Stand: 06.08.2014 17:00 Uhr

Bourbonen kehren zurück auf den Thron

von Matthias Stelte

Spanien ist über viele Jahrhunderte hinweg eines der großen europäischen Reiche. Doch nach dem Ende der Blütezeit im 17. Jahrhundert stürzt das Land ins Chaos. Nach einem jahrelangen Erbfolgekrieg übernimmt schließlich das Haus der Bourbonen die Herrschaft. Auch der heutige König Felipe VI. stammt aus dieser Linie.

Kolumbus entdeckt Amerika

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Kaiser Karl V. regiert ein Reich "in dem die Sonne niemals untergeht".

Als der erste Bourbonen-König, Felipe V., im Jahr 1700 den Thron besteigt, liegt das Land wirtschaftlich am Boden. Vom Glanz der vergangenen Jahrhunderte ist nur noch wenig übrig. Der Aufstieg Spaniens hatte 1492 mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus begonnen, die Spanier eroberten große Gebiete in Lateinamerika. König Carlos I. aus der Linie der spanischen Habsburger, der auch als deutscher Kaiser Karl V. herrschte, regierte ein Reich, in dem die Sonne niemals unterging. Noch heute wird der 12. Oktober, der Tag an dem Kolumbus die ersten Inseln in der Karibik erreichte, in Spanien gefeiert.

Die Folgen der Heiratspolitik

Bereits im 17. Jahrhundert beginnt der Niedergang Spaniens. Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 verlieren die spanischen Habsburger große Gebiete der heutigen Niederlande und Belgien. Mit dem Pyrenäenfrieden 1658 endet die spanische Vorherrschaft in Europa endgültig. 1665 besteigt der letzte Habsburger den spanischen Thron: Carlos II. Bei seiner Thronbesteigung ist er gerade einmal vier Jahre alt, so dass seine Mutter Maria Anna von Österreich für ihren Sohn die Regierungsgeschäfte führt. Der Regent gilt als geistig minderbemittelt und ist stark fettleibig, da er sich hauptsächlich von Schokolade ernährt. Das aus Mittelamerika eingeführte Genussmittel wird in dieser Zeit als Trinkschokolade konsumiert. Die spanischen Untertanen leiden unter der Unfähigkeit der Krone. Erdrückende Steuern belasten die Bevölkerung, Hunger und Armut breiten sich in ganz Spanien aus, die Bevölkerungszahl sinkt.

Bourbonen gewinnen Erbfolgekrieg

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Der Bourbone Carlos IV. ist von 1788 bis 1808 spanischer König.

Carlos II. stirbt 1701 kinderlos. Damit endet die Linie der spanischen Habsburger und mehrere europäische Königshäuser machen nun ihre Ansprüche auf die Krone geltend. Nach einem zwölf Jahre andauernden Erbfolgekrieg kann sich der französische Zweig der Bourbonen durchsetzen. Felipe V., ein Sohn des französischen Thronfolgers, wird zum König von Spanien gekrönt - bis heute sitzen die Bourbonen auf dem spanischen Königsthron.

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König Alfons XIII. ist der Urgroßvater von Juan Carlos I.

Die folgenden 200 Jahre sind geprägt von innenpolitischer Instabilität, Kriegen und wechselnden Regimen. Mehrere Male müssen die bourbonischen Könige abdanken und das Land verlassen, im 19. Jahrhundert wird Spanien kurzzeitig zur Republik. 1902 wird Alfons XIII., der Ururgroßvater des derzeitigen spanischen Monarchen Felipe, König. Alfons heiratet 1906 Victoria von Battenberg. Victoria, die Ena genannt wird, stammt aus einem deutschen Adelsgeschlecht, ist eine Enkeltochter der britischen Königin Victoria und damit auch eine Cousine des deutschen Kaisers Wilhelm II.

Juan Carlos I. - Francos Nachfolger

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Diktator Franco bestimmt Juan Carlos I. zu seinem Nachfolger.

Als Ena in das spanische Königshaus einheiratet, befindet sich das Land in innenpolitischen Krisen. Spanien hatte nahezu alle überseeischen Kolonien verloren, nur einige Exklaven in Marokko und wenige andere Gebiete - wie beispielsweise Äquatorialguinea - besitzt das Land noch. 1921 geht die Armee in Marokko in einem Feldzug gegen die ansässigen Wüstenstämme vor - die spanische Armee wird vernichtend geschlagen, über 10.000 Soldaten werden getötet. Nach der Niederlage bleiben nur die Städte Ceuta und Melilla unter spanischer Herrschaft. Das führt zu einer weiteren Destabilisierung der Verhältnisse im Mutterland. Der König muss schließlich 1931 das Land verlassen, verzichtet jedoch niemals auf seinen Thron. Wenige Jahre später tobt in Spanien ein verheerender Bürgerkrieg, aus dem der faschistische General Franco als Sieger hervorgeht. Er regiert das Land als Diktator. 1969 bestimmt Franco Juan Carlos zu seinem Nachfolger. Als Juan Carlos 1975 den Thron besteigt, erwarten viele Beobachter, dass der König sich nicht lange an der Spitze des Staates halten kann. Der junge König schafft die Diktatur ab und macht den Weg frei für Demokratie und Parlamentarismus. Seine Sternstunde kommt 1981, als er die neu gewonnene Freiheit durch seine Treue zur Verfassung gegenüber francotreuen Putschisten verteidigt. Im Jahr 2014 dankt Juan Carlos zugunsten seines Sohnes ab. Als Felipe VI. besteigt er am 19. Juni desselben Jahres den spanischen Thron.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Magie der Krone | 26.12.2010 | 19:15 Uhr