Stand: 25.01.2016 17:00 Uhr

Überall will Journalisten besser schützen

von André Kroll
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"Digital verlängerter Stammtisch - das ist nicht unsere Aufgabe. Unser Kerngeschäft muss Journalismus bleiben", so DJV-Präsident Frank Überall im Gespräch mit ZAPP.

Der neue Präsident vom Deutschen Journalistenverband (DJV), Frank Überall, hat die ZAPP-Redaktion besucht und sich und seine Pläne vorgestellt. Gesprochen haben wir mit ihm über die Themen öffentlich-rechtliche Rundfunkfinanzierung, Bezahlung freier Mitarbeiter und die Schwierigkeiten bei der Berichterstattung von Journalisten auf Demos.

Schutz der Journalisten bei Demos ein Schwerpunkt

Gleich zu Beginn stellte Überall klar, dass ihm besonders der Schutz der Journalisten bei der Ausübung ihrer Aufgabe am Herzen liegt. Anfeindungen und Handgreiflichkeiten von Demonstrationsteilnehmern gegenüber den Pressevertretern haben zugenommen, das habe er zuletzt beim Besuch einer Demo in Köln am eigenen Leib erfahren. Flaschen zersplitterten am Boden, er bekam einen Stein gegen den Knöchel ab - zwar habe er keine schweren Blessuren davongetragen, kann aber verstehen, wenn Kollegen immer weniger Lust haben, sich den Anfeindungen und Angriffen aussetzen. Da müsse man gegensteuern, und das will er auch.

Aufgabe der Anonymität bei Strafanzeigen ein Problem

Um die Journalisten besser zu schützen, will er bei Vertretern der Polizei und Staatsanwaltschaften das Bewusstsein schärfen, dass solche Übergriffe zu unterbinden sind und - falls sie beobachtet werden - verfolgt werden müssen. Die Dunkelziffer dürfte bei solchen Übergriffen viel höher sein als die Angaben in der Polizeistatistik. Warum? Viele Betroffene würden die Geschehnisse nicht zur Anzeige bringen, da bei Verhandlungen auch ihre Personalien öffentlich würden - und sie somit oft zur Zielscheibe. Ein schwer aufzulösendes Problem. Um Journalisten eine Plattform zu bieten, wo sie über erlebte Übergriffe berichten können, hat der DJV das Blog Augenzeugen.info gestartet.

"System der Hospitanten, Praktikanten, Dilettanten"

Wenn Gelder eingespart werden müssen, herrscht bei Medienhäusern wenig Kreativität, meist geht es zulasten der Belegschaft. Frank Überall sieht ein "System der Hospitanten, Praktikanten, Dilettanten", das vor allem in der Regionalberichterstattung überhand nimmt. Auch aus User-Generated-Content erstellte Beiträge sieht er kritisch: "Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen." Gute Arbeit kostet Geld, ob in öffentlich-rechtlich oder privatwirtschaftlich organisierten Medien. Und wer nun eine Reduzierung der Rundfunkbeiträge fordert, der muss ehrlicherweise auch sagen, auf was er verzichten will, denn ohne Programmkürzungen werde das auf Dauer nicht gehen.

Hoch motiviert, den Journalismus voranzutreiben

Die Branche schrumpft, und somit auch die Mitgliederzahlen beim DJV. Von den einst 44.000 Mitgliedern sind nun rund 35.000 übrig - die Häfte davon sind Freie. Von den absoluten Zahlen her betrachtet keine tolle Entwicklung, trotzdem eine besondere Leistung: Freie seien schwerer als Festangestellte von der Notwendigkeit einer Interessensvertretung zu überzeugen, doch sie bringe was, so Überall, der selbst als freier Journalist tätig ist und deren Nöte kennt. Inzwischen sieht er vermehrt jüngere Menschen Verantwortung innerhalb des DJV übernehmen. Aber der Prozess sei langwierig. Er selbst weiß schon jetzt, dass er diesen Prozess, der ihm derzeit viel Freude bereitet, gerne länger begleiten möchte: "Ich hab vor, in zwei Jahren wieder zu kandidieren."