Stand: 15.01.2016 14:40 Uhr

Monaco: Eroberung im Mönchsgewand

von Matthias Stelte
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Monacos Burgfelsen mit der Altstadt und dem Grimaldi-Palast.

Der Name Monaco ist heute verbunden mit den Vorstellungen von einer Glitzerwelt, in der sich die Fürstenfamilie Grimaldi, der europäische Hochadel, der internationale Jet-Set und Stars vergnügen. Tatsächlich sind prächtige Bälle, Formel-1-Rennen durch die engen Straßen der Stadt und elegante Dinner-Partys an Bord der zahlreichen Luxus-Yachten, die im Sporthafen von Monte Carlo liegen, Teil des gesellschaftlichen Lebens in Monaco.

Adelsgeschlecht mit italienischen Wurzeln

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Ein Schild und zwei Mönche zieren das Wappen der Grimaldis.

Doch in der mehr als 700-jährigen Herrschaft der Familie Grimaldi über Monaco ist die Glamourwelt nur Teil der jüngsten Geschichte. So luxuriös Monaco heute auch erscheint, die ersten Grimaldis betreten das heutige Fürstentum in einfachen Mönchsgewändern. Die Familie Grimaldi, ein altes Adelsgeschlecht aus der italienischen Stadt Genua, wird nach Machtkämpfen aus der Stadt vertrieben. Francesco Grimaldi, genannt "der Schlaue", macht sich daraufhin mit Soldaten auf den Weg nach Monaco. Die Festung gehört eben jener Familie, die die Grimaldis aus Genua vertrieben hat. 1297 kommt Francesco Grimaldi mit seinen Soldaten in Monaco an. Als Franziskanermönche verkleidet gelingt es ihnen, in die Festung einzudringen und sie zu erobern. Allerdings können sie Monaco nur vier Jahre halten. Erst ab 1341 herrschen die Grimaldis dauerhaft über das Gebiet, daneben besitzen sie große Ländereien in Frankreich. Im Lauf der Geschichte steht das Fürstentum immer wieder unter dem Protektorat fremder Mächte wie Frankreich, Spanien oder Sardinien.

Aufstieg zum Fürstentum

Die erste Blütezeit erlebt Monaco unter der Herrschaft von Honoré II. Er nimmt 1612 den Fürstentitel an. Dieser erste Fürst lässt die vorhandene Festung zum Palast in seiner heutigen Form ausbauen: Der Südflügel wird erweitert, der Ehrenhof erhält sein endgültiges Aussehen. Zudem legt Honoré den Grundstein zu der noch heute bestehenden Kunst- und Gemäldesammlung der Grimaldis.

Palast zum Armenhaus umfunktioniert

Die schwierigste Zeit für die Fürstenfamilie sind die Jahre nach der französischen Revolution 1789. Die Grimaldis verlieren ihre Besitztümer in Frankreich. Das große Nachbarland annektiert Monaco und verwaltet es als "Fort Herkules". Der regierende Fürst, Honoré III., wird verhaftet und in ein Pariser Gefängnis gebracht. Dort stirbt er 1795. Ein weiteres Opfer der Revolution ist die Frau seines zweiten Sohnes: Im Alter von 27 Jahren stirbt sie durch die Guillotine. Die übrigen Mitglieder der Familie müssen ohne ihr früheres Einkommen aus ihren Ländereien in Frankreich leben. Der fürstliche Palast wird geplündert und in eine Kaserne umfunktioniert, dann zu einem Krankenhaus und schließlich zum städtischen Armenhaus. Erst mit der Restauration erhält die Familie 1814 ihre Besitztümer zurück. Die Grimaldis schließen einen Vertrag mit Napoleon, der Monaco die Unabhängigkeit sichert.

Blütezeit im 19. Jahrhundert

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Quelle des Reichtums: das Spielkasino des Fürstentums.

Wenige Jahrzehnte später, in den 1860er-Jahren, erlebt das Fürstentum unter der Herrschaft Charles III. den Wiederaufstieg - das ist auch der Beginn des mondänen Monaco. 1863 gründet Charles III. die "Société des Bains de Mer". Die Gesellschaft soll mit einem Spielkasino und mondänen Hotels reiche Ausländer nach Monte Carlo locken. Der Erfolg setzt bereits wenige Jahre nach der Eröffnung des Kasinos ein, so dass 1869 die direkte Besteuerung der Monegassen abgeschafft wird. Bis heute müssen Monegassen keine Einkommenssteuer zahlen, deshalb ist das kleine Fürstentum ein beliebter Wohnsitz von Millionären. 1879 wird die Oper eingeweiht. Auf eine lange Tradition kann auch das jährlich stattfindende Formel-1-Rennen in Monaco zurückblicken. Der erste Wettbewerb dieser Art, den der Brite William Williams gewinnt, findet 1929 statt.

Gracia Patricia - Hollywood an der Riviera

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1956 heiratet Fürst Rainier III. die Schauspielerin Grace Kelly.

Nach dem Zweiten Weltkrieg besteigt Rainier III. den monegassischen Fürstenthron. Er macht das kleine Land endgültig zu einem Ziel für die Reichen und Schönen der Welt. Den Glamour bringt seine Frau, die amerikanische Schauspielerin Grace Kelly, mit. Der Fürst und der Star heiraten 1956, aus Grace Kelly wird Fürstin Gracia Patricia. Das Paar bekommt die Kinder Caroline, Albert und Stéphanie. Doch das Glück der Fürstenfamilie ist nicht von Dauer. 1982 hat die Fürstin einen Autounfall: Sie erliegt ihren schweren Verletzungen einen Tag später. Stéphanie, die auch im Auto sitzt, überlebte den Unfall. Fürst Rainier III. regiert Monaco über 50 Jahre lang. Er stirbt im Alter von 81 Jahren am 6. April 2005. Sein Sohn Albert herrscht nun als Souverän in dem kleinen Staat an der Küste des Mittelmeeres. Im Juli 2011 heiratet er seine langjährige Freundin Charlene Wittstock, eine gebürtige Südafrikanerin und Schwimmerin. Im Dezember 2014 wird das Paar zum ersten Mal gemeinsam Eltern: Die Zwillinge Gabriella und Jaques erblicken das Licht der Welt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Ein Abend für die Grimaldis | 2.7.2011 | 20:15 Uhr