Sendedatum: 03.09.2017 19:30 Uhr

Zeitreise: Kampf gegen Kartoffelkäfer

Heute findet man den Kartoffelkäfer überall auf der Welt. Seine Heimat ist eigentlich Colorado in den USA.

Sie waren lange Zeit Staatsfeind Nummer eins. Nicht nur bedrohlich, sondern gefährlich: die Kartoffelkäfer. Nach dem Zweiten Weltkrieg zitterten die Menschen vor ihnen. Denn wo Kartoffelkäfer auftauchten, wurden Ernten vernichtet, drohte Hunger. Hans Holm ist Kartoffelbauer in der Nähe von Aukrug. Heute führen sein Sohn und sein Enkel den Hof. Aber er selbst erinnert sich noch gut an die Zeit, als er mit seiner ganzen Schulklasse auf die Felder geschickt wurde, um die Kartoffelkäfer und ihre Larven abzusammeln. Die Bäuerin brachte damals für die Kinder Kuchen und Limonade, erinnert sich Holm, und vom Bauern gab es sogar ein paar Pfennige für das Sammeln.

Imperialistischer Angriff des Ami-Käfers

Ursprünglich stammt der Kartoffelkäfer aus dem US-amerikanischen Colorado. Schon im Zweiten Weltkrieg gab es Gerüchte in Deutschland, die Amerikaner hätten den Käfer abgeworfen, um die Ernte zu vernichten. Als Anfang der 1950er-Jahre ein Massenbefall durch Kartoffelkäfer gemeldet wurde, flammten die Gerüchte über den Ami-Käfer vor allem in der DDR wieder auf. Die Wochenschau "Der Augenblick" prangerte den "imperialistischen Angriff" auf die sozialistische Republik an. Heute weiß man, das war Unsinn. Die schädlichen Käfer blieben aber, und man rückte dem Kartoffelkäfer im Osten wie auch im Westen per Hand und dann vor allem mit chemischen Mitteln zu Leibe. Heute ist er kaum noch ein Problem auf den Feldern. "Der Kartoffelbauer", meint Holm, "hat keine Angst mehr vor dem Kartoffelkäfer - aber ein gesunder Respekt bleibt."

Kampf gegen den Maikäfer

Ein anderes Insekt galt einst als Zerstörer deutscher Wälder und Landschaften: der Maikäfer. 1879 wurden allein im Kirchenamt Bordesholm fast 24.000 Kilogramm Maikäfer gesammelt. Das sind mehrere Millionen Käfer. Als Herbert Martens in diesem Jahr einen Maikäfer früh morgens in Bordesholm fand, war das der Lokalzeitung sogar einen Artikel wert. So selten ist der Käfer geworden. Dass das mal ganz anders war, daran erinnert sich auch der 73 Jahre alte Martens noch. Schulklassen rückten Anfang der 1950er-Jahre aus, um Engerlinge, die Larven der Maikäfer oder die Käfer selbst zu sammeln. Martens und die anderen Kinder haben die Maikäfer dann gesammelt und in Schuhkartons aufbewahrt. Es gab verschiedene Formen unter den Maikäfern. Einer hieß zum Beispiel der Schornsteinfeger, weil er so schwarz war. Ein anderer hat weißen "Staub" auf dem Panzer, das war dann der Bäcker.

Rückblick auf den Insekten-Kampf

Innerhalb der letzten 60 Jahren sind Kartoffelkäfer und Maikäfer fast verschwunden. Vor allem Insektizide haben ihnen den Garaus gemacht, mit ihnen viele Wildkräuter und andere Insekten. Kinder kennen heute keine Maikäfer mehr. In unserer Zeitreise berichten wir mit vielen alten Filmausschnitten und Geschichten von dem Kampf gegen die Insekten in den 1950er-Jahren.

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Schleswig-Holstein Magazin | 03.09.2017 | 19:30 Uhr