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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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Regierung lobt Rückbauantrag für AKW Brunsbüttel

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel.  Fotograf: Maurizio Gambarini Detailansicht des Bildes Der Rückbau des AKW Brunsbüttel wird vermutlich 10 bis 15 Jahre dauern. Die Frage, wie es mit den stillgelegten Kernkraftwerken Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) und Krümmel (Kreis Herzogtum Lauenburg) weitergeht, beschäftigt viele Bürgerinnen und Bürger im Land. Die schleswig-holsteinische Landesregierung erhöhte jüngst den Druck auf den AKW-Betreiber Vattenfall. Sie forderte das Unternehmen auf, endlich einen Genehmigungsantrag für den Rückbau seiner Meiler zu stellen. Jetzt machte Vattenfall den ersten Schritt. Als erstes von drei Atomkraftwerken soll nach Angaben des Energiekonzerns der Meiler Brunsbüttel zurückgebaut werden. Einen entsprechenden Antrag reichte Vattenfall am Donnerstag beim zuständigen Energieministerium in Kiel ein.

Albig und Habeck: "Das ist der richtige Schritt"

Die Landesregierung hat sich erfreut über die Ankündigung von Vattenfall geäußert. "Für mich ist das ein erfreulicher Schritt des Unternehmens hin auf die Energiewende", sagte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). Für Schleswig-Holstein sei der Antrag ein sehr wichtiges Signal, dass eines der ältesten Atomkraftwerke Deutschlands nicht nur abgeschaltet bleibe, sondern stillgelegt und abgebaut werde.

Auch Energieminister Robert Habeck (Grüne) begrüßte die Ankündigung von Vattenfall. "Da haben wir lange drauf warten müssen", sagte er NDR 1 Welle Nord. "Damit ist der Stecker endgültig für Brunsbüttel gezogen." Das einzige Problem stellt aus seiner Sicht die Lagerung des hochradioaktiven Mülls dar. Dies könne aber bis zur Klärung der Endlagerfrage am Standort Brunsbüttel geschehen. "Das wird sicherlich noch ein paar Jahrzehnte dauern, aber auch das ist besser, als das AKW so stehen zu lassen", sagte Habeck. Brunsbüttel abzureißen und zur grünen Wiese zu machen, sei der richtige Schritt.

Menge Hürden noch zu überwinden

"Mit der Frage des Rückbaus haben wir uns mit Brunsbüttel bereits viel früher beschäftigt. Wir sind dort einfach in der Ausgestaltung des Prozesses weiter, deshalb ist es logisch und richtig dort anzufangen", meinte Pieter Wasmuth, Vattenfall-Chef für Norddeutschland. Bis allerdings mit der endgültigen Stilllegung begonnen werden kann, wird noch einige Zeit vergehen. Die Atomaufsicht des Landes muss zunächst eine halbe Lkw-Ladung technischer Akten prüfen und dann gegebenenfalls den Antrag genehmigen.

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Forum: AKW-Rückbau in der Diskussion

Vattenfall hat den Rückbau des Kernkraftwerkes Brunsbüttel eingeleitet. Was halten Sie davon? mehr

Vattenfall rechnet mit einem jahrelangen Verfahren. Erst wenn die Genehmigung vorliegt, können die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Das Kraftwerk würde dann von innen nach außen abmontiert, so der Betreiber. Vattenfall geht davon aus, dass der Rückbau etwa 10 bis 15 Jahre dauern wird. Die Kosten für den Rückbau kalkuliert der Energiekonzern derzeit mit einer Summe zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro.

Konzern stellt Bedingung

Eine wichtige Voraussetzung für den Rückbau sei, dass das Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll Schacht Konrad dann zur Verfügung stehe, erklärte Wasmuth. In dem Schreiben an das Energieministerium heißt es mit Verweis auf das geplante Atommüllendlager in Salzgitter: Sollte es dieses Endlager bis zum Jahr 2018 nicht geben, behalte man sich vor, den Antrag zurückzuziehen. Zuletzt waren in der Atomwirtschaft Zweifel laut geworden, ob das Endlager wie angekündigt bis 2019 fertiggestellt werden kann. Das frühere Eisenerzbergwerk in Salzgitter wird derzeit vom Bundesamt für Strahlenschutz umgerüstet.

Kritik vom Bundesamt für Strahlenschutz

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Das Bundesamt für Strahlenschutz erläutert seine Sicht zum Rückbauantrag für das AKW Brunsbüttel und den Äußerungen des Betreibers Vattenfall.

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Das BfS hat die Vattenfall-Aussagen zum Schacht Konrad zurückgewiesen. "Die endgültige Stilllegung von Brunsbüttel hängt nicht vom Betriebsbeginn des Endlagers Konrad ab", sagte ein Sprecher vom Bundesamt für Strahlenschutz. "Dieser Zusammenhang ist nicht nachvollziehbar, da nach der Abschaltung eines Reaktors beispielsweise allein die hochradioaktiven abgebrannten Brennelemente mindestens fünf Jahre im Reaktor oder Abklingbecken verbleiben müssen, ehe sie in sogenannte Castor-Lagerbehälter gebracht werden können." Hinzu komme, dass zwischen der Abschaltung und Stilllegung eines Atommeilers weitere Jahre vergingen. Als Beispiel wird das Kernkraftwerk im baden-württembergischen Obrigheim genannt: "Es wurde vor sieben Jahren abgeschaltet. In Obrigheim befinden sich noch heute Brennelemente." Der Rückbau werde vermutlich noch bis 2021 dauern, heißt es.

Vorerst kein Rückbauantrag für Krümmel

Für den Meiler in Krümmel (Kreis Herzogtum Lauenburg) will Vattenfall noch keine Rückbau-Genehmigung beantragen. Das Kernkraftwerk nehme eine Sonderstellung ein, heißt es aus dem Unternehmen. Der Hintergrund: Nach dem Brand in dem als "Pannenmeiler" bundesweit bekannt gewordenen AKW im Jahr 2007 wurden Millionensummen investiert. Jetzt hofft Vattenfall wegen der zwischenzeitlich beschlossenen Energiewende und dem damit verbundenen Atomausstieg auf eine Entschädigungszahlung.

Für Energiewendeminister Habeck ein Wermutstropfen. "Ich würde mich freuen, wenn Vattenfall sich das noch mal überlegt. Da wird zu lange gepokert." Ähnlich äußerte sich Regierungschef Albig. Der nächste wichtige Schritt auf dem Weg heraus aus der konventionellen Energieerzeugung und hin zu den Erneuerbaren Energien sei jetzt die endgültige Stilllegung und der Rückbau des Kraftwerks Krümmel. "Ich bin sicher, dass uns das mit Vattenfall ebenfalls gelingen wird", meinte Albig.

Chronologie
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Künftig mehr Druck auf AKW-Betreiber?

Wenn es nach dem Willen der Landesregierung in Kiel geht, sollen die Betreiber von stillgelegten Kernkraftwerken zu einem schnelleren Handeln beim Rückbau gedrängt werden. Dafür gibt es bislang keine Fristfestsetzung. Das wollen SPD, Grüne und SSW ändern und am Freitag eine entsprechende Bundesratsinitiative vorlegen. Die AKW-Betreiber sollen demnach unter anderem gezwungen werden, zügig Stilllegungsverfahren in Gang zu bringen. Dazu sollen entsprechende Fristen für Stilllegungsanträge festgelegt werden.

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