Stand: 19.06.2017 17:24 Uhr

Wie Harry sich in die Bestsellerlisten zauberte

von Katharina Mahrenholtz

Am 26. Juni vor 20 Jahren erschien "Harry Potter und der Stein der Weisen" in England. Das Buch war damals nur eins von vielen Kinderbüchern. Fantasy war ein Genre, das eher belächelt wurde. Der "Harry-Hype" ging erst später los. Begonnen hat seine Geschichte aber eigentlich schon 1990. In der BBC-Dokumentation "Harry Potter and Me" von 2001 erzählt Autorin Joanne K. Rowling ihre unglaubliche Geschichte.

"Ich konnte Harry ganz deutlich sehen"

"Ich saß im Zug nach London und die Idee kam aus dem Nichts", berichtet Joanne K. Rowling im Film, "Ich konnte Harry ganz deutlich sehen, diesen dürren kleinen Jungen ... Ich war richtig aufgeregt wegen dieser Idee und suchte nach einem Stift. Aber ich hatte noch nicht mal einen Eyeliner dabei, also habe ich einfach nachgedacht. Vier Stunden lang, und die Ideen sprudelten durch meinen Kopf." 

1990 war das. Fünf Jahre lang hat Joanne K. Rowling dann ihre Ideen gesammelt, in Notizbüchern, auf Zetteln, sogar auf Behördenanträgen. Sie hat Zeichnungen der Protagonisten gemacht und zig Listen erstellt, zum Beispiel von allen Mitschülern von Harry. Schon damals wusste sie, dass vieles davon niemals den Weg in das Buch finden würde: "Es sind so Sachen, die ich wissen musste. Ich mag gern Bücher, bei denen ich das Gefühl habe, der Autor weiß alles - auch wenn er nicht alles erzählt", erklärt Rowling.

Tatsächlich macht genau das den Charme der Bücher aus und sorgt dafür, dass auch nach 20 Jahren noch Fans darüber diskutieren, ob Dumbledore möglicherweise homosexuell und Snape ein Vampir war.

Spieler im Gras

Schnatz und Besen: Harry Potter wird 20

Kulturjournal -

Menschen jagen einem Ball hinterher. Okay. Aber es gibt welche, die haben dabei einen Stock zwischen den Beinen. Klingt verrückt, ist aber Kulturgeschichte - dank Harry Potter.

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Warum sie im Café schrieb

Während sie über Harry Potters Schicksal nachdenkt, hangelt sich Rowling von Job zu Job. Sie arbeitet als Englischlehrerin in Portugal, wird schwanger, zieht nach Edinburgh, bekommt ihre Tochter Jessica - und will dieses Buch schreiben.

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Die britische Schriftstellerin Joanne K. Rowling hat auch unter dem Pseudonym Robert Galbraith Bücher geschrieben.

Die optimale Situation für die Medien, um ein rührendes Sozialmärchen drumherum zu stricken. Sie habe auf Servietten geschrieben - stimmt nicht - und musste im Café schreiben, weil ihre Wohnung keine Heizung hatte. Quatsch, sagt sie: "Ich habe nicht in Cafés geschrieben, um meiner ungeheizten Wohnung zu entkommen. Ich war nicht so blöd, eine ungeheizte Wohnung zu mieten. In Edinburgh. Im Winter. Ich habe in Cafés geschrieben, weil Jessica immer im Kinderwagen eingeschlafen ist."

Neben dem schlafenden Kind kann sie ihre riesige Ideensammlung zu einem Buch verdichten. Und ist sicher: "If it's got published I thought it's a book for obsessives." - Nur was für Freaks? Tatsächlich lehnen viele Verlage das Manuskript ab. Fantasy? Sieben Bände? Auch Barry Cunningham, bei Bloomsbury für Kinderbücher zuständig, ist zunächst skeptisch. Aber auch fasziniert: "Normalerweise wachsen Kinderbuchhelden in Echtzeit auf. Sie sind in ihrer Zeit gefangen und erleben endlose Abenteuer", erinnert er sich.

Absatz zu Beginn schleppend

Bloomsbury kauft das Skript und veröffentlicht das Buch 1997 in einer Startauflage von 500 Exemplaren. Für Rowling wird ein Traum wahr. Cunningham rät ihr, sich auf jeden Fall einen "richtigen" Job zu suchen, weil man von Kinderbüchern nicht leben könne. Tatsächlich läuft der Verkauf erst etwas schleppend - bis nach dem zweiten Band ein amerikanischer Verlag aufmerksam wird, die Rechte für etwa 100.000 Dollar kauft und Harry Potter seinen Siegeszug um die Welt antritt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 25.06.2017 | 21:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/buch/Harry-Potter-wie-alles-begann,harrypotter380.html

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