Stand: 15.07.2015 08:53 Uhr

Ein Kreuzfahrtschiff als Krimi-Schauplatz

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Die Autorin Merle Kröger ist 47 Jahre alt und lebt in Berlin. Ihr neuer Krimi "Havarie" spielt auf einem Kreuzfahrtschiff.

Merle Kröger hat gleich zwei Jobs: Die Wahlberlinerin ist Schriftstellerin und Filmemacherin. Ihr Kinofilm "Revision" wurde international ausgezeichnet. Und das ist längst noch nicht alles: Die Literatin gewann 2013 den Stuttgarter Krimipreis und den Deutschen Krimipreis. Merle Krögers aktueller Kriminalroman "Havarie" steht wieder einmal an Nummer eins der zehn besten Krimis des Monats der renommierten "KrimiZEIT"-Bestenliste. Im Interview erzählt sie über das Buch.

Ihr aktuelles Buch "Havarie" spielt auf einer Kreuzfahrt im Mittelmeer. Haben Sie schon einmal so einen Törn mitgemacht?

Merle Kröger: Ja, natürlich. Ich war sehr neugierig darauf, ich mag so künstliche Welten wie Disneyland oder Kreuzfahrtschiffe. Ich finde das interessant, weil das so ein Mikrokosmos ist. Dann war ich überrascht, wie schnell sich das System eines Kreuzfahrtschiffes entfaltet und wie wenig dann darauf passiert. Viel Glitter, wenig, was mich nachhaltig interessiert.

Was hat Sie denn dann an dem Thema gereizt?

Kröger: Das Bild, das auch in "Havarie" vorkommt: nämlich die Begegnung auf dem Meer zwischen einem Kreuzfahrtschiff und einem Flüchtlingsboot.

Altes Hadag Schiff im Hamburger Hafen. Typisches Hamburger Schmuddelwetter mit tief fliegenden Möwen. Im Vordergrund eine unscharfe, männliche Silhouette mit einem Fadenkreuz davor. © Hamburg: Gitte Alpen, NDR Bildredaktion, Silhouette: © Foerschtli - Fotolia.com Fotograf: Hamburg: Alpen, Silhouette: © Foerschtli

Havarie mit vier Schiffen

NDR 90,3 -

Merle Krögers Polit-Thriller "Havarie" spielt auf hoher See. Die Wege von vier Schiffen kreuzen sich - unter anderem der eines Flüchtlingsbootes und eines Kreuzfahrtschiffes.

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Der Kreuzfahrt-Boom hält an. Im Krimi-Bereich haben die Autoren das Thema Kreuzfahrt auch schon mehrfach entdeckt.

Kröger: So ein Kreuzfahrtschiff ist ja ein Kosmos, das ist immer interessant für einen Autoren. Die ganze Welt spiegelt sich dort, da sind Tausende von Leuten auf einem Fleck und können nicht raus - ein vielfältiges Thema.

Es scheint in Ihrem Krimi keinen so richtigen Bösewicht zu geben. Oder habe ich was übersehen?

Kröger: (lacht) Also, wenn wir über Gewalt sprechen, geht es in meinem Buch um strukturelle Gewalt. Die ist ganz schön böse.

Beschreiben Sie doch mal Ihren Schreibstil ...

Kröger: Ich habe versucht für "Havarie" eine verknappte Form von Sprache zu finden, eine sehr treibende. Das wollte mit einem großen Druck raus. Es war nicht ein Buch von epischer Breite oder über die Figuren, sondern der Stil ist sehr drängend.

Sie sind ja nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Drehbuch-Autorin. "Havarie" soll jetzt verfilmt werden. Wie ähnlich ist der Film dem Buch?

Kröger: Film und Buch haben eigentlich nichts miteinander zu tun - außer, dass sie auf der Recherche beruhen. Der Film ist ein Dokumentarfilm, ein Essay, eine sehr verlangsamte Auseinandersetzung mit dem, was derzeit im Mittelmeer passiert. Das Buch ist reine Fiktion.

Das Interview führte Gerd Kuka, NDR 90,3 Abendjournal.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 15.07.2015 | 19:00 Uhr