Stand: 21.04.2017 10:55 Uhr

Booktuber: Drei Schmetterlinge für Walser?

von Katharina Mahrenholtz, NDR Info
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Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses, gibt auch Buchbloggern ein Forum.

Wenn Booktuberinnen ihre Lieblingsbücher präsentieren, geht es fröhlich zu - und sehr emotional. "Das sind Lesefanatiker - im guten Sinne", sagt Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses: "Sie wollen leidenschaftlich lesen und andere daran Anteil nehmen lassen, indem sie Kommentare zulassen, indem sie Menschen ins Gespräch bringen über Bücher. Und es ist vor allem ein Empfehlungsforum."

Mit Literaturkritik, so Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses, habe das nicht unbedingt etwas zu tun. Da kann Ute Nöth, die beim Carlsen Verlag für Blogger, Booktuber & Co zuständig ist nur zustimmen."Blogger geben ihr Urteil sehr persönlich und geben ihr Urteil auch in Sternen oder Schmetterlingen ab - sehr eindeutig jedenfalls. Das schätzen die Leser: eine klare Einordnung, die man in klassischer Literaturkritik so nicht hat."

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Blogger als Marktmacht?

Tatsächlich kann man den neuen Walser schlecht mit drei von fünf Schmetterlingen bewerten, zeitgenössische Belletristik spielt bei den "Social Influencern" - so der offizielle Oberbegriff - eine untergeordnete Rolle. Die Community besteht zu mehr als 90 Prozent aus jungen Frauen, die vor allem Fantasy und Liebesromane lesen - und empfehlen.

Daher sind es vor allem Jugendbuchverlage, die die Marktmacht der Blogger erkannt haben - und sie inzwischen auch umwerben: "Die machen das in ihrer Freizeit, stecken wahnsinnig viel Arbeit rein. Insofern ist unsere Devise: Wir honorieren unsere Blogger mit Anerkennung und Wertschätzung. Und wir versuchen, ihnen die Arbeit leicht zu machen, indem wir ihnen Anlässe bieten, über die sie berichten können, indem wir nett verpackte Überraschungspost zuschicken, indem wir zu Bloggerempfängen einladen. Ganz anderer Umgang als mit Journalisten, die sich größere Unabhängigkeit und kritische Distanz wünschen."

Ein Post allein genügt nicht

Mit etwa 200 Bloggern arbeitet Carlsen regelmäßig zusammen - wobei der Verlag darauf setzt, möglichst viele Kontaktpunkte im Netz zu setzen, also dafür zu sorgen, dass das Buch immer wieder auftaucht: "Wir haben nicht so die Stars im Buchbloggeruniversum, dass ich weiß, wenn der es postet, schnellt es auf die Bestsellerliste. Es funktioniert anders: Man muss mehrere Buchblogger dazu bringen, das zu machen. Und je häufiger einem das dann im Netz begegnet, kann sich schon ein Trend daraus entwickeln". sagt Ute Nöth.

Selbst wenn sich die Szene vor allem im jungen "Romantasy"-Genre tummelt - auch die anspruchsvollen Verlage setzen auf Blogger. So findet im Hamburger Literaturhaus im Mai das Finale des Blogbuster-Wettbewerbs statt: 15 Literaturblogger sollten Talente entdecken. Der Gewinner bekommt einen Verlagsvertrag. Die "Social Influencer" helfen den Verlagen also auf vielfältige Weise - aber sie ersetzen nicht die Literaturkritik. 

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