Stand: 09.09.2015 14:00 Uhr

Vorstand zurückgetreten: Stasi-Skandal beim DJV Sachsen-Anhalt

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Uwe Gajowski vom DJV in Sachsen-Anhalt. (Archivbild)

Die Stasi-Vorwürfe beim Deutschen Journalisten Verband (DJV) Sachsen-Anhalt scheinen bestätigt: Der gesamte Vorstand trat Dienstag geschlossen zurück. Dazu sagte der DJV-Vorsitzende Sachsen-Anhalt, Uwe Gajowski: "Mein Bestreben ist es, dass wir generell neue Vorstandswahlen anstreben, das heißt, dass also auch die anderen Vorstandsmitglieder zurücktreten, wir innerhalb der nächsten vier Wochen einen Sonderverbandstag einberufen und unsere Mitglieder neu wählen lassen." Damit zieht der Landesverband Konsequenzen aus Anschuldigungen gegen einzelne Vorstandsmitglieder.

Nach Recherchen der "Bild" hatten sie ihre Vergangenheit beim Ministerium für Staatssicherhiet der DDR (MfS) nie transparent gemacht. Ein Skandal im Deutschen Journalisten Verband, zu dessen Aufgaben die Verteidigung der Pressefreiheit gehört. In seiner Pressemitteilung begründet der DJV seine Entscheidung als "einzig richtige Entscheidung im Sinne der Glaubwürdigkeit" und im Sinne eines kritischen, unabhängigen und transparenten Journalismus.

"Bild"-Recherche belastet Vize-Chef des DJV

Das Dokument, das den Vize-Chef des DJV Sachsen-Anhalt belastet.

Nach Recherchen des "Bild"-Journalisten Hans-Wilhelm Saure arbeitete Klaus-Peter Voigt, bis gestern Vize-Chef des DJV Sachsen-Anhalt, in den 70er Jahren als hauptamtlicher Mitarbeiter beim MfS. Ein Dokument der Kreisdirektion Halberstadt aus dem Jahr 1982 belegt seine Zusammenarbeit, die das Ziel hatte, "operativ-bedeutsame Informationen aus dem Bereich der evangelischen Kirche" an die damalige DDR-Überwachungsbehörde weiterzuleiten.

DJV-Beirat Jörg Bönisch arbeitete dem MfS als inoffizieller Mitarbeiter "Andy" zu. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem DJV Bundesverband war er vor Kurzem bereits zurückgetreten. Nur der ehemalige Schatzmeister des DJV in Sachsen-Anhalt, Wolfgang Salzburg, der unter dem Decknamen "Rainer Schütze" für die Stasi schnüffelte, hatte dies bereits Anfang der 90er transparent gemacht.

Gajowski fordert, auch Journalisten sollen sich überprüfen lassen

Vor zwei Jahren, im März 2013, war der Antrag eines DJV-Mitgliedes abgelehnt worden, die Stasi-Vergangenheit zu überprüfen. Auf die Frage, wie er das jetzt sehe, antwortete Gajowski: "Ich habe kein Problem mit einer Überprüfung, würde mich aber freuen, wenn sich Journalisten, die sich mit dem Thema beschäftigen, auch überprüfen lassen."

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ZAPP | 09.09.2015 | 23:20 Uhr