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Das Landeskriminalamt ermittelt weiter im mysteriösen Todesfall Barschel.
Nach dem Verschwinden eines Beweisstückes im Fall des 1987 verstorbenen CDU-Politikers Uwe Barschel hat die Witwe Strafanzeige gegen unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Lübeck gestellt. Am Mittwochvormittag ging die Anzeige von Freya Barschels Anwalt Justus Warburg bei der Staatsanwaltschaft Lübeck ein. Der Vorwurf lautet: Strafvereitelung im Amt.
Die Staatsanwaltschaft Lübeck will in dem Fall nicht gegen sich selbst ermitteln. Die Behörde habe die Strafanzeige von Freya Barschel an den schleswig-holsteinischen Generalstaatsanwalt weitergeleitet. Der müsse nun prüfen, ob er eine andere Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beauftrage oder selbst tätig werde, so ein Behördensprecher.
Bei dem verloren gegangenen Beweisstück handelt es sich um ein Haar, das zur Untersuchung zum Landeskriminalamt nach Kiel geschickt werden sollte. Es ist nicht mehr auffindbar. Das verlorene Haar beschäftigt nun auch den Landtag. Am 6. Oktober will sich der Innen- und Rechtsausschuss mit dem Thema befassen. Es sei ein ernster Vorgang, wenn bei Ermittlungsbehörden ein Beweismittel verschwinde, so die innenpolitischen Sprecher Werner Kalinka (CDU) und Gerrit Koch (SPD).
Das verschwundene Haar sollte mit einer neuen Methode auf mögliche DNA-Spuren untersucht werden.
Das Haar war 1987 nach dem mysteriösen Tod Barschels im Hotelbett sichergestellt worden. Es sollte jetzt mit einer neuen Methode auf mögliche DNA-Spuren untersucht werden. Das Haar soll aber nicht von Barschel stammen. Aufklärungbedarf sieht auch das Kieler Justizministerium. Bereits in der vergangenen Woche habe das Ministerium die Generalstaatsanwaltschaft gebeten, die genauen Umstände des Abhandenkommens des Asservats zu klären, sagte ein Sprecher. Die Untersuchungen dauerten an.
War es Schlamperei oder Absicht? Diese Frage stellt sich nicht nur die Staatsanwaltschaft Lübeck. Das Haar sollte 1995, also acht Jahre nach dem Tod Barschels, von Genf nach Lübeck gebracht werden. Erst 1997 wurde es dann als Beweisstück Nummer 84 von insgesamt 142 Asservaten gelistet. Die Tatsache, dass dieses Beweisstück nun verschwunden sei, öffne einer Verschwörungstheorie Tür und Tor, sagte Möller der NDR 1 Welle Nord. Er wolle nicht ausschließen, dass der Fall Barschel neu aufgerollt werden muss.
Unter Druck: Hat der damalige Oberstaatsanwalt Wille Vorschriften missachtet?
Wie und wann das Haar weggekommen ist, sei noch völlig unklar, sagte Möller. Er habe den leeren Plastik-Beutel entdeckt, in dem das Haar aufbewahrt wurde, als es nach Kiel zur DNA-Untersuchung geschickt werden sollte. Besonders brisant: Die Beweisstücke sind nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft Lübeck nicht wie gewöhnlich in der Asservatenkammer gelagert worden, sondern in einem weniger sicheren Büroraum. Die Vorschriften für Beweisstücke seien möglicherweise vom damaligen Oberstaatsanwalt Heinrich Wille missachtet worden, so Möller.
Es sei absurd anzunehmen, dass Beweisstücke absichtlich entwendet wurden, möglicherweise sei das 1995 aus Genf gelieferte Haar nie in der Plastiktüte gewesen, sagte Wille der NDR 1 Welle Nord. Die Beweisstücke sind nach seinen Angaben in einem Metallschrank in dem besagten Büroraum sicherer gewesen als in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft.
Die Todesumstände von Barschel sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Der CDU-Politiker wurde am 11. Oktober 1987 tot in einem Genfer Hotelzimmer aufgefunden - kurz bevor er zur Affäre vor dem Kieler Untersuchungsausschuss hätte Rede und Antwort stehen müssen. Neun Tage zuvor war er als Ministerpräsident Schleswig-Holsteins zurückgetreten. Eine Verleumdungskampagne gegen den Spitzenkandidaten der SPD im Landtagswahlkampf, Björn Engholm, hatte ihn zu Fall gebracht.
Reporter des "Stern" fanden damals die bekleidete Leiche Barschels in dessen Hotelbadewanne im Genfer Hotel "Beau Rivage". Das Foto ging um die Welt. In seinem Körper hatte der 43-Jährige einen tödlichen Cocktail aus acht Medikamenten.