Überblick
Gedenkstein an die Ofer des Holocaust auf dem Jüdischen Friedhof in Rostock. © dpa Fotograf: Bernd Wüstneck
 

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit ermordet. mehr

Gedenkstätten im Norden
Das Außengelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
 

Die KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme

Ein Mahnmal und mehrere Ausstellungen erinnern an die Opfer. mehr


Bergen-Belsen: Erinnerung und Mahnung

Eine Gedenkstätte erinnert an die Opfer des Konzentrationslagers. mehr


Stätte des Erinnerns in Ladelund

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KZ Neuengamme: Briten finden leeres Lager

von Christian Mangels, NDR.de

Luftaufnahme des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme.  Detailansicht des Bildes Das Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme ist heute eine Gedenkstätte. 19. April 1945: Die SS beginnt mit der Räumung des Konzentrationslagers Neuengamme. Tausende Häftlinge werden in Güterzügen nach Lübeck transportiert. Von dort schafft man sie auf die vor Neustadt auf Reede liegenden Schiffe "Cap Arcona", "Thielbek", "Athen" und "Deutschland". Rund 4.200 Häftlinge aus dem sogenannten Skandinavierblock werden innerhalb von drei Tagen mit den "Weißen Bussen" nach Dänemark und Schweden gebracht.

Am 20. April werden am Bullenhuser Damm 20 jüdische Kinder ermordet. Die ehemalige Schule in der Straße war eine Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme, auch hier sollen alle Zeugnisse der Verbrechen vernichtet werden. Die Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren, an denen man grauenhafte medizinische Versuche durchgeführt hatte, werden im Keller erhängt.

Die Spuren werden verwischt

Das Passagierschiff "Cap Arcona" bei einer Probefahrt 1927. © picture-alliance Fotograf: akg-images Detailansicht des Bildes Tausende KZ-Häftlinge starben beim Bombardement des Passagierschiffs "Cap Arcona". Bei der Auflösung des Lagers muss ein in Neuengamme verbliebenes Restkommando auf Befehl der SS die Spuren der Verbrechen verwischen: Die Baracken von Stroh und Unrat reinigen, teilweise sogar frisch kalken und verräterische Gegenstände wie Prügelbock und Galgen, aber auch alle Kommandanturakten beseitigen. Die letzten Häftlinge und SS-Leute verlassen das Lager am 1. Mai 1945.

Die Sorge, dass die heranrückenden britischen Truppen zu viel über das Lager und die Brutalität der Bewacher erfahren könnten, ist bestimmend für die Evakuierungsaktionen in den letzten Tagen des NS-Regimes. Denn am 15. April hatten britische Truppen das Lager Bergen-Belsen befreit und dort Tausende Opfer vorgefunden. Zudem hätte das SS-Wachkommando von Neuengamme ein Hindernis bei der kampflosen Übergabe Hamburgs sein können.

Für die Häftlinge kommt es am 3. Mai 1945 zur Katastrophe: Britische Flugzeuge versenken versehentlich die "Cap Arcona". Mehr als 7.000 Häftlinge sterben - genau an jenem Tag, an dem die Briten Hamburg besetzen.

Als die britischen Soldaten am 4. Mai das KZ-Gelände betreten, finden sie ein riesiges Lager mit Baracken vor. Was sich dort zugetragen hat, offenbart der Ort jedoch nicht. Das Kalkül der SS ist aufgegangen.

Die Geschichte des Konzentrationslagers

Loren und Klinkerwerk auf dem Gelände des KZ Neuengamme (1944). © dpa Fotograf: Kz-Gedenkstätte_Neuengamme Detailansicht des Bildes Im Klinkerwerk mussten KZ-Häftlinge Schwerstarbeit leisten. Ende 1938 wird das Lager errichtet. Wirtschaftliches Profitdenken spielt dabei eine wichtige Rolle: Der Gründung liegt ein Vertrag zwischen SS und der Stadt Hamburg zugrunde. Die Stadt stellt das Areal und einen Millionenkredit für den Aufbau zur Verfügung und erhält im Gegenzug günstig Klinkersteine für die beabsichtigte Neugestaltung Hamburgs mit monumentalen "Führerbauten" am Elbufer.

Insgesamt 106.000 Häftlinge aus vielen Ländern Europas müssen in Neuengamme Sklavenarbeit leisten: Schwerstarbeit bei der Klinkerproduktion, bei der Regulierung der Dove-Elbe (die Klinker sollen auf dem Wasserweg nach Hamburg gebracht werden), in der Rüstungsindustrie (seit 1942 siedeln sich immer mehr Rüstungsbetriebe in unmittelbarer Nähe des Lagers an) und bei der Trümmerräumung. Zum Stammlager Neuengamme zählen bis 1945 mehr als 80 Außenlager überall in Nordwestdeutschland - zumeist bei privaten Rüstungsbetrieben. Etwa 50.000 Neuengamme-Häftlinge starben an Unterernährung, Entkräftung und durch die Brutalität und Willkür der SS. Vernichtung durch Arbeit - das ist hier das Prinzip der SS.

"Ein Anblick, den ich nie vergessen werde"

"Ich habe die Leichenberge gesehen, nackte Kadaver, einer auf den anderen gestapelt. So lang wie ein Block, wie ein Gebäude. Sie haben den Blick auf mich gerichtet, die Augen groß geöffnet, den Mund groß geöffnet, ein Anblick, den ich nie vergessen werde." Raymond Gourlin, Schriftsetzer aus Frankreich, der als junger Mann im KZ Neuengamme inhaftiert war, in der NDR Dokumentation "Geraubte Leben: Europa im KZ Neuengamme".

