopolit oder alles zusammen -, wer nur national oder regional agiert, wird den Anschluss verlieren." Wir befinden uns hiernach im "Zeitalter der Nebenfolge" - der Klimaveränderung, der Genforschung, der Globalisierung etc. -, und das heißt: der nicht bedachten, unsichtbaren und unvorhergesehenen Begleit- und Nebenerscheinungen der Moderne. "Das Zusammenfallen, die Koexistenz von Nichtwissen und globalen Risiken prägt die existentiellen Entscheidungssituationen nicht nur in Wissenschaft und Politik, sondern auch im Alltag." Große Aufgaben für das neue Jahr und wohl weit darüber hinaus.

Sachbücher des Monats: Rückblick

Die Sachbücher des Monats

NDR Kultur

Zusammen mit der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlicht NDR Kultur die Sachbuchliste des Monats. Hier finden Sie die Sachbücher der vergangenen Monate. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 06.01.2017 | 17:40 Uhr

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Autorin Idikó von Kürthy

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