Stand: 24.02.2016 19:30 Uhr

Demo vorm Funkhaus: Wo lügt die "Lügenpresse"?

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Eine Demo gegen die "Lügenpresse" vor dem SWR in Mainz. Statt konkreter Vorwürfe gab's eine Menge Beledigungen und Pauschalurteile.

Vor dem Tor des Funkhauses in Mainz hat sich am Samstag eine kleine Gruppe Demonstranten zusammengefunden, bestückt mit Fahnen und Plakaten. Im Aufruf im Netz kündigten die Veranstalter an, gegen den SWR und seine "verlogene Berichterstattung" aufmerksam machen zu wollen und "ehrlich und direkt" zurück zu funken. Die Kollegen von Report Mainz nutzen die Chance und gehen zu den Demonstranten. Sie wollen wissen, was Menschen, die die Medien lautstark mit "Lügenpresse" titulieren, konkret an der Berichterstattung kritisieren. Doch das erste, was ihnen entgegengebracht wird, ist pure Hetze: "Ich finde es unglaublich, dass solche Leute wie sie überhaupt noch bezahlt werden. Alles Deutschland-Hasser! Alles Deutschland-Hasser! Leute wie sie gehören Berufsverbot!"

Eine Reporterin interviewt einen Demonstranten.

Wo lügt die "Lügenpresse"?

ZAPP -

"Lügenpresse" heißt es auf Demos und im Internet. Auch vorm SWR wurde demonstriert. Auf Nachfragen, wo und wann gelogen wurde, gab es statt konkreter Antworten nur Pauschalurteile.

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Journalisten würden das "Volk in den Tod schreiben"

Konkret angesprochen auf den SWR und dessen Sendungen kommt dann aber nicht mehr als "Ich kann ihnen nichts vorwerfen, weil ich sie nicht kenne. Ich demonstriere bundesweit, ich mache keinen großen Unterschied zwischen den Medien mittlerweile. Ich kenne die Medien sehr gut und sie können mich jetzt nicht aus dem Stegreif fragen. Wenn ich jetzt darauf vorbereitet wäre, würde ich sicherlich Dinge finden, die ich ihnen jetzt vorwerfen kann." Der Mann nennt sich im Netz "Michael Mannheimer", ein Blogger, der auf vielen Demonstrationen Stimmung gegen Flüchtlinge und den Islam macht. Und der auch vor dem Funkhaus wieder die harten Geschütze hervorholt, Journalisten als "diese kriminellen Profis, die mit Mikrofonen und Bleistift ihr Volk in den Tod schreiben" beschimpft.

Pauschale Kritik ohne konkrete Beispiele

Doch auch den anderen Rednern auf der Demonstration konkrete Kritik zu entlocken, erweist sich als äußerst schwierig. So erklärt Sigrid Schüßler, ehemalige Vize-Chefin der NPD in Bayern und selbsternannte "Freiheitskämpferin", nur, es sei "insgesamt die Situation. Ich sage ihnen auch, es ist völlig wurscht, vor welchem Mediengebäude wir demonstrieren." Am Ende kehren die SWR-Journalisten etwas ratlos wieder zurück in die Redaktion. Denn außer Beschimpfungen haben sie nicht viel Neues erfahren.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 24.02.2016 | 23:20 Uhr