Der schwierige Weg zur Gedenkstätte

Stacheldraht geschützte Betonmauer und Wachturm der JVA Hamburg-Neuengamme. © ZB - Special Fotograf: Soeren Stache Detailansicht des Bildes Nach dem Krieg diente das Gelände für Jahrzehnte als Justizvollzugsanstalt. Nach Kriegsende internieren die Briten NS-Funktionsträger in dem intakt vorgefundenen Lager. Ab 1948 nutzt die Hamburger Justizbehörde die Gebäude des ehemaligen KZ als Gefängnis. Für die Überlebenden ist der Lagerbereich nicht mehr zugänglich. In Justizkreisen heißt es damals: "Das Schandmal der Vergangenheit möge ausgelöscht werden" - Menschlichkeit eines modernen Strafvollzugs als Vergangenheitsbewältigung.

Als Anfang 1951 ehemalige französische Häftlinge beim Senat um Zutritt zum Bereich des KZ-Krematoriums bitten, lehnt Hamburgs Erster Bürgermeister Max Brauer ab, weil die "Schaffung einer Wallfahrtsstätte" den Gefängnisbetrieb beeinträchtigen würde. Er fordert die Überlebenden vielmehr dazu auf, nicht mehr "an alten Wunden" zu rühren, vielmehr "die furchtbaren Entsetzlichkeiten der vergangenen Epoche [...] allmählich aus der lebendigen Erinnerung auszulöschen". Erst auf internationalen Druck wird am 18. Oktober 1953 eine schlichte Muschelkalk-Säule errichtet - jedoch ohne einen direkten Hinweis auf die KZ-Vergangenheit. Es dauert bis November 1965, der 20. Jahrestag des Kriegsendes ist längst verstrichen, bis ein würdigeres Ehrenmal am Rande des Geländes eingeweiht werden kann.

Hamburg damals
Wachturm und Mauer in der KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme. © dpa Fotograf: Maurizio Gambarini
 
Video

Neuengamme gestern und heute

NDR Fernsehen: Hamburg Journal

Es hat viele Jahre gedauert, bis im ehemaligen KZ Neuengamme eine Gedenkstätte eingerichtet wurde. Fotos dokumentieren, wie das Gelände vor dem Umbau aussah.

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1970 nimmt die Stadt eine zweite Justizvollzugsanstalt auf dem Areal der einstigen Tongruben des KZ in Betrieb. Sie war in den Jahren zuvor errichtet worden, ohne die Häftlingsvertreter darüber zu informieren. Weiterhin gibt es vor Ort keinerlei Informationsmöglichkeiten über das KZ. Erst 1981 wird in unmittelbarer Nähe des Mahnmals ein kleines Dokumentenhaus eingeweiht.

Den Forderungen der Überlebenden nach einem Ende des Strafvollzugs auf dem historischen Lagergelände und nach einer würdigen Gestaltung als Gedenkstätte entsprechend, beschließt die Hamburger Bürgerschaft im September 2001 einstimmig die Verlegung des 1948 eingerichteten Gefängnisses. Doch im Oktober 2001 kommt es erneut zu Irritationen. Der neu gewählte Hamburger Senat stoppt die geplante Verlegung. Erst internationale Proteste und die Überlebenden selbst können Bürgermeister Ole von Beust (CDU) davon überzeugen, an den ursprünglichen Plänen festzuhalten.

Besucher in der neu gestalteten KZ-Gedenkstätte Neuengamme zwischen Fundamenten der ehemaligen Häftlingsbaracken, die mit Steinaufschüttungen nachgezeichnet sind. (Bild: dpa)  Fotograf: Ulrich Perrey Detailansicht des Bildes Seit 2005 gibt es in Neuengamme ein Ausstellungs-, Begegnungs- und Studienzentrum. Die Verlegung des Gefängnisses erfolgt schließlich im Juni 2003. Am 4. Mai 2005 wird die neu gestaltete Gedenkstätte des KZ Neuengamme feierlich eingeweiht als Ort der Erinnerung und des Lernens. Im Februar 2006 schließt das zweite Gefängnis und wird im Mai 2007 Teil der Gedenkstätte.

Weitere Informationen
Das Außengelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
 

Die KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme

Das Konzentrationslager Neuengamme war mit mehr als 100.000 Häftlingen das größte seiner Art im Nordwesten. Heute erinnert eine Gedenkstätte an die Leiden der Inhaftierten. mehr

 

Zweiter Weltkrieg
Der Luxusliner "Cap Arcona" liegt in einem Hafen vor Anker. © picture alliance/akg-images
 

Der Untergang der "Cap Arcona"

Die Briten versenken das Schiff am 3. Mai 1945 - an Bord sind evakuierte KZ-Häftlinge. mehr


Die Rettung mit den "Weißen Bussen"

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Weitere Informationen
Holocaust-Überlebende Steffi Wittenberg zeigt Fotos aus ihrem Leben.  Fotograf: Elena Kuch
 

Eine jüdische Kindheit unterm Hakenkreuz

Steffi Wittenberg ist in der Nazi-Zeit in Hamburg aufgewachsen. Heute erzählt sie Schülern davon. mehr

Links

Die Gedenkstätte informiert über die Geschichte des Lagers sowie über Forschungsergebnisse und Ausstellungen.

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Sammel- oder Arbeitslager, planmäßige Vernichtung, Häftlingsgruppen und Lagerhierarchien: das Deutsche Historische Museum informiert.

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Internetportal zum Thema Antisemitismus, Holocaust und Drittes Reich.

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